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Expertenrunde im CDU-Forum Umwelt und Verkehr
Nahverkehr zum Nulltarif?

Seit der Androhung von Strafzahlungen durch die EU-Kommission und Fahrverboten, ist in Berlin ein kostenloser öffentlicher Personennahverkehr im Gespräch. Im Forum Umwelt und Verkehr der Berliner CDU in der Kleiststraße äußersten sich Experten zum Thema.

„Neue Denkprozesse“ müssten einsetzen, sagte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici. Die meisten Berliner nutzten den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Die Bevölkerung der Stadt nehme seit 2011 zu. Die Menschen müssten transportiert werden.

Dass ein kostenloser ÖPNV das leisten könne und die Straßen dann leerer und die Luft sauberer werde, haben die geladenen Experten aber unisono verneint. „Es ist naiv zu glauben, dass alle sofort auf den öffentlichen Personennahverkehr umsteigen, wenn er kostenlos ist“, sagte Barbara Lenz, Leiterin des Instituts für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Ein kostenloser öffentlicher Personennahverkehr kann Fahrzeuge nicht von der Straße herunterholen.“ Sinnvoller seien Investitionen in den ÖPNV und „gute Angebote“ für Radfahrer und Fußgänger.

 „Investieren Sie Geld ins Angebot und alles wird gut“, meinte der BVG-Vertriebs- und Marketingleiter Martell Beck. Der Nulltarif sei eine teure Sache, so Beck. Zu den jährlich eine Milliarde Euro für BVG und VBB kämen noch einmal 300 bis 400 Millionen Euro – für mehr Fahrzeuge.

Hans Leister von der Zukunftswerkstatt Schienenverkehr berichtete aus Wien. Dort wurde 2011 für jährlich zusätzliche 50 Millionen Euro ein 365-Euro-Jahresticket eingeführt. Das sei zwar weggegangen wie warme Semmeln, habe aber nicht zu weniger Autoverkehr geführt, weil gleichzeitig die Bevölkerung gewachsen sei. Dafür sei der Einzelfahrschein teurer geworden.

„Es hat sich also nichts bewegt“, urteilt Hans Leister, trotz der Tarifsenkung. 

„Lieber das Geld in einen besseren ÖPNV investieren als es für Preissenkungen zu verdaddeln“, meinte Leister. In Berlin gebe es in punkto Sicherheit und Sauberkeit im ÖPNV etwas zu tun. Der Vertreter der Zukunftswerkstatt Schienenverkehr setzt zudem auf eine neue Tarifstruktur für den Metropolbereich.

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