Der Koloss vom Thälmannpark
Land und Bezirk schreiben künstlerischen Wettbewerb zur Kommentierung des Denkmals aus

Das Denkmal dominiert seit 1986 den Ernst-Thälmann-Park.
  • Das Denkmal dominiert seit 1986 den Ernst-Thälmann-Park.
  • Foto: Bernd Wähner
  • hochgeladen von Hendrik Stein

Lang hat es gedauert, nun ist endlich der Kunstwettbewerb zur Kommentierung des Ernst-Thälmann-Denkmals ausgeschrieben. Der Bezirk wünscht sich innovative Konzepte aus der professionellen Künstlerszene Deutschlands.

Diese sollen sich kritisch mit der Geschichte und Gegenwart des Denkmals auseinandersetzen, das den öffentlichen Raum an der Greifswalder Straße zwischen Danziger Straße und S-Bahntrasse seit 1986 prägt. Wer war Ernst Thälmann? Eine Frage, die heute viele Zugezogene und auch die junge Generation kaum noch beantworten können. Wer zufällig an dem bronzenen Koloss vorbeikommt spürt aber sofort, dass dort jemandem im großen Stil gehuldigt wird, auch wenn das Denkmal längst nicht mehr so prachtvoll aussieht wie noch zu DDR-Zeiten.

Der sowjetische Bildhauer Lew Kerbel erschuf es zwischen 1981 und 1986. Die Büste ist dem ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD) Ernst Thälmann gewidmet, der von 1925 bis 1933 im Reichstag saß und von den Nationalsozialisten zwei Tage nach der Machtübernahme 1933 verhaftet und 1944 im KZ Buchenwald erschossen wurde.

Die jetzt gewünschte Kommentierung des Denkmals soll nicht nur an diese historischen Ereignisse und das Lebensschicksal Thälmanns erinnern, sondern viel tiefer greifen. Was sollte der bronzene Thälmann mit der geballten Faust zu DDR-Zeiten so kurz vor der Wende aussagen? Wie beeinflusst das sowjetische Kunstwerk noch heute den Platz, den Park und die dahinter liegende Siedlung? Was sahen die Menschen früher in dem Abbild Thälmanns, wie hat sich dieser Blick über die Jahrzehnte gewandelt? Fakt ist, das zentrale Monument dominiert und strukturiert bis heute das Wohngebiet Ernst-Thälmann-Park. Seit 2014 steht das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz – als „DDR-Prestigeprojekt“.

Bezirk und Land wünschen sich künstlerische Konzepte, die all dies – Geschichte und Gegenwart des Denkmals – berücksichtigen und kritisch hinterfragen. Die Künstler sollen darüber hinaus Ideen entwickeln, wie der Ort rund um das Denkmal belebt werden kann. Teilnehmen können ausschließlich professionelle Einzelkünstler oder Künstlergruppen mit Wohn- beziehungsweise Arbeitssitz in Deutschland. Sie haben bis zum 26. September Zeit, ihre Ideen beim Bezirksamt für die erste von zwei Wettbewerbsphasen einzureichen. Alle Vorgaben zum Wettbewerbsbeitrag und Details zum Procedere stehen auf https://bwurl.de/14fc. Fragen beantwortet Annette Tietz unter Tel. 47 53 79 25 oder per E-Mail an galerie-pankow@gmx.de.

Eine Kommentierung des Ernst-Thälmann-Denkmals war übrigens bereits 2016 in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) mit einem Beschluss angestoßen worden. Für die Umsetzung der Idee fehlte aber lange Zeit das Geld. Mittlerweile stehen für die Realisation eines künstlerischen Konzeptes 180.000 Euro aus dem Programm „Stadtumbau Ost“ bereit – für Honorare, Regiekosten, Material und Herstellung inklusive aller Nebenkosten. Jetzt muss nur noch das Gewinnerkonzept ausgewählt werden. Im April 2020 soll es so weit sein.

Autor:

Corina Niebuhr aus Kreuzberg

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