Bewahrenswert oder kann das weg?
Aufarbeitungsverein kritisiert Abriss des Gründerzeitbaus auf dem Stasi-Gelände

Nur wenige Schritte hinter der Frankfurter Allee steht der Altbau "Haus 6", der vor dem Abriss steht.
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  • Nur wenige Schritte hinter der Frankfurter Allee steht der Altbau "Haus 6", der vor dem Abriss steht.
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Noch steht der Gründerzeitbau in der Magdalenenstraße 13, doch seine Tage sind gezählt: Das sogenannte Haus 6 der ehemaligen Stasi-Zentrale soll abgerissen werden – zum Unverständnis des Vereins Bürgerkomitee 15. Januar. Der möchte, dass möglichst alle Bauten auf dem Gelände erhalten bleiben.

„Zentrale Auswertungsabteilung“ nannte sich eine Dienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), in der die Flut an gesammelten Informationen gesichtet und gebündelt wurde. Aus diesen Erkenntnissen und den Vorgaben der Parteispitze definierte die Abteilung nicht zuletzt Aufgaben für die Stasi-Mitarbeiter. Untergebracht war sie im einzigen noch vorhandenen Gründerzeitbau an der Magdalenenstraße, nur wenige Schritte von der Frankfurter Allee entfernt.

Das Haus gehört heute dem Bund, die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hat mit Abrissarbeiten begonnen. Eine Entscheidung, die einen viel zu starken Eingriff in die Umrisse der ehemaligen Stasi-Zentrale darstelle, sagt Christian Booß, Historiker und Vorstand des Bürgerkomitees 15. Januar. Der Verein hat sich nach dem Tag der Stürmung der Stasi-Zentrale im Jahr 1990 benannt, er engagiert sich für die Aufarbeitung der Geschichte des MfS-Sitzes.

Auf dem Gelände zwischen Normannen-, Rusche-, Magdalenenstraße und Frankfurter Allee waren einmal bis zu 7000 Menschen beschäftigt. Heute sitzt dort der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen samt Archiv; das Stasi-Museum und diverse Ausstellungen sind Orte der Information und Aufklärung über die Geheimpolizei der DDR und den Widerstand der Opposition. Aus dem Jahr 2012 stammt die Idee, dort einen Campus für Demokratie zu errichten. Ein Runder Tisch wurde installiert, es gibt Standortkonferenzen zur Zukunft des Areals, vieles ist aber noch vage. Ein Großteil der über 50 Gebäude und Tausenden von Büros steht leer.

Wichtig, um Dimensionen der Überwachung zu zeigen

Das Bürgerkomitee 15. Januar will, dass der Komplex im Prinzip bewahrt wird, wie er ist. „Nur durch einen weitgehenden Erhalt können die Dimensionen des einstigen Überwachungsapparates deutlich gemacht werden“, so Christian Booß. Er äußert Zweifel am abrissreifen Zustand von Haus 6, kritisiert den Bund für die Entscheidung, aber auch das Bezirksamt Lichtenberg, das die Genehmigung erteilt hat.

Lichtenbergs Stadträtin für Stadtentwicklung Birgit Monteiro (SPD) beruft sich auf die gesetzlich fixierte Baufreiheit von Grundstückseigentümern und Bauherren. So seien Abrisse in Berlin in der Regel nur noch anzeige- und nicht genehmigungspflichtig. Für das Haus in der Magdalenenstraße war allerdings eine Erlaubnis nötig, weil sich das Grundstück in einem Sanierungsgebiet befindet. Die Genehmigung ist im März 2018 erteilt worden. Weder würde der Abriss die Sanierungsziele erschweren, noch ihnen widersprechen oder sie gar unmöglich machen, so die Begründung. 

Ein Widerspruch zum Sanierungsrahmenplan – wie vom Bürgerkomitee kritisiert – besteht laut Stadträtin nicht. Im Papier von 2014 sei für das Gebäude zwar eine gewerbliche-, eventuell sogar eine Wohnnutzung vorgesehen. Das hieße aber nicht unbedingt, der alte Baukörper müsse erhalten bleiben. „Es wäre auch möglich, die Sanierungsziele in einem Neubau am Blockrand zu realisieren.“

Keine Wohnfunktion mehr

Monteiro betont, dass dem Gebäude bereits vor 1990 seine Wohnfunktion entzogen wurde, langer Leerstand habe schließlich dazu geführt, dass es mit einem angemessenen finanziellen Aufwand nicht mehr renovierbar sei. Anstelle maroder Bausubstanz könne ein Neubau das Grundstück und seine Umgebung aufwerten. Die Stadträtin findet, dass der Abriss einen Schandfleck in der Magdalenenstraße beseitigt.

Das Bürgerkomitee ist anderer Auffassung. Haus 6 könnte als Teil der Geschichte Alt-Lichtenbergs und der Stasi-Entwicklung mit vertretbarem Aufwand saniert und erhalten werden, ist Christian Booß sicher. „Eine Nutzung fürs Wohnen oder als Forschungsstelle für die Stasi-Geschichte und Archivalien wäre möglich und sinnvoll.“ Auch eine Übergabe in gemeinnützige Trägerschaft kann er sich vorstellen. Der Verein hat an Bund, Senat und Bezirksamt appelliert, den Abriss zu stoppen und die Pläne noch einmal zu überdenken. Ob er damit Erfolg hat, ist aber fraglich.

Wer sich ein Bild vom Haus machen will: Der Verein hat ein Video ins Netz gestellt, zu sehen ist es unter https://youtu.be/eGCWvmrkDnU .

Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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