Die Rettung des Don Giovanni
Bewohner restaurierten ein verfallenes Wandgemälde

Nele Wasmuth (rechts) zusammen mit ihrer Freundin und Laudatorin Hebba Bakri.
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  • Nele Wasmuth (rechts) zusammen mit ihrer Freundin und Laudatorin Hebba Bakri.
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Das Monumentalbild erstreckt sich auf 300 Quadratmetern über die Brandwand im Innenhof des Hauses Fichtestraße 2. Es ist jetzt wieder in voller Pracht zu sehen, nachdem es zuvor Jahrzehnte dem Verfall anheimgefallen war.

Das Kunstwerk, das höchstwahrscheinlich Motive aus Mozarts Oper "Don Giovanni" darstellen soll, ist rund eineinhalb Jahre im Auftrag und mit tatkräftiger Unterstützung der Eigentümergemeinschaft wiederhergestellt worden. Sie bekam für dieses Engagement am 9. Dezember die Ferdinand-von-Quast-Medaille des Landesdenkmalamtes verliehen. Gewürdigt wurde damit außerdem, dass neben diesem Wandgemälde lediglich ein weiteres aus der Kaiserzeit noch in Berlin existiert. Schon deshalb habe es einen hohen denkmalhistorischen Wert.

Um den aber zu konservieren, braucht es Menschen wie Nele Wasmuth. Die Frau hatte 2009 eine Wohnung an der Fichtestraße gekauft und war sieben Jahre später dort eingezogen. Davor hatte sie in Kairo gelebt. Schon nachdem sie Eigentümerin geworden war, wäre die verfallene Malerei immer wieder ein Thema gewesen, erinnerte sich Nele Wasmuth. Anderes, vor allem Arbeiten am Haus, hätten aber zunächst Vorrang gehabt.

Gemälde lässt Bewohner nicht los

Der verfallene Don Giovanni scheint den Bewohnern aber keine Ruhe gelassen zu haben. Beim Einzugsfest für ihre Freundin Nele wären die Gespräche immer wieder bei diesem Bild gelandet, erzählte Hebba Bakri in ihrer Laudatio. Sie betreibt in der ägyptischen Hauptstadt ein Hotel und war extra zur Preisverleihung angereist.

Nele Wasmuth nahm die Sache federführend in die Hand. Und fand große Unterstützung, bei den Eigentümern, aber auch den Mietern, ebenso wie zum Beispiel bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die das Projekt, wiederum mit Hilfe von Lottomitteln, förderte.

Studentinnen der Restaurierungsklasse aus der Fachhochschule in Potsdam waren direkt an den Arbeiten beteiligt. Auch der Besitzer des Nachbargrundstücks musste zustimmen, denn die Brandwand gehörte bereits zu seinem Gebäude. Und die beauftragte Firma wurde ebenso mit Lob bedacht, wie das Landesdenkmalamt.

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals konnte das Ergebnis im September zum ersten Mal besichtigt werden. Innerhalb von drei Stunden kamen 120 Menschen.

Nele Wasmuth hat während des Projekts auch einiges zur Geschichte des Wandgemäldes erfahren. Es entstand mit dem Hausbau im Jahr 1890. Der Maler habe ebenfalls an der Fichtestraße gewohnt. Und die Hausnummer zwei sei bis in die jüngste Gegenwart eine Adresse vieler Künstler.

Vier Auszeichnungen

Weil die Verleihung der Ferdinand-von-Quast-Medaille 2018 ausgefallen war, wurde sie in diesem Jahr gleich vier Mal vergeben. Die Auszeichnung gibt es seit 1987. Sie ist nach Ferdinand von Quast (1807-1877) benannt, der 1843 erster preußischer Landeskonservator geworden war.

Neben der Fichtestraße wurden Medaillen für die denkmalgerechte Restaurierung und neue Nutzung des Krematoriums in Wedding, des Ex-Rotaprint-Gebäude in Gesundbrunnen sowie der Bötzow-Brauerei in Prenzlauer Berg verliehen.

Gegenüber diesen Preisträgern nehme sich die Wandgemälde-Initiative eher bescheiden aus, meinte Nele Wasmuth in ihrer Dankesrede. Aber sie zeige, was mit privatem Einsatz möglich sei. Und sie regte an, den durch passgenauere Fördermodelle noch mehr zu unterstützen.

Gerade Eigeninitiative, wie in diesem Fall, ist ein wichtiges Kriterium für die Auszeichnung. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) betonte das ebenso wie Landeskonservator Christoph Rauhut. Die Reste des Bildes hätten auch einfach durch darüber wachsende Kletterpflanzen in Vergessenheit geraten können, wurde auf ein Worst Case Szenario nicht nur für den Denkmalschutz verwiesen.

Und auch für einen anderen Wunsch, der sich mit der Medaille verbindet, steht nicht zuletzt die besondere Kreuzberger Kunstaktion. Die Preisträger sollen "Nachahmung für andere" sein, sagte der Senator.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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