Böser Brief vom Lichtenberger Bürgermeister
Michael Grunst schreibt wegen Wucher an Vermieter Akelius

Zur Demonstration gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn, die durchs benachbarte Friedrichshain führte, kamen Zehntausende.  Auch jenseits der In-Kieze steigt der Druck enorm.
  • Zur Demonstration gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn, die durchs benachbarte Friedrichshain führte, kamen Zehntausende. Auch jenseits der In-Kieze steigt der Druck enorm.
  • Foto: JoM
  • hochgeladen von Josephine Macfoy

800 Euro für knapp 46 Quadratmeter Wohnen – diese Kaltmiete wäre vor einigen Jahren in Lichtenberg kaum denkbar gewesen. Inzwischen kommen Angebote in dieser Preislage auch hier auf den Markt. Bürgermeister Michael Grunst (Die Linke) hat seinem Ärger darüber in einem Schreiben an den Vermieter Luft gemacht.

Fehlfunktion der Mietpreisbremse, Forderungen nach Enteignung von  Wohnungsunternehmen, Demos gegen den Mietwahnsinn: Bezahlbaren Wohnraum diskutiert die Hauptstadt derzeit wie kaum ein anderes Thema. Denn die enormen Preise betreffen nicht mehr nur Mitte oder Charlottenburg. Eine Anzeige des schwedischen Konzerns Akelius – mit 14 000 Wohnungen einer der größten privaten Viermieter der Stadt – hat für Lichtenbergs Bürgermeister das Fass zum Überlaufen gebracht.

Im Inserat hatte der Eigentümer eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Egmontstraße für circa 20 Euro pro Quadratmeter Warmmiete angeboten. „Natürlich frage ich mich, wie dieser Preis zustande kommt“, schreibt Michael Grunst an Akelius. „Der Berliner Mietspiegel weist für diese Wohnlage, Gebäudeart und Wohnungsgröße eine Spannbreite von 4,81 bis 9,21 Euro aus. Der von Ihnen verlange Mietpreis ist weit außerhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete.“

Profit über den Menschen gestellt

Grunst wirft dem Unternehmen vor, keine Vorstellungen von den Lichtenberger Einkommen zu haben. Und er wird noch deutlicher: „Anstatt Wohnraum für die Berliner anzubieten, den sie sich leisten können, richten Sie ihre Firmenpolitik ausschließlich an einem maximalen Verwertungsinteresse aus.“ Das genannte Angebot greife tief ins soziale Gefüge des Kiezes ein und befeuere den Kampf um bezahlbare Wohnungen. „Wie kann man Profit nur so sehr über den Menschen stellen?“, fragt Michael Grunst den Adressaten seines Schreibens.

Der sieht sich offenbar nicht im Unrecht. Akelius beruft sich darauf, dass die Wohnung umfassend saniert wurde, nachdem der Vormieter zum Frühjahr 2018 gekündigt habe. Dies sei konform zur Mietpreisbremse. Michael Grunsts Fazit: „Das zeigt, dass es schärfere bundesgesetzliche Regelungen zur Mietpreisbremse und zur Deckelung der Mietpreise in der Stadt geben sollte.“ Er hat Akelius um eine Rückmeldung auf seinen Brief vom 8. April gebeten – bis Redaktionsschluss lag keine Antwort vor.

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