Mehr als eine warme Suppe
Ein Mittagessen, warme Kleidung und Beratung finden Bedürftige in der Pankower Suppenküche

Andreas Nosseleit und Stefan Gelbhaar beginnen mit dem Austeilen der Suppe.
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  • Andreas Nosseleit und Stefan Gelbhaar beginnen mit dem Austeilen der Suppe.
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Der Pankower Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar (Bündnis 90/Die Grünen) hatte keine Berührungsängste. Bei seinem Besuch der Pankower Suppenküche hantierte er mit der Kelle, als ob er täglich Suppe austeilen würde.

„Wir hatten im November im Bezirk ein Gespräch über Obdachlosigkeit in Pankow“, sagt Gelbhaar. Da waren auch Vertreter von der Suppenküche der Franziskaner mit dabei. „Theoretische über das Thema Obdachlosigkeit diskutieren ist das eine. Ich dachte mir aber, dass ich auch ganz praktisch etwas tun muss, um Obdachlose zu unterstützen“, sagt der Bundestagsabgeordnete. Seinen Einsatz bei der Essenausgabe nutzte er auch gleich, um mehr über die Pankower Suppenküche in der Wollankstraße 18/19 zu erfahren.

Deren Geschichte begann im April 1991. Die Gründerin Schwester Monika beobachtete vor allem in Pankow und Prenzlauer Berg, dass viele ihre Arbeit verloren, mit dem neuen System nicht klarkamen und abrutschten. Sie schlug deshalb vor, eine Suppenküche einzurichten, um Menschen in Not zumindest ein warmes Mittagessen zu ermöglichen. Im Franziskanerkloster standen Räume zur Verfügung, die zur Suppenküche umfunktioniert wurden. Anfangs kamen 20 Leute, bald schon 50, dann 100. Mittlerweile sind es bis zu 300 Personen täglich, sagt Bernd Backhaus, der die Suppenküche heute leitet. „Gerade zum Monatsende, wenn den Leuten das Geld ausgeht, ist unsere Essenausgabe besonders gefragt“, sagt er.

Doch eine Suppenküche allein reichte nicht. Vor allem im Winter brauchten die Menschen etwas Warmes zum Anziehen. So wurde eine Kleiderkammer eingerichtet. Später folgten eine Hygienestation und eine Sozialberatung. Die Angebote der Suppenküche werden mit Spenden finanziert. Dazu zählen nicht nur Nahrungs- und Sachspenden, sondern auch Spenden an Arbeitsleistung. Etwa 80 Ehrenamtliche helfen regelmäßig bei der Vorbereitung des Essens, bei der Essenausgabe und beim Abwasch. Um die 15 Helfer sind es jeden Tag.

„Die Küche ist jeden Tag ab 6.30 Uhr besetzt, damit pünktlich ab 12.45 Uhr das Essen ausgegeben werden kann“, so Backhaus. Bis es so weit ist, müssen die Helfer Gemüse putzen, Zwiebeln schneiden, Fleisch vorbereiten, Stullen schmieren oder Obst zerkleinern. So entstehen jedes Jahr etwa 90 000 Mahlzeiten.

Was die ehrenamtlichen Helfer betrifft, sei man inzwischen gut aufgestellt, so Backhaus. Gesucht werden allerdings stets Helfer, die Sonntagsdienste übernehmen. Aber vor allem auch Geldspenden, „denn manches müssen wir einfach kaufen, damit wir Abwechslung in den Speiseplan bringen können“, so Backhaus. Zu den Bedürftigen zählen bei Weitem nicht nur Obdachlose. Es kommen auch Senioren mit kleinen Renten, Alleinerziehende mit Kindern und wenig Einkommen, aber auch Großfamilien, bei denen das Geld hinten und vorne nicht reicht. Allen steht die Einrichtung dienstags bis sonntags sowie an allen Feiertagen offen. Nur Montag ist Ruhetag.

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