Variante in Schieflage
DEGES-Pläne für das AD Funkturm bereiten Bürgern große Sorgen

Projektleiter Burkhard Pott (Mitte) und Bereichsleiter Andreas Irngartinger von der DEGES standen den kritischen Bürgern nach der Präsentation länger als eine Stunde Rede und Antwort.
3Bilder
  • Projektleiter Burkhard Pott (Mitte) und Bereichsleiter Andreas Irngartinger von der DEGES standen den kritischen Bürgern nach der Präsentation länger als eine Stunde Rede und Antwort.
  • Foto: Matthias Vogel
  • hochgeladen von Matthias Vogel

Den Verantwortlichen der DEGES blies bei der Präsentation ihrer Umbaupläne für das Autobahndreieck Funkturm heftiger Gegenwind ins Gesicht. Fast 400 Bürger ließen sich am 31. Oktober in der Urania nicht von der Vorzugsvariante „A115 in Mittellage“ überzeugen.

In die Jahre gekommen ist der in den 60er-Jahren gebaute Knotenpunkt östlich des Messegeländes sowieso, dazu ist seine Belastung eine völlig andere als damals. Von 20.000 Fahrzeugen am Tag waren die Planer ursprünglich ausgegangen, heute fahren 230.000 Vehikel am Funkturm vorbei – Tendenz steigend. Der zweifelsfrei zwingend nötige Umbau, vor allem die Brückenkonstruktionen sind marode, möchte die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) nutzen, um die Funktion des Autobahndreiecks zu sichern und die Verkehrssicherheit zu erhöhen. In den Ausfahrten Kaiserdamm Süd, Messedamm und Kurfürstendamm gebe es drei Anschlussstellen (AS) auf sehr kurzer Strecke. Das sei für auswärtige Fahrer verwirrend, die Einfädelungswege seien zu kurz, der gesamte Bereich wegen häufiger Spurwechsel zu unfallträchtig, wie Projektleiter Burkhard Pott erklärte. Gemäß der Vorzugsvariante würde die Anschlussstelle Messedamm aufgehoben und am Beginn der Eichkampsiedlung an die Avus (A115) gelegt werden. Entgegen der schlimmsten Befürchtungen der Anwohner präferiert die Autobahngesellschaft des Bundes immerhin eine Tunnellösung. In einem geschwungenen Bogen liefe die Verlängerung des Messedamms senkrecht auf die A115, über Rampen gelänge der Fahrer auf die Autobahn. Selbige würde zudem verlegt werden und mittig über den Rasthof Avus führen, der geschlossen wird. Aus Perspektive der Stadtentwicklung ein Gewinn, mehrere Hektar Fläche würden frei. Mit dem Umbau wird die Kapaziät des Dreiecks nicht erhöht.

Baubeginn frühestens 2023

300 Millionen Euro kostet das Mammutprojekt der DEGES, als frühester Baubeginn wurde das Jahr 2023 genannt. Bis alles fertig ist, wird das Jahr 2030 geschrieben. Gebaut wird an beiden Autobahnen bei laufendem Verkehr, eine der Behelfsautobahnen für die A100 wird direkt durch die Kleingartenanlage der Westkreuzbrache führen. „Eine bittere Pille für die Kleingärtner“, gab DEGES-Bereichsleiter Andreas Irngartinger zu.

Eichkamp-Siedlung befürchtet mehr Verkehr

Die vielen Anwohner, hauptsächlich wohnhaft in der Eichkamp-Siedlung, äußerten große Bedenken am Umbau. Etwa, dass der Verkehr der A100 – bislang problemlos über die AS Messedamm und dann über die beiden Magistralen Spandauer Damm und Kantstraße in die Stadt geführt – über die Knobelsdorffstraße direkt durch Wohngebiete abfließen könnte. Oder dass die Jafféstraße, Verbindung zwischen dem Messedamm und der Heerstraße, zwar möglicherweise die Kapazität für die von der DEGES prognostizierte drastische Erhöhung ihrer Verkehrsbelastung habe, die weiterführenden Straßen durch die Siedlung oder die Kreuzung mit Heerstraße aber sicher nicht.

"Das muss mir mal einer erklären“

Auch Politiker reihten sich in die Schlange der Kritiker ein. Der Bundestagsabgeordnete Klaus-Dieter Gröhler (CDU) gab beispielsweise den zusätzlichen Verkehr zu bedenken, der nach Fertigstellung des Flughafens BER auf das Autobahndreieck zurollen werde. Ein Punkt, an dem ein aufgebrachter Stadtrat Arne Herz (CDU), Leiter des Ordnungsamtes und Bewohner der Eichkamp-Siedlung, nach der Präsentation einhakte: „Wie man eine Autobahn näher an eine Wohnsiedlung heranlegen kann, als sie jemals war, kann ich nicht verstehen. Und Herr Gröhler hat Recht: Alles, was irgendwann einmal vom BER kommt, und zum Zentralen Omnibusbahnhof, zur Messe, zum Olympiastadion oder nach Spandau möchte, fährt nicht mehr beim ICC raus, sondern direkt am Eichkamp vorbei. Das muss mir mal einer erklären.“

Wie steht der Senat dazu?

