"Wir wollen endlich Taten sehen"
Neuköllner Elternvertreter fordern Modellprojekt zur Schulreinigung

Elternvertreter überreichen Martin Hikel ihren offenen Brief. In ihm fordern sie ihn auf, in einem Modellprojekt befristet Reinigungskräfte einzustellen.
  • Elternvertreter überreichen Martin Hikel ihren offenen Brief. In ihm fordern sie ihn auf, in einem Modellprojekt befristet Reinigungskräfte einzustellen.
  • Foto: pv
  • hochgeladen von Susanne Schilp

Sieben Elternvertretungen machen Druck. In einem offenen Brief fordern sie Bürgermeister Martin Hikel (SPD) auf, die Schulreinigung schnell und probeweise in die Hände von Putzkräften zu legen, die beim Bezirk angestellt sind.

Hintergrund: Nach monatelangem Einsatz und einem erfolgreichen Bürgerbegehren ist es der Initiative „Schule in Not“ gelungen, dass die Bezirksverordneten im Juni 2020 einen einstimmigen Beschluss fassten. Angesichts der untragbaren hygienischen Zustände in vielen Gebäuden solle angestrebt werden, nicht mehr Fremdfirmen mit dem Saubermachen zu beauftragen, sondern die Schulreinigung wieder der Kommune zu übertragen.

Geschehen sei aber bisher nichts, kritisieren die Elternvertreter. Sie setzen sich nun für ein Modellprojekt im kommenden Schuljahr ein. Befristet solle von Fremd- auf Eigenreinigung umgestellt werden. Das mache einen objektiven Vergleich möglich. Hanna Hamel, stellvertretende Vorsitzende der Gesamtelternvertretung der Peter-Petersen-Schule, sagt: „Ich bin eine von fast 12.000 Neuköllnern, die das Bürgerbegehren unterschrieben hat. Wir erwarten eine rasche Umsetzung. Mit den Modellprojekten kann der Bürgermeister zeigen, wie ernst er es mit direkter Demokratie und sauberen Schulen meint. Wir wollen Taten sehen.“

Ihr zur Seite stehen die Gesamtelternvertretungen der Karl-Weise-Schule, Karlsgarten-Schule, Albrecht-Dürer-Schule, Schule am Teltowkanal, Albert-Einstein-Schule und Fritz-Karsen-Schule. Philipp Dehne, Sprecher der Initiative „Schule in Not“, ist erstaunt darüber, dass der Bezirk noch nicht tätig geworden ist. „Er kann das Modellprojekt selbstständig umsetzen. Anders als bei der flächendeckenden Rekommunalisierung ist keine Mitwirkung von Senat und Abgeordnetenhaus notwendig“, sagt er.

Bürgermeister Martin Hikel zeigt sich über den Ton der Initiative „sehr verwundert“. „Dem Bezirksamt mitten in der Pandemie Untätigkeit vorzuwerfen, ist doch etwas dick aufgetragen“, meint er. Den Vorschlag der Elternvertreter lehnt er strikt ab: „Befristete Stellen für Reinigungskräfte wird es nicht geben. Gute Arbeit und befristete Stellen, das geht für mich nicht zusammen, schon gar nicht im öffentlichen Dienst.“ Eine Rekommunalisierung könne nur in Absprache mit anderen Bezirken funktionieren. Gespräche darüber laufen. Erster Erfolg: Vor einigen Monaten bewilligte das Abgeordnetenhaus für 2020/2021 rund 16 Millionen Euro zusätzlich für die Reinigung. Mit dem Geld habe Neukölln an der Hälfte der Schulen dafür gesorgt, dass nun jeden Tag Putzleute kommen. „Außerdem haben wir die jährliche Grundreinigung aller Gebäudeflächen wieder eingeführt“, so der Bürgermeister. Professionelle Dienstleister würden die Hausmeister dabei unterstützen, die Möbel aus- und einzuräumen.

Dauerhafte Stellen erst ab 2022

Zu lösen blieben noch einige Probleme, zum Beispiel fehle es an gut ausgebildeten Reinigungskräften. Auch müssten in etlichen Schulen Umbauten vorgenommen werden. „Kommunal beschäftigte Reinigungskräfte benötigen mindestens Pausen- und Umkleideräume“, sagt Hikel. Sein Fazit: Dauerhafte Stellen könnten frühestens ab dem kommenden Jahr geschaffen werden – vorausgesetzt, Bezirke und Senat ziehen an einem Strang.

