Extremisten auf dem Vormarsch: Register warnt vor Attacken und "braunen" Konferenzen

Wo Extremismus gedeiht: Gerade im Ortsteil Charlottenburg nutzen Ideologen öffentliche Orte zur Verbreitung ihres Gedankenguts und verüben körperlichen Attacken.
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Charlottenburg. Rassismus, Antisemitismus und Homophobie – Phänomene, die laut Bericht des Berliner Registers und der Opferberatungsstelle „ReachOut“ wieder salonfähig werden. Und das auf buchstäbliche Weise. Denn im Bezirk tagen Extremisten frei von Scheu an exponierten Orten.

Gerade die Alltagsplätze bergen die größten Gefahren, plötzlich zum Opfer zu werden. Und auch abseits der Hotspots und Bahnhöfe des Bezirks stieg im Jahr 2015 die Wahrscheinlichkeit, einem Täter zum Opfer zu fallen, der Menschen mit anderen Gesinnungen, Hautfarben und Religionen herabzusetzen versucht. Mal verbal, mal brutal.

Zu dieser Schlussfolgerung kommen jedenfalls jene, die dem neuen Bericht des Berliner Registers Glauben schenken. Selbst das bürgerlich-gebildete Charlottenburg-Wilmersdorf erreichte Zahlen, die nachdenklich stimmen. 182 rechte und diskriminierende Vorfälle, davon 22 Angriffe, verzeichnete das örtliche Register, angesiedelt bei der Jugendorganisation „Falken“. Damit wird die Zahl von 105 Vorfällen in 2014, die damals für Erschrecken sorgte, nochmals weit überboten.

Abstruse Theorien

„Besonders auffällig war der Anstieg rassistischer Vorfälle auf 59 Meldungen, eine Verdreifachung im Vergleich zu 2014“, beklagt der Bericht. Als besonders belastet gilt demnach der Ortsteil Charlottenburg, wo sich Extremisten gerne in Citylage versammeln und ihre Propaganda unverhohlen in die Öffentlichkeit tragen.

Zwar befinden sich in Sachen der „rassistischen Mobilisierung“ die Ostbezirke Berlins statistisch fast immer vor denen im Westen. Jedoch liegt die Vorfallsquote in der City West entgegen dieses Dauertrends auffällig hoch. „Charlottenburg-Wilmersdorf kann ebenso viele Veranstaltungen aufweisen wie die Ostberliner Bezirke, dort sind sie aber auf neurechte und reichsideologisch-esoterische Vortragsreihen zurückzuführen“, heißt es in der Analyse. Schon im Vorjahr hatte Register-Mitarbeiterin Lea Lölhöffel betont, dass braune Gruppierungen in unverdächtigen Lokalen tagen. Herausgehoben wurde das „Neuschwabenland“-Treffen, dessen Mitglieder davon ausgehen, dass Adolf Hitler von einer Geheimbasis am Südpol aus noch immer die Geschicke lenkt. tsc

Autor:

Thomas Schubert aus Charlottenburg

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