Bezahlbarer Wohnraum
Gewobag-Projekt in der Arcostraße verzückt den gesamten Bauausschuss

Seit 2016 ist das Grundstück an der Arcostraße 9-11 im Besitz der Gewobag. Noch in diesem Jahr will die städtische Wohnungsbaugesellschaft mit den Arbeiten zum neuen Wohnkomplex beginnen. Dort, wo der große Schutthaufen liegt, soll eine Kita entstehen.
  • Seit 2016 ist das Grundstück an der Arcostraße 9-11 im Besitz der Gewobag. Noch in diesem Jahr will die städtische Wohnungsbaugesellschaft mit den Arbeiten zum neuen Wohnkomplex beginnen. Dort, wo der große Schutthaufen liegt, soll eine Kita entstehen.
  • Foto: Matthias Vogel
  • hochgeladen von Matthias Vogel

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobag baut zwischen dem Rathaus und der Spree einen Wohnkomplex mit 110 Mietwohnungen – 50 Prozent davon im sozialen Wohnungsbau. Im Dezember 2021 sollen die Häuser an der Arcostraße bezugsfertig sein.

„Ich meckere ja sonst immer, wenn wir hier wieder ein spekulatives Wohnungsbauprojekt vorgestellt bekommen“, sagte Niklas Schenker, Vorsitzender der Linksfraktion in der BVV, bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. „Umso mehr freue ich mich darüber, dass wir auch mal über ein Projekt mit bezahlbarem Wohnraum reden.“ Nach der Kooperativen Baulandentwicklung muss jeder Träger eines neuen Wohnbauprojektes in Berlin 30 Prozent der Wohnfläche für Sozialwohnungen vorhalten. „Es müssen gemäß einer Vereinbarung der sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften mit der Senatsverwaltung zudem 50 Prozent der Wohnungen sein“, erklärte Nancy Baltruschat von der Gewobag, die dem Gremium das Projekt vorstellte. Beide Vorgaben würden eingehalten. Was das für den Mieter bedeutet? 6,50 Euro nettokalt pro Quadratmeter beim geförderten Wohnen, „aber auch nicht mehr als 10 Euro für die anderen 50 Prozent“, wie die Abteilungsleiterin Neubau sagte.

Blöcke über Stege verbunden

Ist der Komplex fertig, wird sich an der Arcostraße eine Blockrandbebauung erheben, sieben Stockwerke hoch. Steht man davor, wird sich linker Hand der Eingang zu einer Kita mit 60 Plätzen, möglicherweise optional auf 80 Plätze erweiterbar, befinden. Daneben dann zwei zu den Wohnungen und rechts das Entree zu einer von drei oder vier Gewerbeeinheiten. Das Besondere an dem Entwurf offenbart sich im Hinterhof. Dort stehen fünf versetzte Blöcke, die in jedem Stockwerk über Stege miteinander und dem Gebäuderiegel an der Straße verbunden sind. Sie sollen gleichzeitig „Orte der Begegnung“ sein und wirken wie ein großer Gemeinschaftsbalkon. 

Fünf Jahre zwischen Wettbewerb und Vorstellung

Zu drehen ist an dem Entwurf nichts mehr, auch wenn das Gremium Lärmbelästigung für Dritte durch die gewollten Begegnungen auf den Stegen und die Verschattung des Innenhofes durch die ungewöhnliche Konstruktion befürchtete und sich um die Fluchtwege im Notfall sorgte. „Ergebnisse des Gutachterverfahrens“, sagte Baltruschat und Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) konkretisierte: „Die Planung entstammt einem Wettbewerb. Die Gesellschaft hätte gerne anders gebaut, aber die Senatsverwaltung bestand auf den Siegerentwurf.“ Der Wettbewerb war im Jahr 2014. Warum erst fünf Jahre später das Vorhaben vorgestellt werden konnte, begründete Baltruschat so: „So lange hat das Bebauungsplanverfahren gedauert, auch weil dazwischen Wahlen lagen.“

"Wir müssen scharf rechnen"

Der Abschluss des städtebaulichen Vertrages zwischen dem Bezirk und der Gewobag steht als nächstes auf der Agenda. „Wir möchten dann im Juni einen Bauantrag einreichen, hoffen auf die Baugenehmigung im Oktober und würden gerne im Dezember dieses Jahres beginnen“, so Baltruschat. Hoch oben ist übrigens eine extensive Dachbegrünung geplant, unter der Grasnarbe wird vermutlich nichts stattfinden. „Der Bebauungsplan gibt uns grundsätzlich die Möglichkeit, eine Tiefgarage zu bauen. Wir schaffen hier aber sozialen Wohnraum und angesichts der Baupreise, die uns gerade auf dem Markt entgegenspringen, müssen wir scharf rechnen, ob wir das machen können“, sagte sie auf die Frage von Grünen-Ausschussmitglied Ansgar Gusy (Grüne) nach Parkplätzen. Das Projekt fand trotzdem großen Anklang beim kompletten Ausschuss.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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