Vor der Präsentation hatten die Eichkamper mit Plakaten auf ihre Situation hingewiesen. Falk von Moers, im Vorstand des Siedlervereins Eichkamp für Umwelt- und Verkehrsangelegenheiten zuständig, berichtete, erst am 29. Oktober in Staatssekretär Ingmar Streese endlich einen Ansprechpartner bekommen zu haben. „Bis dato hatten wir nicht gewusst, ob der Umbau seitens des Senats nicht schon längst beschlossene Sache ist.“ Im Senat herrsche – wohl zum Glück der Siedler – Uneinigkeit. Die bündnisgrüne Umwelt und Verkehrssenatorin Regine Günther und Streese würden mit der Tunnellösung der DEGES einverstanden sein, Bausenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) würde eine Brückenkonstruktion an gleicher Stelle bevorzugen, um das Gelände des östlich der Avus liegenden ehemaligen Güterbahnhofs zu erschließen.

Waldschulallee als Umfahrung? "Das wäre einfach irre"

Streese war bei der Präsentation zu Gast, positionierte den Senat aber nicht. Weder bezüglich einer Lösung, noch in Vertretung der Bürger – der eigentliche Grund, warum Arne Herz ein wenig in Rage war. „Die Planungen sind sachlich und fundiert, der Mensch wurde aber nicht mitgenommen, ja vergessen. Wenn schon ein Staatssekretär für Verkehr anwesend ist, hätte ich erwartet, dass gesagt wird, was das Land politisch für die Bürger will und was nicht. Das habe ich nicht gehört und das stört mich. Man hätte Andreas Irngartinger bezüglich der Sorgen der Menschen aus der Schusslinie nehmen müssen.“ Was von Planungsseite überhaupt nicht gehe: während der Bauzeit mit der Waldschulallee als Umfahrung zu liebäugeln. „Dort haben wir zahlreiche Schulen und Kitas sowie eine Behindertenwerkstatt. Das wäre einfach irre“, so Herz.

Einer der Eichkamper forderte die beiden DEGES-Vertreter schließlich auf, den Gegenwind zur Kenntnis zu nehmen und alternative Lösungen zu prüfen. Irngartinger: „Das war ja genau das Ziel dieser Auftaktveranstaltung, wir wollen Sie mitnehmen, Ihre Ideen und Einwände berücksichtigen.“ Dazu würden Themenwerkstätten stattfinden. Die erste im Frühjahr 2020. "Wir werden ihn beim Wort nehmen müssen", sagte Herz.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
DER HEIMWERKER ist seit fast 30 Jahren in Berlin am Markt.

JRB DER HEIMWERKER
Mit neuem Fachgeschäft an der Wilmersdorfer Straße für Sie da

JRB DER HEIMWERKER eröffnete sein neues Fachgeschäft in der Wilmersdorfer Straße 117/Ecke Pestalozzistraße. Das inhabergeführte Unternehmen ist seit 1991 am Berliner Markt, also fast 30 Jahre vorhanden. Damit finden uns nun auch wieder Kunden, die uns vermisst haben. Bei DER HEIMWERKER finden Sie Artikel für die Bereiche Haushalt, Werkzeug, Garten und Geschenkartikel. Es werden Artikel namhafter Firmen, wie Abus, Alpina, Gardena, Bosch, Leifheit, Rotho, Riess angeboten, sowie viele andere...

  • Charlottenburg-Wilmersdorf
  • 23.11.20
  • 243× gelesen
WirtschaftAnzeige
Editha Hahn-Fink und Robert Hahn führen Berlins ältestes Bestattungsinstitut im Familienbesitz.
2 Bilder

HAHN Bestattungen
Rechtzeitig über Vorsorge nachdenken

„Es gibt viele Menschen, die sich zu Lebzeiten Gedanken über ihren eigenen Tod machen“, sagt Robert Hahn. „Gerade in der heutigen Zeit, in der Familien oft weit voneinander entfernt leben, nimmt die Frage der Bestattungsvorsorge einen wichtigen Raum ein. Auch die finanzielle Absicherung der dereinstigen Bestattung wird in dieser unsicheren Gegenwart für viele Menschen immer wichtiger“, weiß er zu berichten. Robert Hahn führt das seit fast 170 Jahren im Familienbesitz befindliche...

