Reinickendorf 2016: Viele Wohnungen entstehen, aber keine U-Bahn

Rund 38 000 Bewohner hat die Großsiedlung, die meisten wünschen sich einen eigenen U-Bahnhof im Märkischen Viertel.
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Reinickendorf. Das Jahr 2016 hielt für die Reinickendorfer eine Vielzahl spannender und interessanter Nachrichten breit. Berliner –Woche-Reporter Christian Schindler blickt zurück.

Januar

„Alles Gute kommt von oben“. Über diesen Satz konnten Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs, die am U- und S-Bahnhof Wittenau in Busse umsteigen, lange nur lachen angesichts der Tauben, die sie mit ihrem Kot belästigten. Die Deutsche Bahn sagt Abhilfe zu, tatsächlich werden später die Aufenthalte der Tiere unterhalb der S-Bahn-Brücken teilweise mit Gittern blockiert.

Keine Freude für die SPD: Der als Nachfolger des 2015 verstorbenen Sozialstadtrates Andreas Höhne nominierte Bezirksverordnete Marco Käber fällt bei der Wahl am 13. Januar durch – wohl auch, weil „Parteifreunde“ gegen ihn stimmten. Der fünfte Stadtratsposten bleibt bis zu den Wahlen im September vakant.

Februar

Die Bundespolizei schlägt am 3. Februar auf dem Flughafen Tegel zu. Sie nimmt einen 47-Armenier fest, der an Unterschlagungen im Getreidehandel beteiligt gewesen sein soll. Schaden: Mehr als 14.000 Euro.

Am 8. und 9. Februar erwirkt die Berliner Polizei Haftbefehle gegen zwei junge Männer, die den Wirt eines Lokals am Wilhelmsruher Damm erpresst haben sollen.

Mit Unterstützung von CDU und Bündnis 90/Die Grünen ist ein Bürgerantrag in der Bezirksverordnetenversammlung erfolgreich, die Gasbeleuchtung in weiten Teilen Reinickendorfs zu erhalten.

März

Im März entbrennt die Debatte um die Nachnutzung des Flughafens Tegel neu. Baustadtrat Martin Lambert (CDU) fürchtet, dass die für das Schumacher-Quartier geplanten 5000 Wohnungen im schlimmsten Fall zu einer Ghettobildung führen können. Und er wendet ein, dass Wohnungen die Entwicklung moderner Industrie behindern könnten.

In anderer Hinsicht setzt Lambert auf eine teure Mischung: Beim Straßenbau wird Flüsterasphalt getestet, der rund vier Mal so teuer ist wie herkömmliches Material.

April

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigt am 5. April im Rathaus Sympathien für die U-Bahn-Verlängerung ins Märkisches Viertel, bleibt aber wegen Kosten und anderer teurer Projekte in der ganzen Stadt zurückhaltend. Nach der Wahl im September ist die U-Bahn bis zum Märkischen Zentrum kein Thema mehr in der Landespolitik.

Fortschritte gibt es dagegen im Kleinen. Das Quartiersmanagement Klixstraße nimmt seine Arbeit auf, die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gesobau feiert an der Neptunstraße Richtfest für 120 Wohnungen.

Mai

Die Gesobau unterstützt Roma-Familien bei der Integration, indem sie ihnen auch Wohnungen vermietet. In der Viertelbox im Zentrum des Märkischen Viertels gibt eine Foto-Ausstellung Einblicke in die Roma-Kultur.

Und noch etwas feiert die Gesobau: Die energetische Sanierung der Großsiedlung mit einem Investitionsvolumen von einer halben Milliarde Euro ist beendet.

Am 28. und 29. Mai feiern die Füchse Berlin ihr 125-jähriges Bestehen – in ihrem neuen Sportpark an der Kopenhagener Straße.

Juni

Ortswechsel für die Lunch-Konzerte. Die kostenfreien Einblicke in das musikalische Reservoir der Musikschule wandern vom Tegel-Center in die Hallen am Borsigturm.

