Bezirkspolitik aus dem Wohnzimmer
Verordnete der Fraktionen bleiben über WhatsApp und Telefon in Kontakt

Die Bezirksverordnete Martina Zander-Rade von den Grünen und ihre Tochter Hannah arbeiten am heimischen Schreibtisch. Ihr Mann Christian Zander (CDU) sitzt in einem anderen Zimmer.
  • Die Bezirksverordnete Martina Zander-Rade von den Grünen und ihre Tochter Hannah arbeiten am heimischen Schreibtisch. Ihr Mann Christian Zander (CDU) sitzt in einem anderen Zimmer.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Philipp Hartmann

Am 13. März beschloss der Ältestenrat der Bezirksverordnetenversammlung, dass vorerst bis zum Ende der Osterferien am 19. April keine Sitzungen stattfinden. „Ich erhoffe mir durch diese Maßnahme, einen Beitrag zur Verlangsamung und Eindämmung des aktuellen Infektionsgeschehens mit dem Coronavirus zu leisten“, erklärte BV- Vorsteher Stefan Böltes (SPD).

Die Tagung am 18. März wurde gecancelt. Außerdem gibt es keine Zusammenkünfte der Fachausschüsse. Lediglich kleine Anfragen der Bezirksverordneten sollen weiter eingereicht und durch das Bezirksamt auch beantwortet werden. Die Berliner Woche hat sich umgehört, wie die einzelnen Fraktionen mit dieser ungewohnten Situation umgehen.

Die meisten Verordneten befinden sich im Homeoffice. Für Martina Zander-Rade, Geschäftsführerin der Grünen in der BVV, bedeutete dies, dass sie ihren Arbeitsplatz im Rathaus Schöneberg räumen musste. „Ich habe Rechner, Drucker und die wichtigsten Akten aus dem Büro eingepackt und zu Hause im Wohnzimmer wieder aufgebaut“, sagt sie. Ihre Fraktionskollegen seien miteinander gut vernetzt. „Wir tauschen uns zum Beispiel über Facetime aus und sind da sehr flexibel.“ Allzu gemütlich solle es in den eigenen vier Wänden aber auch nicht werden. „Ich habe keine Jogginghose an“, berichtet sie lachend am Telefon. Ihr Mann Christian Zander, der für CDU in der BVV sitzt, arbeite ebenfalls von zu Hause aus, jedoch räumlich getrennt. „Ein bisschen Distanz brauchen wir auch“, meint Martina Zander-Rade. Ihre elfjährige Tochter, die normalerweise die Gustav-Heinemann-Oberschule in Marienfelde besucht, hat ein Passwort für die Internetseite der Schule bekommen. Arbeitsblätter und andere Unterrichtsmaterialien wurden hochgeladen. Außerdem gibt es dort Ansprachen der Lehrer. „Die Schüler schreiben online auch einen Mathe-Test. Die Schule hat das richtig vorbildlich gelöst“, lobt die Verordnete.

Etwas schwieriger stellt sich die Situation für die SPD-Fraktionsvorsitzende Marijke Höppner dar, die von ihrer Wohnung in Schöneberg aus arbeitet. Sie hat eine dreijährige Tochter, um deren Betreuung sie sich kümmern muss. „Es ist schon eine Umstellung“, sagt sie. Dass keine Spielplätze mehr besucht werden dürfen, sei sehr bitter. Zur Beschäftigung habe sie Bastelsachen herausgesucht. Fraktionssitzungen der SPD gibt es keine mehr, stattdessen Sprachchats. „Wir haben dafür extra ein System heruntergeladen und versuchen so, uns wenigstens alle paar Tage auszutauschen.“ Über die Instagram- und die Internetseite der Fraktion würden auch weiterhin aktuelle Mitteilungen und Videos veröffentlicht. „Wir haben uns als Fraktion darauf verständigt, unsere Social-Media-Arbeit fortzuführen, auch mit Themen ohne Corona-Bezug. Denn wir haben das Gefühl, dass Corona die Menschen schwer belastet, und wir wollen ihnen auch Alternativen bieten“, sagt Höppner.

Elisabeth Wissel, Fraktionsvorsitzende der Linken, berichtete uns am 17. März, dass sie schnell noch Geld holen musste, weil ihre Bankfiliale am folgenden Tag schließen wollte. „Bei uns ist auch erstmal alles auf Eis gelegt“, teilte sie mit. Innerhalb ihrer Fraktion laufe der Austausch weiter über eine WhatsApp-Gruppe oder telefonisch. „Wir sind eigentlich so ganz gut miteinander vernetzt“, meint auch der CDU-Verordnete Hagen Kliem aus Lichtenrade. Aktuell würden sich viele Menschen wegen Corona an ihn wenden. Er sei natürlich kein Experte, aber könne zumindest ein paar Infos weitergeben, die ihn aus dem Senat erreichen. Als Taxiunternehmer kümmert sich Kliem darum, dass sein Betrieb weitestgehend regulär weitergeführt werden kann. Die Fahrer würden den älteren Stammkunden auch Lebensmittel vor die Haustür bringen. „Das hat aber nichts mit dem Virus zu tun, das machen wir schon lange so“, erzählt er. Seine Botschaft: „Ganz wichtig ist jetzt, dass der soziale und gesellschaftliche Zusammenhalt gefördert wird.“