Philipp Dehne hat den Argumenten des Bürgermeisters einiges entgegenzusetzen. Zum Beispiel sei es der Initiative „Schule in Not“ zu verdanken, dass das Abgeordnetenhaus nicht zwölf, sondern 16 Millionen Euro zusätzlich lockergemacht hat. Vor allen aber versteht er nicht, warum Hikel partout keine befristeten Stellen schaffen möchte. „Sie könnten dann ab 2022 in feste Stellen überführt werden. Schließlich gibt es auf der Landesebene mittlerweile einen Konsens für die Rekommunalisierung“, sagt er. Ein auf sechs oder zwölf Monate begrenztes Modellprojekt mit Aussicht auf Festanstellung würde vielen Putzleuten mehr Sicherheit und Lohn bieten als ihre jetzige Arbeit.

„Derzeit sieht es doch so aus: Bei jeder neuen Ausschreibung und dem folgenden Firmenwechsel geht für Reinigungskräfte die Probezeit wieder von vorne los. Wir haben Berichte, wonach einige aufgrund eines kurzen krankheitsbedingten Ausfalls gekündigt worden sind, obwohl sie jahrelang an derselben Schule gearbeitet haben“, erklärt Dehne.

Der Beschluss der Bezirksverordneten sehe vor, dass die Rekommunalisierung 2021/2022 startet und bis zum Sommer 2022 ein Viertel der Schulen von kommunalen Mitarbeitern gesäubert werden sollen. „Wenn das Bezirksamt diesen Zeitplan umsetzen will, muss es jetzt mit der Planung und Vorbereitung beginnen. Diesen Prozess sehen wir derzeit leider nicht“, so Dehne.

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

11 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Parfümerie Gabriel Frau Lang (links) und Frau Gutenmorgen begrüßen Sie ab sofort gern in der Parfümerie Gabriel in Frohnau.
2 Bilder

Wir sind für Sie da
Parfümerie Gabriel: Ab sofort auch in Frohnau!

Ab sofort finden Sie uns in neuem Glanze auch am Zeltinger Platz 1 + 3 in Berlin-Frohnau. Ob Düfte, Pflegeprodukte, Make-up oder besondere Accessoires – bei unseren Beautyexperten finden Sie bestimmt das Richtige für sich oder Ihre Liebsten. Oder verschenken Sie doch einen unserer liebevoll verpackten Geschenkgutscheine. Da ist garantiert für jeden die passende Oster-Überraschung dabei. Verwöhn-Momente in der Beauty Lounge Demnächst laden wir Sie auch gerne zu unvergesslichen Verwöhn-Momenten...

  • Frohnau
  • 24.02.21
  • 96× gelesen
WirtschaftAnzeige
Willkommen in den neuen Räumlichkeiten von Optik an der Zeile.

Optik an der Zeile
Es ist geschafft – wir sind um die Ecke gezogen

Es ist geschafft – wir sind um die Ecke gezogen. Seien Sie neugierig und schauen Sie bei uns rein. Es lohnt sich, denn mit unserer 9. Brillenmesse feiern wir unseren Umzug und unser neues Geschäft im Osteingang vom Märkischen Zentrum. Nach über 30 Jahren im Märkischen Viertel eröffnen wir ein neues Kapitel in unserer Geschichte. Das neue Geschäft bietet mehr Platz und Sie werden sich sicher wohlfühlen. Bei unserer 9. Brillenmesse bieten wir Ihnen wieder die kompletten Kollektionen namhafter...

  • Märkisches Viertel
  • 23.02.21
  • 87× gelesen
KulturAnzeige
Jami-ul-Alfar
Video 2 Bilder

Der Traum vom Reisen in der Zeit von Corona
Sri Lanka: eine kleine, wunderschöne Insel

In dieser Zeit, in der die Welt vom Coronavirus geplagt wird, träumt jeder davon, wieder neue Länder und Kulturen zu entdecken und zu erleben. Davon können wir im Moment nur träumen. In Südasien gibt es eine wunderschöne Insel, klein, aber mit vieles zu entdecken und zu erleben, wenn das Reisen wieder möglich ist: Sri Lanka. Abwechslungsreiche LandschaftenSri Lanka befindet sich im Indischen Ozean. Die Insel ist größtenteils flach, aber im südlich-zentralen Teil der Insel gibt es auch Berge,...

