Miteinander statt übereinander reden
Ein ungewöhnliches Begegnungsprojekt „Meet a Jew“ macht jüdisches Leben sichtbar

Wie leben Juden in Deutschland? Fragen zu Dingen des Alltags  können ein Anlass für einen interkulturellen Austausch sein.
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  • Wie leben Juden in Deutschland? Fragen zu Dingen des Alltags können ein Anlass für einen interkulturellen Austausch sein.
  • Foto: Meet a Jew
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Der Name klingt irgendwie nach Mietwagenfirma oder Fahrradverleih. Vertraut und irritierend zugleich, weckt er vor allem Neugier und erfüllt schon deshalb so seinen Zweck: „Meet a Jew“.

„Wenn in der deutschen Medienlandschaft über Juden berichtet wird, geht es allzu oft um das Thema Antisemitismus“, sagt Tal Soker. „Genau deswegen hat mich das Projekt ‚Meet a Jew‘ interessiert, denn hier stehen jüdischer Alltag und Lebensweise und vor allem der interkulturelle Austausch im Vordergrund.“ Der 38-jährige Musikwissenschaftler und Experte für deutsche Barockmusik kam im Rahmen seines Studiums 2008 aus Tel Aviv nach Berlin und ist mittlerweile Gastdozent an mehreren deutschen Universitäten. Freunde hatten ihn 2019 auf das Projekt aufmerksam gemacht, das damals noch „Rent a Jew“ hieß.

Einblicke in den Alltag

Seitdem ist Tal Soker einer von bundesweit über 300 Ehrenamtlichen, die zu zweit oder dritt in Schulen, Universitäten oder zu Sportvereinen gehen, um Jugendlichen und Erwachsenen Einblicke in ihren jüdischen Alltag zu geben. In den Gesprächsrunden werden viele Fragen beantwortet und offen über unterschiedliche Themen diskutiert. Miteinander statt übereinander reden, so lautet die Devise. Dabei ist Tal Soker vor allem eines wichtig: „Es soll zwanglos zugehen und vor allem Spaß machen. Wir wollen zwar auch die Besonderheiten unserer Kultur erklären, doch zeigen sich dabei auch immer wieder ganz viele Gemeinsamkeiten.“

Tal Soker ist seit 2019 im Begegnungsprojekt aktiv.
  • Tal Soker ist seit 2019 im Begegnungsprojekt aktiv.
  • Foto: Tal Soker
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Das Projekt „Meet a Jew“ ist Anfang 2020 aus einer Fusion der Vorgängerprojekte „Rent a Jew“ und „Likrat – Jugend und Dialog“ entstanden. „Der von manchen als provozierend wahrgenommene und humorvoll gemeinte Name sollte Berührungsängste nehmen und einen leichteren Einstieg ins Gespräch ermöglichen“, erklärt Projektkoordinatorin Mascha Schmerling. „Rent a Jew“ arbeitete mit erwachsenen Freiwilligen, während „Likrat“ den Fokus auf Jugendliche gelegt hatte. Mit dem Zusammenschluss wurde nun ein generationsübergreifendes Begegnungsprojekt für Jung und Alt geschaffen.

Dabei interessiere sich jede Altersklasse für andere Themen, so Tal Soker. „Jugendliche fragen oft ganz konkret nach praktischen Dingen, die mit ihrer Lebenswelt zu tun haben. So zum Beispiel, ob die jüdische Religion auch Sex vor der Ehe erlaube. Andererseits gab es aber auch interessante Begegnungen mit einer Seniorengruppe auf Ausflugsfahrt in Berlin. Da ging es dann besonders um jüdische Herkunft und Geschichte sowie Fragen zu meinen persönlichen Erfahrungen im deutschen Alltag“, erinnert sich Tal Soker.

Zumeist in Zweiergruppen (hier David Weckwerth und Rebecca Vaneeva) besuchen die Ehrenamtlichen von Meet a Jew Schulen, Unis und Sportvereine.
  • Zumeist in Zweiergruppen (hier David Weckwerth und Rebecca Vaneeva) besuchen die Ehrenamtlichen von Meet a Jew Schulen, Unis und Sportvereine.
  • Foto: Meet a Jew
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Und wie ist die Nachfrage nach „Meet a Jew“? „Das sei durchaus unterschiedlich“, sagt Mascha Schmerling. „Mittlerweile brauchen wir  keine Werbung mehr, unser Angebot hat sich längst herumgesprochen. Vor der Pandemie im Frühjahr hatten wir bis zu 50 Anfragen monatlich. Das hat sich natürlich sehr reduziert, nun bieten wir die Gesprächsrunden als Videokonferenzen an.“ Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte das Projekt ins Leben gerufen, gefördert wird es vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Demokratie leben“.

Ausgezeichnet mit demEngagementpreis 2020

Dass die Idee und die Umsetzung Vorbildcharakter haben, bestätigt die jüngste Auszeichnung. Anfang Dezember erhielt das Projekt „Meet a Jew“ den Deutschen Engagementpreis 2020 in der Kategorie „Demokratie stärken“. Der mit 5000 Euro dotierte Preis für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland wird vom Bündnis für Gemeinnützigkeit verliehen. In der Laudatio sagte Jurymitglied und Geschäftsführer der Deutschen Fernsehlotterie und der Stiftung Deutsches Hilfswerk, Christian Kipper: „Die Engagierten erzählen locker, am Gegenüber interessiert und abwechslungsreich, wie sie als jüdische Menschen leben. Gleichzeitig bauen sie Vorurteile ab und brechen Stereotype auf. Sie lassen uns verstehen, wo Klischees hingehören: Raus aus unseren Köpfen, rein in die Mottenkiste.“

Weitere Informationen zum Projekt „Meet a Jew“ finden Sie im Internet unter www.meetajew.de.

Autor:

Michael Vogt aus Prenzlauer Berg

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