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

27 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Der Fingerabdruck wird als Profil in ein neues, ganz individuelles und persönliches Schmuckstück – einen Ohrring, einen Kettenanhänger oder einen Armreif – eingearbeitet.
4 Bilder

Persönlicher Schmuck
Erinnerung in seiner schönsten Form

Für viele Trauernde ist es ein Wunsch, ein Stück Erinnerung an den verstorbenen Menschen für immer bei sich zu haben. Wir können diesen Wunsch erfüllen: Wir bieten Ihnen an, den Fingerabdruck des geliebten Menschen als Schmuck ein Leben lang ganz nah bei sich zu tragen. Denn nichts ist so individuell und unverwechselbar wie der Fingerabdruck eines Menschen. Der Fingerabdruck wird als Profil in ein neues, ganz individuelles und persönliches Schmuckstück – einen Ohrring, einen Kettenanhänger oder...

  • Bezirk Spandau
  • 18.10.21
  • 56× gelesen
WirtschaftAnzeige
Wertvolles Gemälde oder reif für den Flohmarkt? Am Sonnabend, 30. Oktober 2021, erfahren Sie es, wenn es bei „MyPlace-SelfStorage“ in Berlin wieder heißt: „Experten bewerten“.

Schatz oder Schrott?
„Experten bewerten“ am 30. Oktober 2021 bei „MyPlace-SelfStorage“ in Fennpfuhl

Schatz oder Schrott? Anlässlich der Eröffnung des neuen MyPlace-Standorts im Weißenseer Weg 73 bewerten die Experten vom Auktionshaus Historia im Rahmen der Veranstaltung „Experten bewerten“ kostenlos bis zu drei Gegenstände der Berliner. Die Einwohner aus Stadt und Umgebung sind herzlichst dazu eingeladen, mit ihren Schätzen am Sonnabend, 30. Oktober 2021, zwischen 14 und 17 Uhr zur neuen MyPlace-Filiale in Fennpfuhl zu kommen. Die Kunstexperten klären die Besucher darüber auf, ob z.B. das...

  • Fennpfuhl
  • 19.10.21
  • 50× gelesen
WirtschaftAnzeige
Maideasy sorgt für saubere Büros - jetzt auch in Berlin

Für Ihr sauberes Büro
Maideasy erweitert Büroreinigungsservice für Gewerbekunden in Berlin

Das Reinigungsunternehmen Maideasy wächst weiterhin und hat vor Kurzem den Büroreinigungsservice in den Geschäftskundenbereich in Berlin integriert. In Zukunft sollen nun mehr Firmenkunden aus der Berliner Umgebung gewonnen werden. Neben den aktuellen Leistungen der Gebäude-, Fassade-, Fenster- und Teppichreinigung konzentriert sich die Reinigungsfirma nun auch auf Büroreinigungen. Reinigungsdienstleister Maideasy im Überblick Das Reinigungsunternehmen Maideasy ist in Berlin und dessen Umgebung...

  • 30.09.21
  • 123× gelesen
VerkehrAnzeige
Mit der richtigen Vorbereitung und der optimalen Ausrüstung kann das Radeln trotz Nässe, Kälte, Schnee und Dunkelheit der ganzen Familie Spaß machen.
7 Bilder

Mit Kids und Fahrrad durch die dunkle Jahreszeit
Tipps und Tricks für mehr Spaß und Sicherheit beim Winterradeln mit Kindern

Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: Kids sollten jeden Tag raus an die frische Luft und sich bewegen. Das hält fit und stärkt das Immunsystem. Der tägliche Weg zu Kita oder Schule mit dem Fahrrad schont also nicht nur die Umwelt, sondern trägt auch einen guten Teil zur Erhaltung der Gesundheit bei. Ganz so unbeschwert wie im Sommer radelt es sich in der dunklen Jahreszeit leider nicht. Aber bei Beachtung von ein paar Tipps kommen Kinder und Eltern mit Sicherheit gut durch den Rad-Winter....

  • Charlottenburg
  • 14.10.21
  • 41× gelesen
WirtschaftAnzeige
Natascha Franke

Vertrauen Sie Experten
Makler von Postbank Immobilien helfen beim Hausverkauf

Wenn das eigene Haus den Eigentümer wechseln soll, gibt es dabei viele Stolpersteine. Verkäu­fer sollten sich daher professionelle Unterstützung holen. Natascha Franke, Maklerin von Postbank Immobilien Berlin: „Wir kennen den regionalen Markt und unsere Kunden, können die Qualitäten einer Immobilie richtig einschätzen und sind in der Lage, einen angemessenen Verkaufspreis zu er­mitteln und durchzusetzen." Denn am Wert scheiden sich oft die Geister. Der Verkäufer will keinesfalls unter Wert...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 01.10.21
  • 179× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen