Baumpaten dringend gesucht
Lisa Stypor organisiert das Gießen der Bäume in ihrem Kiez

Für Lisa Stypor ist demonstrieren für mehr Klimaschutz zu wenig, sie wird lieber sofort tätig.
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Lisa Stypor hat genau hingesehen und erkannt, dass es den Bäumen in ihrer Straße wegen der anhaltenden Trockenheit nicht gut geht. Jetzt wässert sie, wo sie kann und bemüht sich, Nachbarn für Baum-Patenschaften zu gewinnen.

Es ist der zweite Sommer in Folge, der zu trocken ist. Für die Landwirtschaft sowieso, aber eben auch besonders für die Stadtbäume. Die Senatsverwaltung und einzelne Bezirke haben die Bürger aufgerufen, die Grünflächenämter zu entlasten, die mit dem Wässern nicht mehr nachkommen.

Lisa Stypor wohnt in der Camerstraße. Warum sie erst einen und dann alle 67 Bäume entlang der Verbindungsstraße zwischen Savigny- und Steinplatz genauer inspiziert und so die braunen Ränder an den Ahornblättern festgestellt hat? „Vielleicht weil ich seit über 30 Jahren als Landschaftsmalerin tätig und damit der Natur sehr verbunden bin.“ Stypor hat an einigen Fridays for Future-Demos teilgenommen, weil sie es wichtig findet, sich für Klimaschutz stark zu machen, es aber auch als beschämend erachtet, dass dies nun Schüler in die Hand nehmen müssen. „Mir war das aber schnell zu wenig, ich wollte selber etwas machen“, sagt sie. Damit begann sie gleich vor ihrer Haustür, erkundigte sich beim Ordnungsamt, ob es in Ordnung sei, wenn sie die Bäume wässere und beim Grünflächenamt, wie viel Wasser ein Baum benötigt. „100 Liter in der Woche, am besten in einem Rutsch“, berichtet sie. Sie kaufte sich eine Tonne mit diesem Volumen und seither kümmert sie sich – meist sonnabends – um „ihren“ Baum. Sie hat Pappschilder für die Namen potenzieller Baumpaten gekauft, sie mit Acryllack wasserfest gemacht und mit einer Kordel versehen. 25 solcher Schilder tanzen bereits an Bäumen in der Camerstraße im Wind, so viele Nachbarn konnte sie schon gewinnen.

Diesmal wässert sie aus Zeitgründen am Dienstag. Montag regnete es ein wenig, deshalb macht sie die Tonne nicht ganz voll. Im Innenhof ihres Mietshauses steht ein Wasserhahn, das hatte sie bei der Hausverwaltung in Erfahrung gebracht und mit Erfolg um die Nutzung gebeten. „Das ist ganz wichtig. Denn das Gartenwasser, so wie ich es nenne, ist um die Hälfte günstiger als Leitungswasser, weil keine Abwassergebühren anfallen“, erklärt sie und rechnet vor: „Da kostet ein Kubikmeter Wasser derzeit 1,81 Euro. Damit kann ich zehn Bäume pro Woche versorgen. Ein Baum kostet den Paten also weniger als einen Euro, das ist schon zu stemmen“, sagt sie, während sie den langen Schlauch abwickelt und durch den Flur des Treppenhauses nach vorne auf die Straße zieht. Sie befüllt die Tonne und guckt auf die Uhr: Das Wässern eines Baums mit ihrer Tonnen-Methode dauere 30 bis 45 Minuten. Die Tonne ist fast voll, Lisa Stypor schöpft mit einem Plastikbehälter Wasser daraus und verteilt es rund um ihren Patenbaum. Sie will ihr Engagement gar nicht überbewertet wissen. Ihr geht es um mehr. „Ein Baum ist ein Lebewesen, er versorgt zehn Menschen mit Sauerstoff, bindet den Feinstaub und Kohlendioxid. Vor dem Hintergrund ist der Aufwand für das Gießen echt gering." Die benachbarte Apotheke hätte die Pflanzen rund um ihr Geschäft eh schon gegossen, andere, wie das Cafè La Petit, seien schnell mit auf den Zug gesprungen. Sie will aber noch mehr Anwohner, Geschäfte und Wirte aktivieren, gerade in dem Straßenabschnitt zum Savignyplatz hin kenne sie die Menschen nicht. Deshalb veranstaltet sie am 14. und 21. September eine "Rote-Herzen-Aktion". Jeder Baum, der noch keinen Betreuer hat, bekommt ein faustgroßes Herzchen mit Aufschriften wie „Gieß mich bitte!“ umgebunden. „Manche der bislang 25 Paten haben mehrere Bäume. Aber zwischen 20 und 25 Bäume sind noch zu versorgen“, sagt Stypor. Ab 11 Uhr ist sie an den beiden Samstagen als Ansprechpartnerin auf der Straße.

Für Lisa Stypor ist demonstrieren für mehr Klimaschutz zu wenig, sie wird lieber sofort tätig.
Für Lisa Stypor ist demonstrieren für mehr Klimaschutz zu wenig, sie wird lieber sofort tätig.
Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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