Hinhören, zur Ruhe kommen
Eine Klanginstallation folgt dem Sound der Stadt

Die Galerie im Saalbau präsentiert überwiegend Neuköllner Kunstschaffende.
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  • Die Galerie im Saalbau präsentiert überwiegend Neuköllner Kunstschaffende.
  • Foto: JoM
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Vögelgezwitscher an einem Sommertag im Park, eine S-Bahn, die kreischend um die Kurve biegt, Baustellen, Beine, die raschelnd eine Wiese durchstreifen, Grillen, ein bellender Hund, eine luftige Fahrradfahrt durch den Kiez: Bei der Klanginstallation "structures" von Robert Stokowy in der Galerie im Saalbau, Karl-Marx-Straße 141, ertasten Besucher die Stadt mit ihren Ohren.

In drei Räumen sind Lautsprecher installiert, über die verfremdet Geräusche der Metropole wiedergegeben werden. Teilweise sind diese undefinierbar, viele aber lassen sich sofort zuordnen. Die Laute gehen rauschend ineinander über, buhlen um Aufmerksamkeit und verflüchtigen sich dann. Die Konzentration auf einen Sinn, auf das Hören, hat etwas Entschleunigendes.

"Radikal ortsspezifische Klanginstallation" nennt Stokowy sein Werk. Was das heißt, wird deutlich, wenn man die Idee dahinter kennt. Er will den Besuchern neue Erfahrungsmöglichkeiten bieten, sie sollen sich sinnlich mit ihrer Umwelt verbinden. "structures" hat er speziell für die Galerie im Saalbau entwickelt.

Zunächst wurden dabei acht Punkte festgelegt, an denen später ein Lautsprecher angebracht werden sollte. Dann hat Stokowy mit Hilfe des Grundrisses der Räume Vektoren gezeichnet, die von der Rückseite der Lautsprecher aus zu den Außenwänden der Galerie führen. Diesen Vektoren hat er bis weit in die Stadt hinein verfolgt. Mit dem Rad und zu Fuß ist er den Linien nachgegangen und hat dabei Hörstudien durchgeführt. Die Klänge in der Galerie bestehen aus Geräuschen, die Stokowy entlang der Vektoren an bestimmten Punkten aufgenommen hat. So ist "structures" auch ein Klangbild der Neuköllner Umgebung der Galerie.

Eine Hörreise durch das Viertel

Unter die Töne aus den Lautsprechern mischt sich dieser Tage, bei offenen Fenstern, die klangliche Atmosphäre der Karl-Marx-Straße zur Vorderseite des Hauses und des Cafés am Heimathafen im Hinterhof – sich unterhaltende Menschen, Handyklingeltöne, Motorengebrumm und klackernde Schuhe. So öffnet sich die Ausstellung, die für sich bereits eine Hörreise durch die Stadt ist, noch mehr ins Viertel hinein.

Dass alleine Geräusche fast leere Zimmer füllen können, ist eine erstaunliche Erfahrung. Vor dem inneren Auge derer, die sich Zeit zum Vertiefen nehmen, können ganze Filme ablaufen. "structures" ist ein spannendes Erfahrungsexperiment mit Kiezcouleur.

Die Installation wird noch bis zum 5. August von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 20 Uhr, gezeigt. Der Eintritt ist frei.

Autor:

Josephine Macfoy aus Schöneberg

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