Die Situation hat sich verbessert
Streetworker hilft Obdachlosen am S-Bahnhof Tempelhof

Der Bezirk plant für Mitte 2020 eine öffentliche Veranstaltung für Anwohner, Bezirksverordnete und Initiativen, um sich über die gemachten Erfahrungen am Bahnhof Tempelhof auszutauschen.
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Wer regelmäßig am Bahnhof Tempelhof umsteigt, wird zwangsläufig Zeuge von Obdachlosigkeit. Auch Drogen wie Heroin werden dort konsumiert, wie uns die Polizei vor gut einem Jahr auf Nachfrage bestätigte. Inzwischen hat sich die Situation laut Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) jedoch verbessert.

Nachdem ein Gewerbetreibender mehrere Beschwerdebriefe geschrieben und darin unter anderem auf die zunehmende Verwahrlosung rund um den Bahnhof aufmerksam gemacht hatte, setzte sich das Bezirksamt bereits Ende 2018 mit der Lage vor Ort auseinander. Dabei wurde Handlungsbedarf in Hinblick auf Drogenkonsum und Obdachlosigkeit erkannt. „Bereits im Vorfeld wurde der S- und U-Bahnhof Tempelhof vom Bezirksamt in die Antragsstellung der kiezorientierten Gewalt- und Kriminalitätsprävention bei der Landeskommission gegen Gewalt aufgenommen. Durch die Bewilligung des Antrags konnte ein Träger beauftragt werden, um eine Bedarfs- und Situationsanalyse sowie niedrigschwellige Sozialarbeit durchzuführen“, erklärt Schöttler.

Seit 1. September ist nun ein Streetworker des Drogennotdiensts im Einsatz. Er ist täglich zu unterschiedlichen Zeiten am Bahnhof, spricht mit Anwohnern und Geschäftsleuten und bietet den Obdachlosen Hilfe an. Zu fünf Personen sei der Kontakt gut und regelmäßig, erklärt Andrea Piest. Die Leiterin des Drogennotdiensts in der Nähe vom Nollendorfplatz zieht nach den ersten vier Monaten eine positive Bilanz. „Drogenkonsum und Drogenhandel stehen am Bahnhof Tempelhof nicht im Vordergrund. Dort sind vor allem wohnungslose Deutsche ohne Krankenversicherung anzutreffen. Manche konsumieren Substanzen und manche trinken einfach nur Alkohol und halten sich am Imbiss vor dem Eingang Richtung Tempelhofer Feld auf“, berichtet sie.

Streetworker Philipp Klauß habe sicherheitshalber immer sterile Konsumutensilien und passende Entsorgungsbehälter dabei. Meist gehe es jedoch darum, den Kältebus zu rufen, den Betroffenen Schlafplätze zu vermitteln oder sie zur sozialen Wohnhilfe zu fahren. „Wir können supergut verstehen, dass sich die Anwohner belästigt fühlen. Dennoch würden wir uns freuen, wenn sie gerade bei diesen Temperaturen nicht wegschauen, sondern helfen“, sagt Piest. Bei Fragen könne immer auch der Drogennotdienst unter streetwork@notdienstberlin.de kontaktiert werden. „Ein dramatisches Bild finden wir nicht mehr vor. Da der Bahnhof nachts geschlossen ist, hält sich dort zu der Zeit niemand auf.“ Tagsüber seien Polizisten und Mitarbeiter der DB Sicherheit verstärkt präsent und würden die Betroffenen bitten, das Bahnhofsareal zu verlassen. Bürgermeisterin Schöttler zufolge sei auch die beklagte Verwahrlosung nicht mehr festzustellen. „Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass das Privatgelände am hinteren Ausgang des Bahnhofs zur Stadtautobahn hin mittlerweile durch ein Tor gesichert ist. Auch Grünanlagen wurden zurückgestutzt, sodass diese einsehbar sind und dadurch nicht mehr zum Campieren genutzt werden.“

Die Arbeit des Streetworkers ist vorerst noch bis zum 31. Dezember 2020 ausgelegt. Andrea Piest hält es jedoch für wichtig, dass das Projekt trotz der festgestellten Verbesserungen auch danach nicht eingestellt, sondern kontinuierlich gesichert wird. Die Zusammenarbeit mit dem Bezirk sei „unheimlich gut“.

Der Bezirk plant für Mitte 2020 eine öffentliche Veranstaltung für Anwohner, Bezirksverordnete und Initiativen, um sich über die gemachten Erfahrungen am Bahnhof Tempelhof auszutauschen.
Der Bezirk plant für Mitte 2020 eine Veranstaltung für Anwohner, Bezirksverordnete und Initiativen, um sich über Erfahrungen am Bahnhof Tempelhof auszutauschen.
Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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