3000 Euro für die Stadtteilmütter
Neuköllnerinnen beraten Migrantinnen zur Krebsvorsorge

Der symbolische Scheck über 3000 Euro ist den Stadtteilmüttern hoch willkommen.
  • Der symbolische Scheck über 3000 Euro ist den Stadtteilmüttern hoch willkommen.
  • Foto: Georg Kahlau
  • hochgeladen von Susanne Schilp

Die Initiative Women for Women hat kürzlich zum ersten Mal ihren Frauengesundheitspreis verliehen. Er ging an die Stadtteilmütter Neukölln. Die Initiative hat sich 2018 gegründet und macht sich für eine bessere Gesundheitsversorgung von Frauen stark.

Schirmherrin ist die US-Amerikanerin Nancy Brinker, die die weltweit größte Organisation zur Bekämpfung von Brustkrebs gegründet hat – benannt nach Susan G. Komen, ihrer Schwester, die früh an der Krankheit gestorben ist.

„Frauen, die selbst einen Migrationshintergrund haben, klären andere Frauen in ihrer Muttersprache über Krebsfrüherkennung auf und leisten einen persönlichen Beitrag für die Gesellschaft. Wir lernen von euch!“, so Brinker in ihrer Dankesrede. Zwanzig Neuköllner Stadtteilmütter und Projektkoordinatorin Muna Naddaf waren nach Charlottenburg gekommen, um den Preis entgegenzunehmen. Er ist mit 3000 Euro dotiert.

In der Muttersprache

Die Stadtteilmütter gibt es seit 2004, momentan sind rund 70 von ihnen im Bezirk unterwegs. Ihr Erkennungszeichen ist ein roter Schal. Bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen, durchlaufen sie eine rund sechsmonatige Ausbildung beim Diakoniewerk Simeon, lernen viel über Gesundheit, Ernährung, Bildung und Kindererziehung. Sie erfahren, wie das deutsche System funktioniert, welche Angebote es gibt. Dieses Wissen geben sie dann an Migrantinnen weiter.

Allein in Neukölln würden so pro Jahr rund 1000 Frauen meist türkischer oder arabischer Herkunft zu Gesundheitsthemen beraten, die sonst nicht erreicht werden könnten, so die Initiative Women for Women. Die Stadtteilmütter machten auf Vorsorgeuntersuchungen aufmerksam und begleiteten auf Wunsch auch zum Arzttermin.

Professor Sabina Ulbricht sagte, das Neuköllner Beispiel zeige, dass Frauen in sozial schwierigen Lebenssituationen sehr wohl Früherkennungsangebote wahrnehmen würden, wenn man sie auf die richtige Art und Weise anspreche – bei ihnen zu Hause, in Einkaufzentren oder auch im Jobcenter.

Erfolg, aber keine Regelfinanzierung

Der Gesundheitspreis ist nicht die erste Auszeichnung für die Stadtteilmütter. Eine Regelfinanzierung für sie gibt dennoch bis jetzt nicht, auch wenn Hoffnung besteht, dass das Land Berlin vom nächsten Jahr an die Kosten übernehmen wird. Derzeit erhält das Dauerprojekt Unterstützung vom Jobcenter, dem Bezirksamt, dem Senat und Zuwendungen aus wechselnden Fördertöpfen.

Ebenfalls kritisch: Die Frauen mit dem roten Schal, die zuvor meistens arbeitslos waren, sind nur zwei Jahre lang im Einsatz, dann rücken die nächsten nach. Rund 500 Frauen mit Migrationshintergrund waren bereits als Neuköllner Stadtteilmütter tätig.

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