Zurück in die Zukunft
Erste Einblicke in das Karstadt-Vorhaben am Hermannplatz

Bezugspunkt: der alte Karstadt von 1929, hier als Modell im heutigen Gebäude.
  • Bezugspunkt: der alte Karstadt von 1929, hier als Modell im heutigen Gebäude.
  • Foto: Thomas Frey
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Die Verantwortlichen für das Projekt hatten anscheinend ihre Hausaufgaben gemacht und vor allem berücksichtigt, wie man dieses Auditorium ansprechen muss. Noch manches offen lassen und anderes anbieten, was gerne gehört wird.

Unter diesen Prämissen lief die Präsentation für den geplanten Neubau des Karstadt-Kaufhauses am Hermannplatz. Schon länger ist bekannt, dass der im Stil des einst markanten Gebäudes aus dem Jahr 1929 errichtet werden soll (wir berichteten). Konzipiert unter der Ägide des Star-Architekten David Chipperfield. Bereits das erregte die Phantasie.

Weitere Erkenntnisse wurden am 15. Mai erwartet. Da standen die Karstadt-Pläne auf der Tagesordnung einer gemeinsamen Sitzung der Stadtplanungsausschüsse von Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln im Rathaus Kreuzberg. Bei ihnen galt es zwar nicht einhellige Begeisterung, aber zumindest keine Ablehnung, vielleicht sogar ein gewisses Wohlwollen zu erzielen. Darum ging es Thibault Chavanat, Leiter des Hermannplatz-Projekts beim Investor, dem Immobilienunternehmen Signa, und Anke Lawrence, Verantwortliche bei Büro Chipperfield. Alle Planungen stünden erst am Anfang, lautete eine Aussage. Aber klar, Ideen gebe es natürlich.

Büros, Hotel, vielleicht auch Wohnungen

Die sind am besten unter dem, wenn auch etwas abgegriffenen Motto "Zurück in die Zukunft" zusammenzufassen. "Wir geben der Stadt etwas zurück", formulierte es Thibault Chavanat einigermaßen euphemistisch. Will heißen: 1929 war das Gebäude mehr als nur ein Kaufhaus. Das soll auch jetzt als Prämisse gelten. Büros, ein Hotel, vielleicht sogar Wohnungen sind als Nutzungen angedacht. Auch die Dachterrasse werde, wie einst, wieder bespielt. Dazu gebe es Raum für eine Markthalle. Dienstleistungen wie ein "multikulturelles Ärztehaus" wurden skizziert. Ebenso wie Platz für soziokulturelle Anbieter aus dem Kiez oder für öffentliche Belange. Als Stichworte fielen Bibliothek oder Mediathek. Gerade solche Angebote werden im Stadtplanungsausschuss Friedrichshain-Kreuzberg auch erwartet.

Genauso das Versprechen einer vorgezogenen Bürgerbeteiligung. Die soll schon im August beginnen und bis Anfang 2020 dauern. Eine ziemlich kurze Frist, wurde sogleich angemahnt. Diese Phase sei vor allem als Aushandeln der weiteren Schritte gedacht, erwiderten die Investoren- und Architektenvertreter.

Karstadt-Mitarbeiter in Sorge um Arbeitsplatz

Und was passiert mit Karstadt? Der werde natürlich bleiben, zumindest sei das so vorgesehen. Wenn möglich auch während der Bauzeit. Was logistisch einigermaßen ambitioniert ist. Denn der heutige Gebäudekomplex soll abgerissen werden und vollständig neu entstehen. Was sowohl aus bautechnischen, als auch energetischen Gründen notwendig sei, wurde beteuert.

Bei manchen Karstadt-Mitarbeitern oder Shop-in-Shop-Betreibern am Hermannplatz bleiben trotzdem einige Sorgen, wie Gäste in der Ausschusssitzung klar machten. Wie laufe das während des Provisoriums ab? Und seien ihre Arbeitsplätze wirklich sicher?

Fragen, die möglichst bald geklärt werden müssten, bekamen die Signa-Verantwortlichen mit. Schon weil Karstadt, wie inzwischen auch Galeria Kaufhof, ebenfalls zu diesem Konzern gehören.

Der Hermannplatz sei für sein Unternehmen ein Projekt "nicht nur für die nächsten 20 Jahre", versicherte Chavanat. Er bleibe auch nach Fertigstellung in dessen Bestand. Was allerdings dort möglich werden soll, sei flexibel auf Veränderungen und Bedarfe zu reagieren.

Weitere Fragen betrafen unter anderem die Auswirkungen auf das unmittelbare Umfeld. Speziell für den benachbarten Einzelhandel. Der Platz selbst und seine Gestaltung spielte ebenso eine Rolle wie die Verkehrsanbindung. Dafür brachte Thibault Chanvanat neue Mobilitätskonzepte ins Spiel.

Bauzeit von fünf Jahren geplant

Und unterm Streich bleibt vor allem: Beim neuen alten Karstadt handelt es sich um einen Riesenkomplex mit mehr als 100 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Bisher sind es, einschließlich Parkhaus, etwa 90 000 Quadratmeter. Ein Vorhaben, das schon deshalb und wegen seiner übergeordneten Bedeutung für die beiden Bezirke mit einem Bebauungsplan unterlegt werden müsse, erklärte Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis90/Grüne). Außerdem ließ der Stadtrat durchblicken, dass er sich auch noch weitere Kompensationen vorstellen könnte, bis hin zur Beteiligung des Investors an einem Fonds, dessen Geld für das Ausüben eines Vorkaufsrechts in der Nachbarschaft verwendet werden kann.

Schon das zeigt, dass in Sachen Neubau am Hermannplatz mit einem längeren Aushandlungsprozess zu rechnen ist. Und auch insgesamt handelt es sich bei dem ganzen Vorhaben um ein Langzeitprojekt. Selbst wenn das Bebauungsplanverfahren im kommenden Jahr beginnen sollte, wäre nicht mit einem Baubeginn vor 2021/22 zu rechnen. Die Bauzeit taxiert Thibault Chavanat danach auf fünf Jahre. Das wäre bereits ein ziemlich sportlicher Zeitplan. Realistischer ist vielleicht ein anderes Datum. 2029 könnte der Neubau fertig sein. Das wären genau 100 Jahre nach seinem Vorgänger.

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