“Komplett durchgeimpft”
Interview mit Clarissa Meier, Leiterin des Seniorendomizils an der Panke

"Wir hatten bisher keine Infektionen, toi, toi, toi", sagt Clarissa Meier, Chefin des Seniorendomizils an der Panke.
  • "Wir hatten bisher keine Infektionen, toi, toi, toi", sagt Clarissa Meier, Chefin des Seniorendomizils an der Panke.
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In Berlins Pflegeheimen wird geimpft. Ein Kraftakt für die Teams. Die Bewohner im Seniorendomizil an der Panke sind mittlerweile durchgeimpft. Betreiberin und Geschäftsführerin Clarissa Meier zieht im Gespräch mit Berliner-Woche-Reporterin Ulrike Kiefert Bilanz.

Die Corona-Pandemie macht vielen Angst. Wie ist die Stimmung in Ihrem Haus?

Clarissa Meier: Wir sind ein sehr familiäres Haus und pflegen ein persönliches Verhältnis zu unseren Bewohnern. So können wir manche gedrückte Stimmung, die es vor allem über die Weihnachtsfeiertage gab, auffangen. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz ausdrücklich bei meinen Mitarbeitern bedanken, die nicht nur über die Feiertage, sondern auch schon die gesamte Zeit vorher so großartig mitgezogen haben, die Herausforderungen der Pandemie zu meistern.

Das klingt, als wären Sie bisher gut durchgekommen?

Clarissa Meier: Gesundheitlich auf jeden Fall, ja. Wir hatten bisher keine Infektionen. Toi, toi, toi. Aber wir haben auch alles Erdenkliche getan, um das Risiko zu minimieren. Wir haben unsere privaten Kontakte außerhalb des Domizils auf ein Minimum reduziert und die Teams etagenweise organisiert. Wir lassen niemand ohne Test ins Haus, keinen Besucher und auch keinen Arzt. Und wir haben Geld in die Hand genommen, um gute Ausrüstung, zum Beispiel FFP2-Masken, ausreichend vorrätig zu haben. Die Belegschaft wird jeden zweiten Tag getestet, die 96 Bewohner mindestens einmal pro Woche. Für diese Mehraufwendungen sind wir erst mal deutlich in Vorleistung gegangen, auf unser eigenes Risiko. Was wir beantragt hatten, haben wir innerhalb von vier bis fünf Wochen aber erstattet bekommen.

Seit Ende vergangenen Jahres sind die mobilen Impfteams in den Pflegeheimen unterwegs. Wie lief das Impfen bei Ihnen ab?

Clarissa Meier: Der Impfvorgang an sich war ganz einfach. Das mobile Impfteam kam zu fünft an zwei aufeinander folgenden Tagen ins Haus. Das war am 8. und 9. Januar. Dann haben wir unsere Bewohner einzeln und Etage für Etage in den umfunktionierten Besprechungsraum begleitet. Dort gab es ein individuelles Beratungsgespräch mit dem Arzt, den Austausch der Papiere und natürlich die Spritze. Das ging flott, kompetent und freundlich über die Bühne, und am Abend des zweiten Tages waren wir durch und alles war erledigt.

Wann folgt die zweite Impfung?

Clarissa Meier: Damit sind wir in wenigen Tagen auch durch. Ich muss aber erwähnen, dass die eigentliche Arbeit schon viel früher begonnen hat. Wir haben die Zeit über Weihnachten und Silvester genutzt, um unsere Bewohner über die Impfung aufzuklären, die Einverständniserklärungen einzuholen und bei Bedarf mit den Betreuern und Hausärzten zu sprechen. Letzlich haben sich etwa 80 Prozent impfen lassen. Und es war klug, den Papierkram nicht unterschätzt und beizeiten damit angefangen zu haben. Etwas Irritation gab es im Vorfeld: Zunächst hieß es, daß die Belegschaft an dem Tag gleich mitgeimpft wird. Das wurde später korrigiert. Es war dann aber völlig unproblematisch, Impfcodes – also sozusagen die Gutscheinnummern – für die Arena in Treptow zu bekommen.

Was sagen Sie mit all Ihren Erfahrungen der Politik?

Clarissa Meier: Nicht explizit der Politik, sondern allen. Mich wurmt ganz generell die Tendenz, dass alles, was im Rahmen der Pandemie beschlossen und getan wird, erstmal madig gemacht und zerredet wird. Es ist doch niemand Schuld an Covid-19, und unsere erste Frage müsste doch sein, was wir selbst gegen die Verbreitung des Virus tun können. Stattdessen wird viel Energie darauf verwendet, noch die hinterletzten Ungereimtheiten aufzuspüren und nach Lücken in irgendwelchen Bestimmungen zu suchen. Ganz zu schweigen von den vielen abstrusen Verschwörungstheorien, die in Umlauf sind. All dies führt dazu, dass die Problemlage insgesamt mit einer gewissen Lässigkeit betrachtet wird, bei der die Einhaltung der elementaren Verhaltensregeln nicht mehr über den Status einer unverbindlichen Empfehlung hinauskommt. Für die Mitarbeiter in den Pflegeeinrichtungen, die aus gutem Grund einen täglichen Eiertanz aufführen, um das Virus „draußen“ zu halten, ist es sehr frustrierend zu sehen, mit welcher Nachlässigkeit manche „draußen“ damit umgehen. Hier könnte die Politik in der Tat mehr tun: mehr Kontrolle, mehr Bußgeld.

Und was geben Sie Ihren Mitmenschen noch mit auf den Weg?

Clarissa Meier: Seid vorsichtig und lasst euch testen. Das ist das Gebot der Stunde. Und hört auf mit der Meckerei. Was wir jetzt brauchen, sind Solidarität und ein Verantwortungsgefühl füreinander. Denn so schnell kommen wir aus der Krise nicht raus. Das schaffen wir nur zusammen. Wir als Seniorendomizil stehen gut da, aber wir haben auch viel dafür getan.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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