Was hat den Bezirk bewegt?
Erfreuliches, Besorgniserregendes, Schönes und Schlimmes: Rückblick auf das Jahr 2018

Am 21. März, nur 13 Tage, nachdem sie ihren Wechsel ins Bundeskabinett bekannt gegeben hat, gratuliert Franziska Giffey Nachfolger Martin Hikel. Hinten Bodo Manegold, Bürgermeister von 1995 bis 2001.
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  • Am 21. März, nur 13 Tage, nachdem sie ihren Wechsel ins Bundeskabinett bekannt gegeben hat, gratuliert Franziska Giffey Nachfolger Martin Hikel. Hinten Bodo Manegold, Bürgermeister von 1995 bis 2001.
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Der Bezirk bekommt einen neuen Bürgermeister, ein Clan-Mitglied wird auf offener Straße erschossen, steigende Mieten machen den Menschen Angst. Das waren große Themen in diesem Jahr. Und es gab weitere bemerkenswerte Ereignisse in Neukölln. Wir werfen einen Blick zurück.

Januar: 2018 beginnt unerfreulich: In der Neujahrsnacht werfen Unbekannte Explosionskörper auf das Musikhaus Bading. Das Traditionsgeschäft an der Karl-Marx-Straße 186 wird stark mitgenommen. Es folgt eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidaritätsbekundungen.

Nach rund zehn Jahren wird der Abschluss der Sanierung der Albert-Schweitzer-Oberschule am Hermannplatz gefeiert. 2005 wegen seines schlechten Rufes und zurückgehender Schülerzahlen von der Schließung bedroht, ist das Gymnasium inzwischen das drittbeliebteste der ganzen Stadt.

Februar: In Britz und Buckow zünden Unbekannte Autos an. Betroffen sind der Buchhändler Heinz Ostermann und der Linken-Politiker Ferat Kocak. Es ist nicht der erste Anschlag im Süden des Bezirks. Die Täter werden in der rechten Szene vermutet.

Das „Dialogforum Airport Berlin-Brandenburg“ spricht sich einstimmig für den Weiterbau der U7 zum neuen Flughafen BER aus. In diesem Gremium sitzen alle Bürgermeister der an den Flughafen angrenzenden Bezirke, Städte und Gemeinden.

Am 28. Februar wird Karin Korte (SPD) zur neuen Stadträtin für Bildung, Kultur und Sport gewählt. Sie ist Nachfolgerin des zurückgetretenen Jan-Christopher Rämer.

Ein neuer Bürgermeister

März: Am 9. März wird ein Gerücht wird zur Gewissheit: Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) wechselt in die große Politik und wird Bundesfamilienministerin. Schon knappe zwei Wochen später wählen die Bezirksverordneten Martin Hikel zu ihrem Nachfolger. Mit 31 Jahren ist der bisherige SPD-Fraktionsvorsitzende in der Bezirksverordnetenversammlung der jüngste Bürgermeister der Stadt.

An der Hertzbergstraße 22 eröffnet das „Engagement-Zentrum“. Hier werden Ehrenamtliche beraten und unterstützt.

April: Das Denkmal für Burak Bektas wird an der Ecke Rudower Straße und Laubsängerweg eingeweiht. Der junge Mann war sechs Jahre zuvor auf offener Straße erschossen worden. Der Täter wurde bis heute nicht gefunden.

Die siebenköpfige AfD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung spaltet sich. Als Grund geben die Mitglieder innerparteiliche Streitigkeiten an. Die anderen Fraktionen sind empört und vermuten politisches und finanzielles Kalkül.

Karl-Marx-Straße entwickelt sich

Mai: Der Umbau der Karl-Marx-Straße geht in die dritte Phase. Bis Ende 2021 wird der 720 Meter lange Abschnitt zwischen Briese- und Weichselstraße umgestaltet.

Der Eigentümer des ehemaligen Britzer Traditionslokals „Gletscher“ erklärt sich bereit, auf den Abriss des Hauses an der Ecke Fulhamer Allee und Alt-Britz zu verzichten und es zu sanieren. Bei einem Brand vor drei Jahren war es erheblich beschädigt worden und stand seitdem leer.

Der Karneval der Kulturen ändert seine Richtung: Zum ersten Mal beginnt er in Schöneberg und endet am Hermannplatz. Die Nord-Neuköllner können an diesem Pfingstsonntag einmal ausschlafen.

Juni: Baubeginn am Mariendorfer Weg 41. Auf einem ehemaligen Teil des Emmaus-Friedhofes errichtet die Buwog Group 440 Eigentums- und 360 Mietwohnungen. Von den Mietwohnungen sollen mehr als die Hälfte preisgebunden sein.

