Flaniermeile Tauentzien?
BVV-Ausschuss beantragt für den Tauentzien "Fußgängerzone auf Zeit"

Testweise für den Verkehr gesperrt werden soll die Tauentzienstraße zur Weihnachtszeit, wenn es nach dem Verkehrsausschuss der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf geht. Das finden nicht alle sinnvoll.
  • Testweise für den Verkehr gesperrt werden soll die Tauentzienstraße zur Weihnachtszeit, wenn es nach dem Verkehrsausschuss der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf geht. Das finden nicht alle sinnvoll.
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Der Verkehrsausschuss der BVV hat auf Antrag der FDP-Fraktion mehrheitlich eine temporäre Umwandlung der Tauentzienstraße in eine Fußgängerzone beschlossen. Die Aufenthaltsqualität der City West soll erhöht werden. Der CDU-Fraktion gefällt zumindest die Wahl des Mittels nicht.

Ob nun die AG City, ein Zusammenschluss von Gewerbetreibenden, die BVV oder die Abteilungen Stadtentwicklung des Bezirks und des Senats – sie alle wollen das Gleiche: die City West attraktiver gestalten. Die Verweildauer von Berlinern und Touristen soll erhöht und damit dem konkurrierenden Online-Handel die Stirn geboten werden. Dazu – so der Tenor – müssten sich die potenziellen Kunden aber wohler fühlen auf Ku’damm und Tauentzien. Über die Beschlussempfehlung des Ausschusses wäre bei der März-Ausgabe der BVV, die wegen der Corona-Krise abgesagt wurde, abgestimmt worden.

Der Antrag der FDP-Fraktion fußte auf einem Bürgerforum der Liberalen im Oktober 2019 zur Zukunft der City West. Dort hätten die Teilnehmer die Idee einer Fußgängerzone begrüßt, um dem Boulevard wieder mehr Aufenthaltsqualität zu geben. Wichtig sei den Bürgern jedoch gewesen, dass dies nur im Gleichklang mit einem Nutzungskonzept für die neu gewonnenen Flächen, dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und einem Parkleitsystem geschehe, erklärte der Fraktionsvorsitzende Felix Recke. „Wir würden den Testzeitraum auch gerne wissenschaftlich begleiten und bezüglich sozialer Veränderungen, der Auswirkung auf Kunden- und Verkehrsströme sowie wirtschaftliche Folgen auswerten lassen.“ Denkbar seien auch Varianten, bei der nur eine Seite der Tauentzienstraße gesperrt werde und die andere Seite weiterhin dem Bus-, Taxi- und Fahrradverkehr erhalten bliebe. „Die City West muss jedenfalls schnell neue Impulse für die Stadtgestaltung der Zukunft setzen, wenn sie langfristig wettbewerbsfähig sein will. Parallel muss ein gesamtstädtisches Mobilitätskonzept dafür Sorge tragen, dass der Verkehr in der Umgebung weiter fließt“, so Recke.

Als passender Zeitraum für die Testphase schwebt dem Fraktionschef zunächst die Vorweihnachtszeit vor, auch wenn andere Zeitfenster sicher mehr Aussagekraft hätten. „Im Advent sind die Menschen ja ohnehin unterwegs“, so Recke. Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Bündnis 90/Die Grünen) könnte sich jedenfalls den Termin generell vorstellen. Probleme sehe er derzeit im Aufgabenberg, der sich wegen der Corona-Krise vor den Verwaltungen auftürme. Und auch die aktuellen Baustellen in der Lietzenburger Straße, über die der Verkehr bei einer Sperrung des Tauentziens hauptsächlich abfließen würde, lassen ihn an der Umsetzung des Beschlusses bereits zur Weihnachtszeit 2020 zweifeln.

Für eine „Luftnummer“ hält Gerald Mattern, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, den Vorstoß der FDP. Die Christdemokraten hatten als einzige Fraktion gegen den Antrag gestimmt. „Wir wollen uns nicht generell verschließen. Aber uns fehlt ein Konzept, dazu sind die Gewerbetreibenden nicht nach ihrer Meinung gefragt worden. Mein Eindruck ist nämlich, dass denen eine Fußgängerzone nicht gefällt.“ Dazu sei diese gewaltige Fläche – die Tauentzienstraße sei sicher zwischen 40 und 50 Meter breit – nur schwer zu bespielen. „Ich befürchte eher eine Verödung als eine Belebung“, so Mattern. Besonders störe ihn, dass auch die bündnisgrüne Verkehrssenatorin Regine Günther das Vorhaben goutiere. Vor lauter Rückbau der einstigen „autogerechten“ Stadt blieben die Interessen des Einzelhandels auf der Strecke. „Und die haben doch wirklich genügend Probleme“, so Mattern.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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