  • Schöneberg
  • 15.02.21
  • 324× gelesen
WirtschaftAnzeige
Lars Sommer, Julius Voigt, Christian Schröder und Daniel Eggert (von links) sorgen gern für Ihr Catering.
5 Bilder

Airstream Catering
Mit dem Foodtruck bei Ihnen vor Ort

Der Airstream-Wohnwagen aus den USA ist das Highlight der Catering-Szene in Berlin und Brandenburg. Seit 2013 touren der 38-jährige Daniel Eggert und der 41-jährige Lars Sommer mit ihrer „rollenden Küche“, wie sie den umgebauten Wohnwagen nennen, durch Berlin und Brandenburg. Die aus der internationalen Spitzengastronomie entstammenden Gründer Daniel Eggert und Lars Sommer bieten professionell und emotional ihre Food-Innovationen einer internationalen Kundschaft an. Die Inhaber setzen vor allem...

  • Bezirk Pankow
  • 11.02.21
  • 784× gelesen
WirtschaftAnzeige
"Wir halten Sie mobil!", sagt Marlies Wegener, Geschäftsführerin vom Autohaus Wegener. Auch wenn der Präsenzverkauf derzeit leider nicht möglich ist: Das Autohaus Wegener ist für Sie erreichbar. Und natürlich bleibt der Werkstattbereich weiterhin geöffnet.

"Wir halten Sie mobil!"
Autohaus Wegener ist auch während der Pandemie für Sie da

Auch wenn der Präsenzverkauf derzeit leider geschlossen bleiben muss: Die Mitarbeiter vom Autohaus Wegener sind für Sie da! Unter dem Motto "Wir halten Sie mobil!" erreichen Sie das kompetente Team telefonisch unter der Rufnummer 0800/906 72 58 oder per E-Mail info@autohaus-wegener.de. Montags bis freitags von 7 bis 18.30 Uhr sowie sonnabends von 9 bis 13 Uhr stehen Ihnen die Mitarbeiter zur Verfügung. Ob Neu- oder Gebrauchtwagen, Kauf, Leasing oder Werkstattservice: Trotz der coronabedingten...

  • Charlottenburg
  • 18.01.21
  • 205× gelesen
WirtschaftAnzeige
Niederlassungsleiter Klemens Möhne und seine Mitarbeiterinnen Tanja Alber und Katrin Dröse vor der runderneuerten Fielmann-Filiale in der Frankfurter Allee.

Nach 25 Jahren im neuen Glanz
Fielmann eröffnet umgebaute Niederlassung in der Frankfurter Allee

Seit 1995 verkauft Fielmann seine Brillen in Friedrichshain. In diesem Vierteljahrhundert wurden hier mehr als 250.000 Brillen verkauft. Das wären umgerechnet zwei für jeden Einwohner des Stadtteils. Passend dazu hat Deutschlands erfolgreichster Optiker nun seine komplett umgestaltete Niederlassung wiedereröffnet. Trotz der herrschenden Maskenpflicht ist auf ersten Blick zu erkennen, dass Fielmann-Niederlassungsleiter Klemens Möhne über beide Ohren strahlt. Und das aus gutem Grund: In den...

  • Friedrichshain
  • 05.02.21
  • 247× gelesen
SozialesAnzeige

Online den richtigen Partner finden: Herzklopfen-berlin.de
Die Liebe hält keinen Winterschlaf – mit richtigem Dating den Traumpartner finden

Im Winter verlagert sich das Leben nach drinnen. Das gilt in diesem Jahr besonders. Wenn es draußen kalt und dunkel wird, freut man sich umso mehr auf ein warmes Zuhause. Mit einem Glas Wein oder einem heißen Kakao, einem guten Buch in der Hand oder einem schönen Film im Fernsehen – während vor den Fenstern die Lichter der Hauptstadt leuchten oder sogar ein paar Schneeflocken vorbeiwirbeln. Was es gäbe es da schöneres, als das Glück eines entspannten Winterabends auf dem Sofa oder im Bett mit...

  • Schöneberg
  • 21.12.20
  • 1.140× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen