Einblicke ins Neuköllner Standesamt
Schnapszahl-Paare trennen sich eher / Sonnabends werden nur noch selten Ehen geschlossen

Der Aufgang zum historischen Trauraum, der ehemaligen Kapelle. Hier kann nicht parallel zu den Sprechzeiten geheiratet werden, weil zu viel Publikumsverkehr herrscht.
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  • Der Aufgang zum historischen Trauraum, der ehemaligen Kapelle. Hier kann nicht parallel zu den Sprechzeiten geheiratet werden, weil zu viel Publikumsverkehr herrscht.
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An einem ganz besonderen Datum heiraten: Das ist der Wunsch vieler Menschen, die sich auf das Abenteuer Ehe einlassen. In diesem Jahr ist besonders der 20. Februar begehrt. Im Standesamt an der Blaschkoallee 32 geben sich an diesem Tag zehn Paare das Jawort.

Trotz großer Nachfrage konnten die Mitarbeiter keine weiteren Zusagen an Bindungswillige machen. Immerhin ermöglichten sie mehr als doppelt so viele Eheschließungen wie an einem Donnerstag üblich. Wegen der Spätsprechstunde, die um 14 Uhr beginnt, finden Heiraten nämlich normalerweise nur am Vormittag im modernen Trauraum statt, während die ehemalige Kapelle geschlossen bleibt. Da reicht die Zeit nur für vier Zeremonien. „Doch am 20. Februar öffnen wir beide Räume und hängen jeweils einen Termin an“, erklärt Volker Weber, Leiter des Standesamts.

Der Tag mit dem unvergesslichen Datum war schon am 20. August ausgebucht, am ersten möglichen Anmeldetag für die Trauung ein halbes Jahr später. Kürzlich folgte dann der Run auf einen weiteren Wunschtermin, den 8.8. „Wir hatten einen Riesenansturm, konnten jedoch nur sieben Paaren annehmen“, so Weber.

Beliebte liegende Acht

Denn dieser Tag wiederum fällt auf einen Sonnabend, und Sonnabend-Termine gibt es im gesamten Jahr 2020 nur elf Mal in Neukölln. Grund: Personalmangel. „Die Kollegen müssen ja auch unsere normalen Sprechzeiten abdecken“, sagt Weber. Überstunden, die möglichst bald abgebummelt werden wollen, seien da schwierig. In manchen Bezirken könnten am Wochenende gar nicht mehr die Ringe getauscht werden.

Dem 8.8. kommt übrigens eine besondere Bedeutung zu. Denn zwei liegende Achten symbolisieren zwei Mal Unendlichkeit. Was wäre passender für das gegenseitige Versprechen ewiger Treue? Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Vor einiger Zeit haben die Standesbeamten nachgeforscht, wie es um Paare bestellt ist, die an einem auffälligen Datum geheiratet haben – am 8.8.88 oder am 9.9.99. Das ernüchternde Ergebnis: „Schnapsdaten tragen offensichtlich nicht zum Bestand von Ehen bei. Sie werden auffällig eher aufgelöst als andere“, berichtet Weber.

Nach wie vor am häufigsten wird freitags geheiratet. Dann bleibt das Neuköllner Standesamt für den Publikumsverkehr geschlossen, sodass sich in Trauraum und Kapelle 22 Paare das Jawort geben können. Insgesamt wurden vergangenes Jahr 1639 Eheschließungen im Bezirk gezählt. Darunter 506 Paare, bei denen mindestens einer der Partner keinen deutschen Pass hatte. Bei mehr als der Hälfte der verbleibenden 1133 Heiraten waren eingebürgerte Menschen mit migrantischen Wurzeln beteiligt.

Viel mehr als Ehen

Auch wenn sie meistens mit Trauungen in Verbindung gebracht werden, Standesbeamte haben noch viele andere Aufgaben. „Eheschließungen sind der geringste Teil unserer Arbeit“, sagt Weber. Das Registrieren von Geburten und Sterbefällen, Familienbucheinträge, Namensänderungen – für all diese Dinge sind die Mitarbeiter verantwortlich.

Bekommt ein ausländisches Paar ein Kind, muss etwa geprüft werden, ob die im Heimatland geschlossene Ehe auch hier rechtens ist. Oder es kommt ein Flüchtlingspaar ohne Identitätsausweis, das Nachwuchs anmeldet. Eine ganz normale Geburtsurkunde auszustellen, ist ein solch einem Fall nicht möglich. „Mir hat einmal der Leiter des Rechtsamts gesagt, er kenne keine kompliziertere Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung als unsere“, so Weber.

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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