Eher das Gegenteil erreicht
Reaktionen auf Wasserdemo für notleidende Clubs

Wie Demo auch anders gehen kann, zeigten am 31. Mai fast zeitgleich rund 100 Akteure des Karnevals der Kulturen. Sie zogen über die sonstige Paradestrecke des Straßenumzugs durch Kreuzberg. Maskiert und mit genügend Abstand.
  • Wie Demo auch anders gehen kann, zeigten am 31. Mai fast zeitgleich rund 100 Akteure des Karnevals der Kulturen. Sie zogen über die sonstige Paradestrecke des Straßenumzugs durch Kreuzberg. Maskiert und mit genügend Abstand.
  • Foto: Frank Lühmar
  • hochgeladen von Thomas Frey

Gedacht war die Versammlung als Solidaritätsbeitrag vor allem mit den notleidenden Clubs. Am Ende hat sie diesem Anliegen aber mehr geschadet.

Unter dem Motto "Für die Kultur – Alle in einem Boot" wurde am 31. Mai zu einer Wasserdemonstration auf der Spree und dem Landwehrkanal aufgerufen. Sie fand große Unterstützung. Zu große, wie ziemlich schnell deutlich wurde.

Im Verlauf der Parade, die am Mittag im Treptower Hafen startete und in Richtung Kreuzberg führte, sei die Zahl der teilnehmenden Boote, laut Polizeibericht, zunächst auf mehr als 100 angestiegen, weshalb der Verkehr von Fahrgastschiffen zwischen Ober- und Unterschleuse des Landwehrkanals eingestellt werden musste. Kurz vor 16 Uhr wären es dann zwischen 300 und 400 gewesen, überwiegend Schlauchboote, aber auch größere Wasserfahrzeuge. Dort, sowie an Land, hätten sich bis zu 1500 Personen befunden.

Mehrfach habe der Veranstalter dazu aufgefordert, die Abstände einzuhalten, erklärte die Polizei. Außerdem habe es Beschwerden über die laute Musik gegeben, die auf vielen Booten abgespielt wurde. Gegen 17.35 wurde die Versammlung deshalb für beendet erklärt. Die Wasserschutzpolizei geleitete den Korso anschließend zurück zum Treptower Hafen. Sie war mit zwei Booten im Einsatz, außerdem rund 100 weitere Beamtinnen und Beamten. Gegen 21 Uhr hätten sich keine Teilnehmer mehr auf dem Landwehrkanal und der Spree befunden.

Gute Intention

Dass der Aufzug nicht optimal gelaufen ist, räumte danach auch der Veranstalter, die "Rebellion der Träumer", ein. Mit einem so großen Interesse habe niemand gerechnet, wurde unter anderem erklärt. Und trotz mehrfacher Aufrufe auch zum Tragen von Masken, "hat unsere Kommunikation nicht alle Teilnehmenden erreicht". Es sei allerdings legitim zu demonstrieren, um auf die bedrohte Lage für Künstler und Kultureinrichtungen aufmerksam zu machen, wurde ebenfalls herausgestrichen.

Aber nicht auf diese Weise, entgegnete die Clubcommission. Die Versammlung hatte "zweifellos gute Intentionen", heißt es in ihrem Post. Boote mit Beschallung, Redebeiträge auf dem Wasser und das lange Ufer sollten für genügend Abstand sorgen. "Leider ist dieser Plan nicht aufgegangen." Und so wie die Demo verlaufen sei, stehe sie "in völligem Kontrast zu unseren Bemühungen, im Rahmen der United-We-Stream-Kampagne Bewusstsein zu schaffen und Social Distancing einzuhalten.“

Außerdem ruft die Clubcommisson die Beteiligten dazu auf, ihre Kontakte 14 Tage auf ein Minimum einzuschränken, insbesondere beim Umgang mit älteren oder kranken Menschen.

Ebenfalls heftig kritisiert wurde, dass als Ziel der Bootsparade ausgerechnet der Urbanhafen ausgewählt wurde. Dort befinde sich "nämlich ein Krankenhaus, in dem Menschen um ihr Leben kämpfen", erinnerte nicht nur Bürgermeisterin Monika Herrmann (Bündnis90/Grüne). "Da finde ich derartige Partys einfach unangebracht", twitterte sie. Was auch die "Rebellion der Träumer" im Nachhinein so sah und sich entschuldigte. Es sei ein "mehr als schlecht gewählter und völlig unangemessener Demo-Endpunkt" gewesen. "Das hätten wir und die anderen beteiligten Akteure besser machen müssen."

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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