Auch auf dem Grundstück der geschlossenen Tankstelle an der Ecke Sonnenallee und Hobrechtstraße ist Wohnungsbau geplant. Von seinem ursprünglichen Vorhaben, hier ein Hotel zu eröffnen, sei der Investor abgerückt, teilt Stadtplanungsstadtrat Jochen Biedermann (Grüne) mit. Die Bewohner des Reuterkiezes atmen auf.

Das Bezirksamt schlägt dem Senat Buckow-Süd als künftiges „Stadtumbaugebiet“ vor, für das Fördermittel zur Verfügung stehen würden. Ziel: Das geplante neue Quartier mit rund 900 Wohnungen auf den Buckower Feldern soll sich mit den vorhandenen Großsiedlungen gut vernetzen.

Clans machen Schlagzeilen

Juli: Die Berliner Staatsanwaltschaft beschlagnahmt 77 Immobilien der Neuköllner arabischen Großfamilie R. Gegen 16 Personen wird wegen Geldwäsche ermittelt.

Die Britzer RG Wiking holt bei den Deutschen Meisterschaften den Oskar-Ruperti-Preis und ist damit der erfolgreichste Ruderverein Deutschlands.

August: Die Neuköllner Grünen geben den Startschuss für ihre Kampagne „Rette deinen Kiez“. Zwei Monate lang wollen sie mit Flyern, Plakaten und Veranstaltungen auf steigende Mieten aufmerksam machen.

Das Bezirksamt stellt Internetseiten in „Leichter Sprache“ ins Netz. So sollen sich geistig eingeschränkte Menschen oder Personen, die schlecht lesen können, besser über die Angebote und Zuständigkeiten informieren können.

Mord am Tempelhofer Feld

September: Der Intensivtäter Nidal R., Mitglied einer Neuköllner arabischen Großfamilie, wird am Rande des Tempelhofer Feldes auf offener Straße erschossen. Die Diskussion über kriminelle Clans im Bezirk wird intensiver.

Nach einer umfassenden Sanierung eröffnet an der Lahnstraße 56 eines der größten Obdachlosen-Wohnheime der Stadt. Platz ist für 400 Personen. Das Besondere: Es gibt auch 22 Apartments für Familien. Neuer Betreiber ist der Internationale Bund Berlin-Brandenburg.

Oktober: Der Umzug für die 850 Schüler des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums rückt näher: Der Grundstein wird in den Rohbau der neuen Schule an der Christoph-Ruden-Straße 3 gelegt. Im Jahr 1989 musste das alte Gymnasium, das an gleicher Stelle stand, wegen Asbest geschlossen werden. Seitdem lernen die Jugendlichen in einem Provisorium am Haewererweg.

Das englische Reisemagazin „Time Out“ kürt Neukölln zum siebtcoolsten Kiez der Welt.

Die Bezirksverordneten beschließen den Bebauungsplan für das alte Blub-Gelände an der Buschkrugallee. Ein Münchner Investor, der das Areal bereits 2012 gekauft hat, will hier 450 Wohnungen bauen. Nach zähen Verhandlungen hat er eingewilligt, dass 81 von ihnen preisgebunden sein werden.

November: Bei einem Besuch in Neukölln kündigt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) an: Noch vor Ende dieser Legislaturperiode wird der Senat eine Grundsatzentscheidung darüber fällen, ob die U7 nach Schönefeld verlängert wird.

Das Weigandufer und ein Stück der Pflügerstraße werden zur Fahrradstraße. Zwischen Pannierstraße und Treptower Brücke haben die Radler Vorfahrt und dürfen auch nebeneinander fahren.

Rechter Terror im Bezirk

Dezember: Die Bezirksverordnetenversammlung gibt sich eine neue Geschäftsordnung. Sie sieht etwa kürzere Redezeiten und schnellere Überweisungen von Anträgen in die Ausschüsse vor. So sollen die ständigen Verzögerungen, für die vor allem die AfD in den vergangenen Monaten gesorgt hat, eingedämmt werden.

Gesellschaftlich engagierte Neuköllner, die Opfer von rechtsextremen Anschlägen geworden sind, schicken einen Brief nach Karlsruhe. Sie fordern den Generalbundesstaatsanwalt auf, die Taten als „Terrorismus“ einzustufen und die Ermittlungen an sich zu ziehen. Seit 2016 sind mindestens 51 Angriffe von rechts gezählt worden – vor allem im Süden des Bezirks. In der Neujahrsnacht werfen Unbekannte Explosionskörper in das altehrwürdige Musikhaus Bading. Die Bündnisgrünen machen mit ihrer Aktion "Rette deinen Kiez" auf steigende Mieten aufmerksam.

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