Das Spiel ist aus
Statt Tanz und Theater Investruine und illegale Märchenhütten

Die "Märchenscheune" der insolventen Theatertruppe steht seit November als Investruine im Monbijoupark. Hier wollen die Schauspieler vom Monbijou Theater wieder ihr Amphitheater aufbauen.
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Corona- Unternehmens-Ticker

Die Schauspieler wollen im Monbijoupark wieder in ihrem Amphitheater spielen und endlich Geld verdienen. Doch die Situation ist festgefahren. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) kann sich nicht auf einen Fahrplan einigen.

Sie sitzen traurig vor einem leeren Papiermodell des Amphitheaters, platzieren dann Gummibärchen mit genügend Abstand in dem Halbrund und feiern ihr coronakonformes Spielkonzept mit einem freudigen Ellenbogencheck: Mit dem Youtubevideo werben die Schauspieler Holger Güttersberger und André Lewski für einen baldigen Spielbeginn. „Wir sind bereit! Amphitheater Mobijoupark Sommer 2020“ endet der einminütige Clip. Doch es sieht derzeit nicht danach aus, dass die Hexenkessel Theaterproduktionsgesellschaft, die einen Antrag für ein neues Monbijoutheater auf der Betonfläche neben den Märchenhütten gestellt hat, spielen kann.

Das Theater um das beliebte Parktheater tobt weiter – nur nicht auf der Bühne. Trotz unermüdlichen Kampagnen der Kulturunternehmer Roger Jahnke und Christian Schulz ist die Situation derzeit festgefahren. Wer in den seit Jahren tobenden Grabenkämpfen, Intrigen, irren Wendungen und Frontenwechseln der Macher nicht drinsteckt, blickt nicht durch.

„Das Theater im Monbijoupark muss so schnell wie möglich öffnen“, sagt jetzt Linke-Fraktionschef Thilo Urchs in einem Youtubefilmchen. Es habe Streit zwischen Theater und Ensemble und zwischen Theater und Kommunalpolitik gegeben; diesen zu erzählen, würde sehr lange dauern. „Gewonnen hat dabei keiner“, so Urchs. Die Linken wollen sofort die wegen Corona in ihrer Existenz bedrohten Schauspieler unterstützen. Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) soll das Theater jetzt genehmigen. „Es ist Zeit, verhärtete Fronten aufzubrechen“, sagt Thilo Urchs. Doch Gothe hält sich komplett raus. „Da gibt‘s nichts Neues“, sagt er nach den aktuellen Videoforderungen der Linken. Nach dem ganzen Hickhack im vergangenen Jahr hat er die Nase voll. Die BVV solle eine politische Grundsatzentscheidung für die Fläche treffen, hatte Gothe gesagt. Ohne klares Votum rührt er keinen Finger mehr.

Missglückter Neustart

Wie berichtet, hatte der Bezirk den Betrieb des Amphitheaters an der Monbijoustraße und der Märchenhütten jahrelang über Sondergenehmigungen und Duldungen ermöglicht. Denn die Flächen sind im Bebauungsplan als Grünfläche ausgewiesen, Gebäude wie die Holzhütten baurechtlich nicht zulässig. Nach jahrelangen Debatten um die Märchenhütten im Winter und das Amphitheater im Sommer wollten Bezirk und BVV einen Neustart. Die gemeinnützige Theater an der Museumsinsel GmbH (TadM), die David Regehr, Partner vom Monbijoutheater-Chef Christian Schulz hinter dessen Rücken gegründet hatte, sollte zukünftig spielen. Als dann Regehr wieder zu Schulz überlief und das alte Monbijouensemble trotz Verbots durch den Bezirk in den Märchenhütten spielte, war Schluss mit der TadM. Das Märchenscheune genannte Zelt wurde nie eröffnet und steht seit November nach Insolvenz der Betreiber als Investruine im Park.

Ein Antrag aus dem BVV-Stadtentwicklungsausschuss vom Februar zu einem möglichen Neustart im festgefahrenen Genehmigungsstreit wurde wegen Corona verschoben und im Mai wieder in den Umweltausschuss überwiesen. SPD und Grüne wollen in dem Beschluss ein komplett neues Ausschreibungsverfahren. Eine Vergabe an die derzeitigen Bewerber, die ihr Amphitheater aufstellen wollen, wäre demnach gar nicht möglich. Zukünftig sollen nach dem Vorschlag für die Sommersaison und Wintersaison jeweils im Wechsel sogenannte „fliegende Bauten“ auf der unteren Bunkerfläche erlaubt sein. Feste Bauten wie die Märchenhütten auf dem Hochbunkerdach sollen nicht mehr geduldet werden. Das Bezirksamt hat den Abriss durchgesetzt und will die Hütten notfalls entfernen lassen. Das Dach soll laut Ausschussbeschluss begrünt werden.

Linke: "Schauspielern jetzt helfen"

Dem BVV-Ausschussantrag mit der Neuausschreibung zur kulturellen Nutzung und Strandbar an der Spree hatten die Linken im Februar noch zugestimmt. Doch dann kam Corona. In der Mai-BVV waren sie nun dagegen, weil damit die jetzige Truppe nicht sofort spielen könnte. In der BVV konnte der Neustart-Antrag noch nicht beschlossen werden. „Kunst und Kultur ist Pflicht, keine Kür!“, sagen die Linken jetzt in einem eigenen Antrag von Juni, der in dieser Sommersaison Theater und Tanz ermöglichen soll. „Der Bezirk muss alles tun, um den Schauspielern jetzt zu helfen“, sagt Sven Diedrich von den Linken. Er hatte 2018 den Putsch gegen Monbijoutheater-Gründer Christian Schulz eingefädelt. Jetzt unterstützt er ihn wieder. Ihm gehe es nur darum, „dass die Leute in Lohn kommen“.

Eine „bodenlose Frechheit und demagogische Politik“ nennt Frank Bertermann von den Grünen das Video der Linken. „Extreme Zeiten erfordern extreme Entscheidungen“, sagt hingegen Thilo Urchs in dem Filmchen und appelliert, das Amphitheater jetzt zu erlauben. Es biete sich unter freiem Himmel geradezu an, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Dabei unterschlägt er allerdings, dass der Bezirk gar nichts ohne Zustimmung der Humboldt-Universität genehmigen kann. Der gehören nämlich die Bunkerflächen im Monbijoupark. Die Mietverträge für die ehemaligen Charité-Bunker waren im März ausgelaufen.

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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