Die SPD fordert Milieuschutz für Teile Reinickendorfs, um Mieter mit unteren und mittleren Einkommen zu schützen. Sie beruft sich auf ein Gutachten, nach dem in Tegel zum Teil eine solche Verdrängung schon stattgefunden hat.

In einer wichtigen Frage gibt der Senat dem Bezirk nach: Reinickendorf soll eine neue Grundschule bekommen, sie wird im Bereich der Thurgauer Straße gebaut.

Juli

Eine gute Nachricht für Tegel: Karstadt kommt zurück. 2018 soll das Haus als erste Neueröffnung bundesweit nach 30 Jahren seine Türen öffnen. Der genaue Standort ist noch nicht sicher, der neue Eigentümer des Tegel-Centers hält sich mit genauen Planungen noch zurück. Immerhin sollen dort auch Wohnungen entstehen. Viele Tegeler machen sich mittlerweile Sorgen um die Markthalle, die nach Aussagen des neuen Eigentümers aber erhalten werden soll.

August

Der traditionelle „Entenkeller“ an der Ecke Oranienburger Chaussee und Schönfließer Straße hat einen neuen Eigentümer, Abdallah Reman. Er will im kommenden Jahr dort wieder Gastronomie ermöglichen.

Nach vierzehn Monaten „Pause“ funktioniert die Ampelanlage am Bahnübergang Gorkistraße wieder. Zuvor war dort die Verkehrsführung aus Sicherheitsgründen geändert worden.

September

Die Fußball-Abteilung des VfB Hermsdorf feiert am 3. September ihr 100-jähriges Bestehen. Noch immer muss dort das Runde ins Eckige.

In die Wahlkabinen durften dafür die Berliner, und auch die Reinickendorfer nutzten die Stimmzettel, um die Politik kräftig durchzurütteln. Die CDU stellt weiter Bürgermeister Frank Balzer (CDU) und zwei weitere Stadträte, der langjährige CDU-Baustadtrat Martin Lambert ist nicht mehr dabei. Die SPD fällt auf einen Stadtrat zurück, und die AfD darf mit Sebastian Maack gleich mitregieren. Auch die Bezirksverordnetenversammlung ändert sich. Zu CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen kommen die AfD, die Linke und die FDP in Fraktionsstärke hinzu.

Oktober

Die Beschäftigten des MAN-Werkes an der Egellsstraße sorgen sich um ihre Arbeitsplätze. Im Rahmen eines weltweiten Stellenabbaus könnten 300 Stellen betroffen sein. Manche Mitarbeiter und Gewerkschafter fürchten, dass dies langfristig das Aus sein könnte.

Ein anderes Aus sollen blaue Reflektoren an der Heiligenseestraße und der Konradshöher Straße verhindern. Sie leuchten in den Wald hinein und sollen Wildtiere vom Überqueren der Fahrbahn abhalten.

November

Die neue Vielfalt in der Bezirksverordnetenversammlung bringt nicht nur Erhellendes zustande. Der AfD-Verordnete Rino Schmiedel behauptet, beleidigt und körperlich attackiert worden zu sein. Er beschuldigt den FDP-Verordneten David Jahn der Anstiftung, weil der ihn in der November-Sitzung als „Rassisten und Reichsbürger“ bezeichnet. Jahn beruft sich auf Facebook-Einträge Schmiedels, die dieser aber wiederum als Fälschung bezeichnet.

Dezember

Für viele Kinder ist schon Bescherung für Heiligabend. Im Bezirk werden eine ganze Reihe von Spielplätzen neu gebaut oder umgestaltet ihren kleinen Nutzern übergeben.

Viel vor nehmen sich die Bezirksverordneten. Sie beschließen 15 Fachausschüsse, denen jeweils zwischen 13 und 15 Mitglieder angehören. Ihre Arbeit nehmen sie im neuen Jahr auf.

Autor:

Christian Schindler aus Reinickendorf

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