Friedrich Schumann gilt als erster Serienmörder der Neuzeit
100 Jahre Groß-Berlin: Der Schrecken aus Spandau

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Acht Tage dauert der Prozess 1920 vor dem Schwurgericht des Landgerichtes 3 in Berlin-Moabit: vom 5. bis 13. Juli. Angeklagt ist der Serienmörder Friedrich Schumann aus Spandau.

Friedrich Schumann gilt als erster Serienmörder der Neuzeit. Von 1909 bis 1919 soll der Spandauer mindestens sechs Morde begangen und elf Mordversuche unternommen haben. Nicht alle seiner Taten sind ihm nachweisbar. Die Menschen nennen ihn damals den „Massenmörder vom Falkenhagener See".

Mal ein Unfall, mal ein Versehen

Elf Jahre lang terrorisiert Friedrich Schumann die Besucher des Sees der Gemeinde Falkenhagen. Die gehört heute zur Stadt Falkensee im Havelland. Sein erstes Opfer ist seine Cousine Hertha Balzuweit, die er an seinem 16. Geburtstag am 14. Mai 1908 bei einem Waldspaziergang im Falkenhagener Forst erschießt – weil sie ihm zu laut ist. Friedrich Schumann stellt den Vorfall vor Gericht erfolgreich als Unfall dar und kommt mit einer geringen Strafe davon. Später schildert er seinem Anwalt die Tat als Mord. 1911 erschießt Schumann eine Frau auf einer Chaussee bei Falkenhagen und wieder behauptet er, es habe sich um ein Versehen gehandelt. Man glaubt ihm erneut, er geht diesmal aber für neun Monate ins Gefängnis. Wieder draußen, arbeitet er als Schlosser im Reichsbahnausbesserungswerk, heiratet und zieht 1914 in den Ersten Weltkrieg. Mit dem Eisernen Kreuz kehrt er zurück – und mordet weiter.

Im September 1916 feuert Schumann acht Schüsse auf den Hegemeister Köpke ab, trifft ihn aber nicht. Im Mai 1917 tötet er dann einen Nachtwächter in Falkenhagen, im Juli 1917 zwei Gendarmen. Im Januar 1918 kommt Brandstiftung hinzu. Auf die herbeieilenden Rettungskräfte eröffnet Schumann das Feuer. Am 22. Juni 1918 tötet er den Lehrer Paul. Die Angst geht um Falkenhagener Forst, denn Schumann tötet gnadenlos alles, was sich im Wald bewegt: Förster, Dienstmädchen, Wanderer, Jäger, Lokomotivführer und Anwohner. Mehrfach beobachtet Schumann auch Liebespaare. Er tötet zunächst die Männer, vergewaltigt und tötet anschließend die Frauen.

Schrot in der Schulter

Am 18. August 1919 trifft der Mörder im Wald auf sein letztes Opfer, den Forstaufseher Wilhelm Nielbock aus Spandau. Der spricht Schumann an, der ihm daraufhin zweimal in die Brust schießt. Nielbock schafft es noch, seine Schrotflinte auf den Flüchtenden abzufeuern. Der Vater von drei Kindern stirbt später im Krankenhaus. Aber er kann den Täter vorher beschreiben: schlank, mittelgroß, blond, in feldgrauer Kleidung, Schrot in der Schulter.

Zwei Tage nach der Tat wird Schumann in der Arztpraxis von Georg Tepling in Spandau verhaftet. Er leistet keinen Widerstand. Der Prozess gegen Schumann findet vom 5. bis 13. Juli 1920 vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts III in Berlin-Moabit statt. Die Zeitungen nennen Schumann einen „kaum jemals in der Strafrechtsgeschichte dagewesenen Fall“. Im Prozess kommen 54 Verbrechen, darunter mindestens sechs Morde und 11 Mordversuche, dazu Brandstiftungen, Notzuchtverbrechen, Diebstähle und mehrere Raubüberfälle zur Anklage.

Gab es viel mehr Opfer?

Für viele Taten fehlen allerdings die Beweise. Seinem Anwalt soll Schumann insgesamt 25 Morde gestanden haben. Er wird sechsmal zum Tode, zu lebenslangem Zuchthaus und zahlreichen Nebenstrafen verurteilt. Seine Hinrichtung wird für den 27. August 1921 um sechs Uhr morgens im Strafgefängnis Plötzensee angesetzt. Ob er an diesem Tag tatsächlich enthauptet wird oder schon im Mai, wie eine Berliner Zeitung schreibt, bleibt unklar, ebenso wie die genaue Zahl seiner Opfer. Sicher ist nur, der Mörder vom Falkenhagener See ist tot und der Schrecken vorüber.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Spandau

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