Besuche für mehr Lebensmut
Der Verein Freunde alter Menschen hilft Senioren aus sozialer Isolation und Einsamkeit

Über die Besuchspartnerschaften kommen freiwillige Helfer und alte Menschen zwanglos zusammen wie Hedi (93) und Madleen (28).
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„Es war eine Werbung im „Berliner Fenster“ der U-Bahn, die mich 2019 zum Verein Freunde alter Menschen (Famev) brachte“, erinnert sich Linh Nguyen. Sie war damals auf dem Weg zur Uni, studierte Internationales Marketing Management.

Das Studium hat sie längst abgeschlossen. Allerdings gab ihr die Erfahrung, die sie alsbald mit ihrem freiwilligen Engagement bei Famev machte, zu denken: „Mir kamen Zweifel an der Sinnhaftigkeit meiner beruflichen Planung, zumal mir die soziale Tätigkeit bei Famev wirklich Spaß machte.“

Der Verein ist Teil der internationalen Organisation „Fédération Internationale des petits frères des Pauvres“, die bei der UNO einen Beraterstatus besitzt. Ihr Anliegen ist die Initiierung von Besuchspartnerschaften zwischen ehrenamt-lichen Freiwilligen und hochbetagten isolierten Menschen mit dem Ziel, diesen aus ihrer Einsamkeit herauszuhelfen. 1991 wurde der erste deutsche Ableger in Berlin gegründet, es folgten Hamburg, Köln, Frankfurt und München. Deutschlandweit halten heute rund 600 Freiwillige mit ungefähr 650 älteren Menschen (ab 75 Jahren) Kontakt in sogenannten Besuchspartnerschaften, telefonisch oder bei gemeinsamen Veranstaltungen. Linh Nguyen, eine von insgesamt 100 Vereinsmitgliedern und 274 Berliner Freiwilligen, ist nach wie vor selbst in einer der momentan 94 Berliner Besuchspartnerschaften aktiv und arbeitet zudem hauptamtlich als Koordinatorin von Freiwilligen in der Hauptstadt.

Ihre Motivation ist dabei wie bei vielen Ehrenamtlichen eine ganz persönliche: „Ich bin bei meiner mittlerweile verstorbenen Oma aufgewachsen, der ich sehr viel in meinem Leben zu verdanken habe. Mit meiner Arbeit bei Famev möchte ich stellvertretend für sie den vielen älteren und einsamen Menschen in unserer Gesellschaft etwas zurückgeben.“ Andere Ehrenamtliche seien zum Beispiel zugezogen und vermissten in Berlin ihre Großeltern, interessierten sich für die Geschichten älterer Bewohner dieser Stadt oder wollen einfach Zeit schenken, um eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen. Dabei, so Nguyen, sei zunächst die große Herausforderung, den oft isolierten Menschen überhaupt näher zu kommen. Viel laufe über die Kontakte im persönlichen Umfeld und der Nachbarschaft sowie über eine intensive Öffentlichkeitsarbeit. „Man findet die Famev-Informationsmaterialen besonders dort, wo sich alte Menschen außerhalb ihrer Wohnung öfter aufhalten, zum Beispiel in Arzt- oder Physiotherapiepraxen“, erklärt Linh Nguyen.

Die Besuchspartnerschaft beginnt mit einem unverbindlichen Termin zum gegenseitigen Kennenlernen, möglichst ohne Druck und in Eigenverantwortung der Beteiligten. Dabei, so Nguyen, sei es wichtig, den Älteren klar zu machen, dass es nicht um die Erbringung einer Dienstleistung gehe, sondern um Begegnungen und Austausch auf Augenhöhe, aus der im besten Fall eine Freundschaft erwachse. Die Resonanz und der Erfolg der Idee, die auch die Pandemie gut überstanden hat, macht Linh Nguyen Lust auf mehr: „In unseren Stadtteil-Anlaufpunkten wollen wir über die Besuchspartnerschaften hinaus verstärkt Freiwilligenteams aufbauen und suchen dafür dringend Interessierte. Die Teams sollen nicht nur an der Vermittlung der Kontakte mitarbeiten, sondern das Projekt kreativ mitgestalten.“ Den Lohn dieses Engagements kennt Linh Nguyen aus eigener Erfahrung: „Es ist schön zu sehen, wie einsame alte Leute bei neuen Kontakten und Aktivitäten wieder Spaß und Lebensmut entdecken und in kurzer Zeit regelrecht aufblühen.“

Kontakt: Freunde alter Menschen e.V., Tieckstraße 9, Telefon 691 18 83 und im Internet auf www.famev.de.

Über die Besuchspartnerschaften kommen freiwillige Helfer und alte Menschen zwanglos zusammen wie Hedi (93) und Madleen (28).
Linh Nguyen leitet die Famev-Anlaufstelle in Kreuzberg.
Autor:

Michael Vogt aus Prenzlauer Berg

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