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Im Dorf der Möglichkeiten: Modellprojekt, um Flüchtlinge zu aktivieren und zu motivieren

Wo: Flüchtlingsheim Karl-Marx-Straße, Karl-Marx-Straße 269, 12057 Berlin auf Karte anzeigen
In der Flüchtlingsunterkunft an der Karl-Marx-Straße 92 bauten Heimbewohner und Mitarbeiter des Trägers eine Etage für verschiedene Lebensräume um. Fotos: Sylvia Baumeister
In der Flüchtlingsunterkunft an der Karl-Marx-Straße 92 bauten Heimbewohner und Mitarbeiter des Trägers eine Etage für verschiedene Lebensräume um. Fotos: Sylvia Baumeister (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Neun Monate lang haben Mitglieder der Initiative Refugee Open Cities (ROC) intensiv mit Bewohnern einer Flüchtlingsunterkunft und Mitarbeitern des Heimbetreibers zusammengearbeitet, um ein bisher einmaliges Projekt zu realisieren. Es gab Flüchtlingen die Möglichkeit, ihre Talente zu testen und gleichzeitig Lebensräume für sich zu schaffen.

Einer möglichen Arbeitsperspektive steht Flüchtlingen oft die Tatsache im Wege, dass sie keine Ausbildungszeugnisse vorweisen können. Mitglieder des Berliner Kollektivs Open State hatten nun die Idee, ein Projekt in einem Flüchtlingsheim zu starten, das in erster Linie nicht auf die Probleme der Flüchtlinge schaut, die sie bei der Integration in den deutschen Alltag und Arbeitsmarkt haben. „Es ging uns vielmehr um die Potenziale, die diese Menschen haben. Es ging uns um die Frage, wie wir die Flüchtlinge aktivieren und motivieren können“, sagt Daniel Kruse, Geschäftsführer der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft Open State über die Grundidee des Projekts.

In einem ersten Schritt erkundeten Mitglieder des eigens dafür geschaffenen Projekts Refugee Open Cities in persönlichen Interviews mit den 500 Heimbewohnern in der Karl-Marx-Straße 92, wo ihre persönlichen Herausforderungen und Ziele liegen und welche Fähigkeiten sie mitbringen.

Mit Unterstützung der Mitarbeiter des Heimbetreibers Malteser Hilfsdienst ging es dann in einer zweiten Phase darum, einzelne Räume für verschiedene Gruppen zu schaffen, in denen sich die Menschen begegnen können. „In einem Haus mit so vielen Menschen aus verschiedenen Ländern gibt es große kulturelle Unterschiede. Wenn man gemeinsam etwas erschafft, spielen sie keine so große Rolle mehr“, meint Daniel Kruse.

Auf einer bisher kaum genutzten Etage des Hauses planten alle Beteiligten ein „Dorf der Möglichkeiten“: einen Fitnessraum für Sportbegeisterte, Spielräume für Kinder, einen Marktplatz als Treffpunkt, einen Teeraum für Männer, einen Frauenraum mit Nähecke, ein Kino mit Leinwand und eine Werkstatt, in der Möbel für alle Bereiche angefertigt werden.

Zugleich entwickelten sie Modelle, die praktische Fähigkeiten der Bewohner und ihr Engagement dokumentieren könnten, wie beispielsweise eine „Ich kann das App“.

Einen Abschluss fand das Projekt mit einer Baufestival-Woche, in der nach insgesamt neun Monaten alles fertiggestellt wurde. Langfristiges Ziel des Projektes ist es, die Prozesse und Erfahrungen auf Flüchtlingsunterkünfte in ganz Europa zu übertragen. SB

Weitere Informationen auf www.roc21.org/de.

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