Ein Meister des Lichts
Bildband zeigt Martin Höhligs Berliner Nachtfotografien aus den 1920er- und 1930er-Jahren

Leuchtwerbung für den »Grossen Inventur-Ausverkauf« im Tietz-Kaufhaus an der Leipziger Straße.
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  • Leuchtwerbung für den »Grossen Inventur-Ausverkauf« im Tietz-Kaufhaus an der Leipziger Straße.
  • Foto: Martin Höhlig
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Der Berliner Fotograf Martin Höhlig war während der 1920er-Jahre gut im Geschäft. Heute sind Höhlig und seine Bilder jedoch beinahe vergessen. Der Kunsthändler Fred Richter will das ändern und dem Fotokünstler mit einem eigenen Bildband zu neuer Bekanntheit verhelfen.

Albert Einstein, Sigmund Freud oder der verbannte Kaiser Wilhelm II. – Martin Höhlig bekam die Großen seiner Zeit alle vor die Kamera. Doch auch mit Postkartenmotiven und Stadtfotografien verdiente er sich seinen Lebensunterhalt. Seine Bilder des nächtlichen Berlins zeigen helle Leuchtreklamen, überdimensionierte Werbeschriftzüge oder Kinotafeln, die in die dunkle, einsame Nacht strahlen. „Man bekommt einen Eindruck, wie die Stadt früher war“, sagt Fred Richter. „Damals haben sich die Kaufhäuser noch etwas einfallen lassen, um Kunden anzulocken.“ Richter ist Kunsthändler und eigentlich spezialisiert auf Gemälde. Doch als er die Fotos Höhligs zu Gesicht bekam, verließ er sein gewohntes Metier und begann, dem heute weitgehend unbekannten Fotografen nachzuforschen. Fündig wurde er auf Flohmärkten, und auch den Nachlass konnte er erstehen. „Höhligs Atelier am Potsdamer Platz wurde zwar im Zweiten Weltkrieg ausgebombt, doch er konnte noch einiges daraus retten“, erzählt Kunstexperte Richter.

Einsam und verarmt gestorben

Die eigentliche Detektivarbeit begann danach. Um Kunstwerke problemlos zu veröffentlichen und die Regelschutzfrist einzuhalten, muss der Künstler mindestens seit 70 Jahren tot sein. Richter konnte Höhligs Sterbeurkunde schließlich in einem Archiv finden: Depressiv und verarmt erschoss sich der 64-jährige Fotograf im Dezember 1948 in seiner Charlottenburger Wohnung. Wohl aufgrund der von ihm porträtierten Persönlichkeiten und der Darstellung jüdischen Geschäftsleben war Höhlig als „Judenfreund“ gebrandmarkt worden und erhielt während der Nazizeit nur noch wenige Aufträge.

Zuvor war Höhlig als ausgewiesener Spezialist für Nachtfotografien für Elektrotechnikunternehmen tätig gewesen. So finden sich in seinem Nachlass unzählige Fotos von Kaufhäusern, Schaufenstern und Geschäftsfassaden. Insbesondere von „Berlin im Licht“, einem Großereignis im Oktober 1928, bei dem eine Woche lang viele Orte der Stadt illuminiert wurden, existieren heute noch viele Bilder. Man hätte damals das Weltstadtniveau der Vier-Millionen-Metropole an den Lichtern ablesen können, meint Richter.

Fred Richter hat den Bildband kurzerhand eigenverantwortlich gestaltet und veröffentlicht. Herausgekommen ist ein umfangreicher, knapp 300-seitiger Einblick in die Stadtfotografie Martin Höhligs. Unter fast jedem Bild finden sich Informationen zum dargestellten Ort. Auch hier hat Richter Kleinstarbeit geleistet und mit der Lupe auf den Bildern nach Hinweisen gesucht.

Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit

Ein Buch hat der Kunsthändler bisher noch nicht veröffentlicht. „Ich habe es für meine Pflicht gehalten, den Mann wieder bekannt zu machen“, begründet er sein Engagement. Was ihn an den Nachtfotografien am meisten fasziniert: der harte Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit. Trotz tiefster Nacht sind die beleuchteten Objekte auf Höhligs Bildern gestochen scharf. „Er verstand es wie nur wenige, dem Rezipienten die Schönheit und Ästhetik der von ihm fotografierten Objekte und Sujets zu vermitteln“, schreibt Fred Richter in seinem Vorwort. „Martin Höhlig war ein Meister des Umgangs mit dem Licht.“

„Die Weltstadt im Licht. Berliner Nachtfotografien von Martin Höhlig aus den Jahren 1925 bis 1932“, herausgegeben von Fred Richter, ist im Buchhandel (ISBN 978-3-942115-86-5) für 49,50 Euro erhältlich.

Autor:

Julia Hubernagel aus Prenzlauer Berg

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