  • Steglitz-Zehlendorf
  • 24.11.20
  • 91× gelesen
WirtschaftAnzeige
7 Bilder

Geekmaxi
Top-Angebote zum Black Friday

Geekmaxi (www.geekmaxi.com) ist eine in Europa ansässige E-Commerce-Website, auf der die neuesten Geräte wie Smart Home, Outdoors, Electronics und viele mehr verkauft werden. Da der Black Friday vor der Tür steht, hat Geekmaxi seinen Big Sale gestartet und einige exklusive Angebote für Sie zusammengestellt. Hier ist der Pre Black Friday Sale: : https://bit.ly/363t6rr. Sie können den 3% Rabatt-Gutscheincode verwenden: NEWGEEKMAXI. 249,99 € für XIAOMI ROIDMI NEX X20...

  • Mitte
  • 17.11.20
  • 279× gelesen
UmweltAnzeige
4 Bilder

Baumfällung:
Was und wann darf gefällt werden?

Für eine Baumfällung kann es viele Gründe geben: Alter oder Krankheit des Baums, ein Bauvorhaben, Sicherheit, unzumutbare Beschattung, Beeinträchtigung der Bäume untereinander. Um einen Baum zu fällen, müssen in Berlin und Brandenburg die entsprechenden Gesetze und Vorschriften eingehalten werden. Möchte man einen Baum in Berlin und Brandenburg fällen, muss zunächst festgestellt werden, ob der Baum geschützt ist. Gleichermaßen gilt während der Brut- und Setzzeit zwischen dem 1. März und dem...

  • Spandau
  • 23.11.20
  • 244× gelesen
WirtschaftAnzeige
Das Team von Optik an der Zeile (von links): Michael Hahn, Rita Kleinkamp, Andreas Kleinkamp, Uwe Olewski.

Optik an der Zeile
Wir ziehen um: Rausverkauf startet am 1. Dezember 2020

Optik an der Zeile muss umziehen! Seit mehr als 30 Jahren ist nun Optik an der Zeile, Inhaber Andreas Kleinkamp, ein Begriff als Optiker im Märkischen Viertel. Seit J. Wilhelm das Unternehmen vor 36 Jahren gründete, hat sich viel verändert. So verändert sich auch das Märkische Zentrum zurzeit. Andreas Kleinkamp sagte: „Wir verabschieden uns vom Brunnenplatz mit einem Rausverkauf. Ab dem 1. Dezember 2020 geben wir auf die lagernden Brillenfassungen sensationelle Rabatte. Wir müssen umziehen...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 17.11.20
  • 574× gelesen
WirtschaftAnzeige
Genießen Sie kulinarische Köstlichkeiten im Spitzenrestaurant "Machiavelli".
4 Bilder

Restaurant "Machiavelli" am Roseneck
Seit 10 Jahren eine der besten Adressen in Grunewald

Dass das Spitzenrestaurant "Machiavelli" zu den ersten Adressen in der Hauptstadt gehört, ist berlinweit bestens bekannt. So überzeugt die Location seit dieser Zeit mit einer landestypischen italienischen, aber auch alpenländischen Kulinarik vom Feinsten. Darüber hinaus präsentiert sich das "Machiavelli" als wahre grüne Oase inmitten der Großstadt. Aktuell überrascht das Team selbstverständlich auch mit diversen Pfifferlingskreationen, wobei der beliebte, schmackhafte Pilz gern mit einem...

  • Grunewald
  • 04.08.20
  • 879× gelesen
WirtschaftAnzeige
Mariessa Franke (Mitte) und Charlotte Taufmann (rechts) sind zwei von vier Auszubildenden im Unternehmen, die Robert Hahn in ihrer dreijährigen Ausbildung zu qualifizierten Bestattungsfachkräften ausbildet.
2 Bilder

HAHN Bestattungen
Anspruchsvoller Beruf mit Zukunft: Bestattungsfachkraft

Beraten und betreuen – HAHN Bestattungen, als Berlins ältestes Bestattungsinstitut im Familienbesitz, widmet sich nicht nur in fürsorglicher Weise Angehörigen im Trauerfall, sondern auch dem qualifizierten Nachwuchs. „Es ist eine anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe, einem verstorbenen Menschen die letzte Ehre zu erweisen und seine Angehörigen in den schweren Stunden des Abschieds sowohl psychisch als auch organisatorisch zu unterstützen“, sagt Robert Hahn, Urururenkel des...

  • Tempelhof-Schöneberg
  • 17.11.20
  • 257× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen