100 Jahre Groß-Berlin
Die Lichter der Großstadt: Berlin auf dem Weg zur elektrifizierten Metropole

Das „Capitol“ am Auguste-Viktoria-Platz, heutiger Breitscheidplatz (1931).
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  • Das „Capitol“ am Auguste-Viktoria-Platz, heutiger Breitscheidplatz (1931).
  • Foto: bpk/ Heinz Lienek
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Die Entwicklung Berlins zur modernen Metropole ist untrennbar mit der Entwicklung des städtischen Stromnetzes und der öffentlichen Beleuchtung verbunden. Allem voran stand die Erfindung der Glühlampe.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde Berlin durch die Ansiedlung der Elektroindustrie zum innovativen Zentrum der europäischen Elektrizitätswirtschaft. Emil Rathenau (1838-1915), Gründer der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft AEG, erkannte auf der Internationalen Elektrizitätsausstellung 1881 in Paris das Potenzial der Glühlampe, eine Erfindung von Thomas Alva Edisons (1847-1931). Nachdem sich Rathenau das Patent für die Nutzung der neuen Technik gesichert hatte, strahlte die neue Erfindung schon bald in alle Lebensbereiche und erleuchtete die Stadt.

Mit der elektrischen Straßenbeleuchtung wurde auch die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut. Ab 1889 brannten auch im Berliner Stadtschloss die Lichter. Öffentliche Gebäude und bald auch private Haushalte erhielten Zugang zur Elektrizität. "Das enorme Elektrifizierungstempo führte dazu, dass sich von 1900 bis 1904 der Strombedarf verfünffacht hatte", schreibt Christina Stehr. Sie hat zusammen mit Dorothee Haffner den Bildband "Unter Strom – Berlin auf dem Weg zur Metropole" herausgegeben.

Der Einzug elektrischer Maschinen in Fabriken sowie elektrischer Geräte in Büros revolutionierten die Arbeit. In Forschung und Medizin ergaben sich mit den Vorteilen der Elektrizität herausragende Ergebnisse. Mit dem Strom kam auch Licht in die Privathaushalte. Elektroherde, Kühlschränke und Waschmaschinen erleichterten den Alltag der Hausfrauen, blieben aber lange Zeit Luxusgüter.

Einen enormen Aufschwung erhielt die Unterhaltungskultur durch die neuen Möglichkeiten der Elektrizität: Lichtspieltheater, Konzerthäuser sowie Varietétheater entstanden und imposante Leuchtreklamen warben für die neuen Attraktionen. Berlin präsentierte sich in der im Oktober 1929 stattgefundenen Werbewoche "Berlin im Licht" als leuchtende Weltstadt. Der Rundfunk brachte die Unterhaltungskultur sogar in die Berliner Wohnstuben: Am 22. Dezember 1920 fand die erste deutsche Rundfunkübertragung eines Weihnachtskonzerts durch den Sender Königs Wusterhausen statt: Postbeamte der Reichspost spielten auf ihren Instrumenten, sangen Lieder und trugen Gedichte vor. Als Geburtsstunde des deutschen Rundfunks gilt jedoch der 29. Oktober 1923 mit der ersten Funk-Stunde aus dem damaligen Vox-Haus nahe dem Potsdamer Platz.

Innerhalb weniger Jahrzehnte revolutionierte die Stromversorgung das wirtschaftliche Leben und den Alltag in Berlin. Anhand von mehr als 150 Bildern und begleitenden Texten lässt der Bildband "Unter Strom – Berlin auf dem Weg zur Metropole", aus der Edition Braus, die Entwicklung des Aufstiegs der Stadt eindrucksvoll nachvollziehen. Die sorgfältig ausgewählten Fotografien sind ein Schatz. Dieses Buch erlaubt eine kurzweilige Reise durch die Zeit, durch die man sich immer wieder gerne blättert. RR

Literatur: "Unter Strom – Berlin auf dem Weg zur Metropole", Herausgegeben von Dorothee Haffner und Christina Stehr, etwa 150 Abbildungen, 156 Seiten, Edition Braus, ISBN 978-3-86228-187-9, 24,95 Euro. Informationen auf www.editionbraus.de.

Autor:

Frank Luhn aus Mitte

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