Entdeckung im Kiez an der Gethsemane-Kirche in Prenzlauer Berg - Besinnung und Erinnerung:
„Aquatinten und Aquarelle von Manfred Butzmann“ - noch bis 20. Mai 2020 bei Anke Zeisler

Manfred Butzmann, "Berliner Engel", Aquatinta, signiert. Galerie Anke Zeisler
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  • Manfred Butzmann, "Berliner Engel", Aquatinta, signiert. Galerie Anke Zeisler
  • Foto: Anne Schäfer-Junker
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In der Landschaft Barnim verbinden sich Französisch Buchholz und Prenzlauer Berg topographisch auf der sogenannten Barnim-Platte. Es ist die „Spur der Steine“, die Kunst und Geschichte aufscheinen lässt. Besinnung und Erinnerung stellen sich ein beim Rundgang um die Gethsemane-Kirche. Diesmal führt die Spur zum heute 78jährigen Künstler Manfred Butzmann, der die meisten Jahre seines Schaffens in Berlin-Pankow lebte. Er ist heute in Potsdam zu Hause, aber sein großes druckgraphisches Schaffen spiegelt besonders seine Berliner Zeit. 1990 entwarf Manfred Butzmann für die beiden Findlinge auf dem Anger und Kirchvorplatz in Französisch Buchholz zwei Schrifttafeln. In der Ortschronik von Französisch Buchholz befindet sich sein Brief von 2017 an die Ortschronistin.

Besinnung
Mein Besuch bei Anke Zeisler gelingt kurzfristig – sie hat die Ausstellung mit Graphik und Aquarellen von Manfred Butzmann kenntnisreich als Kunstvermittlerin in ihrer wunderbar stillen, individuell wirkenden Galerie in einem typischen Berliner Gartenhaus arrangiert und nun bis zum 20. Mai 2020 verlängert. Der rechte Ort für das empfindliche Medium ‚Papier’, das sonst in Graphikschränken, vor Licht geschützt, liegen muß.
Ich frage sie, warum sie Manfred Butzmanns Werke jetzt zeigt und denke angesichts ihres Galerie-Programme, dass die Besinnung auf große graphische Kunst hier einen temporären Ort in Pankow hat. Für Anke Zeisler gehört das jedoch zu ihrem Credo und Kunstverständnis und so ist die Zeitgleichheit mit der Corona-Pandemie eher zufällig. „In unserer so leicht und farbig gewordenen Welt fallen die Aquarelle, Lithographien und dunkel wirkenden Aquatinten von Manfred Butzmann auf. Sie wirken wie ein Gegenpol zu all den flüchtigen und entmaterialisierenden Wahrnehmungen der digitalen Welt“, sagt sie.
Wie haben Sie es geschafft, diesen Ruhepol für den Besucher zu verstärken, frage ich sie. „Manfred Butzmann hat für die Ausstellung ein kleines Konvolut von Blättern gegeben, die in früheren und jetzigen Jahren, also zu sehr verschiedenen Zeiten, entstanden sind. Also nicht zu einem bestimmten Thema. Er ist Grafiker, Zeichner und Maler. Er fotografiert und reibt Flächiges ab, bspw. von Steinen. Und er schreibt und dokumentiert seine Arbeit. Dies begleitet seine Bildideen, erläutert seine Vorgehensweise als Künstler. 1993 schrieb er: ‚Aufgabe des Künstlers ist es auch, unverhofft, wenn niemand damit rechnet, das auszudrücken, was ihm wichtig und nötig erscheint.’ (zitiert nach „Eine Werkschau in sieben Kapiteln“, 2008, Käthe Kollwitz Museum, Berlin).“

Butzmann als Künstler-Philosoph und kritischer Bürger zitiert gern. So erinnert er an den Umweltkämpfer und Moralisten Horst Stern mit dessen Worten „Wir leben nun also in einer Gesellschaft, die den Preis von allem kennt und den Wert von nichts.“ (Flyer zur Ausstellung.) Seine Werke sind auch als Kritik an einer oberflächlichen Gesellschaft zu verstehen.

Ich wünsche Anke Zeisler noch zahlreiche Gäste bis zum 20. Mai 2020, die allerdings gebeten sind, sich anzumelden. Auf der Internetseite der Galerie finden sich die aktuellen Informationen zur Öffnung: http://www.galerie-zeisler.de/

Erinnerung
Auf mich wirken die Werke Butzmanns, seit ich ihn in der Kunsthochschule Weißensee in den siebziger Jahren kennengelernt hatte, noch heute ob ihrer geheimnisvollen Eindrücklichkeit. Sein Kunstschaffen war nie unpolitisch: „Rückt die Stühle auseinander, ich will mich dazwischen setzen.“ Sein Ausdruck ist zeitkritisch und sein Werk zeigt einen großen, reifen Zusammenklang zwischen den lebendigen Tönen des Beobachtens unserer Umwelt und des Werdens von Kunst durch traditionelle Techniken, wie es die Druckgraphik und die Aquarellmalerei ermöglichen. Die Akademie der Künste richtete 2012 das Manfred-Butzmann-Archiv ein. Ich könnte mir eine große, kritische Werkschau im Zusammenhang mit den vielen landschaftsgärtnerischen und heimatgeschichtlichen Bezugspunkten seines Berliner und Potsdam-Bornimer Lebens und dem seiner Frau Eva Butzmann vorstellen.

Die Ortschronik von Französisch Buchholz nimmt im September 2020 wieder am Tag des Offenen Denkmals teil: "Denk_mal nachhaltig" ist das diesjährige Motto. Ich werde Aquatinten von Manfred Butzmann, die zum Thema Natur, Verlassenheit, Heimat und Landschaft passen, und Achtsamkeit und Nachhaltigkeit unserer natürlichen Ressourcen einzufordern scheinen, zeigen. Die Spur der Steine ist endlos …

Anne Schäfer-Junker (anne.junker@gmx.de )

Manfred Butzmann, "Berliner Engel", Aquatinta, signiert. Galerie Anke Zeisler
Manfred Butzmann, Von zweien die auszogen, das gruseln zu lernen. Filmradierung 1978. Probedruck, signiert.
Sammlung Anne Schäfer-Junker
Autor:

Anne Schäfer-Junker aus Französisch Buchholz

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