Künstler bangen um ihre Ateliers
KunstEtagenPankow und der Künstlergemeinschaft Australische Botschaft stehen auf der Kippe

Esther Glück hat in den KunstEtagenPankow an der Pestalozzistraße ihr Atelier.
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  • Esther Glück hat in den KunstEtagenPankow an der Pestalozzistraße ihr Atelier.
  • Foto: Bernd Wähner
  • hochgeladen von Hendrik Stein

Dieses Gebäudeensemble war eines der geheimnisvollsten im Bezirk: An der Pestalozzistraße 5-8 hatte die Firma Intrac unter Leitung von DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski ihren Sitz.

Angeblich sollen dort ganze Goldbarren nach dem Zusammenbruch der DDR zunächst in Sicherheit gebracht worden sein. Und in unterirdischen Bunkeranlagen gab es viel Platz, um Kunstgegenstände zu lagern. Dort hätten Mitarbeiter auch Schutz vor einem drohenden Atomschlag finden können. Gerüchte und Spekulationen zu diesem Grundstück gleich hinter dem Pankower Rathaus-Center gibt es sehr viele. Doch was ist davon wahr?

Manches wird sich vielleicht in den nächsten Monaten klären. Der Eigentümer des Grundstücks, der die Immobilie in den 90er-Jahren günstig erworben hatte, begann im November mit Abrissarbeiten. Geplant sind Wohnungen. Das wiederum sorgt bei den Künstlern, die im Vorderhaus unmittelbar an der Pestalozzistraße ihre Ateliers haben, für Sorge. Sie befürchten, dass sie bald ihre Arbeitsräume verlassen müssen.

Der Seitenflügel des Hauses wurde seit 2008 von Künstlern genutzt. Bildhauer, Maler, Grafiker, Fotografen und Designer hatten dort ihre Ateliers. 2014 gründeten sie den Verein KunstEtagenPankow (KEP). Aber bereits ein Jahr später wurde ihnen gekündigt. Einem Teil der Künstler gelang es, sich in Gewerberäume im Vorderhaus einzumieten. Dort gab es immer wieder Ausstellungen. Kürzlich fand nun die voraussichtlich letzte Werkschau der KEP statt.

Der Grundstückseigentümer hatte 2017 eine Baugenehmigung erhalten. Der zufolge sollen auf dem Grundstück 80 Wohnungen entstehen. Aber inzwischen sei ein neuer Bauantrag gestellt, der sich in der Bearbeitung befinde, erklärt Bürgermeister Sören Benn (Die Linke). „Der Eigentümer ist aber bereit, bei seinem Bauvorhaben Ateliers mitzudenken“, so Benn weiter. Voraussichtlich werden auf dem Grundstück einige neue entstehen. Aber noch sei nicht alles geklärt.

Die Künstler der KEP nutzten ihre letzte Werkschau, um bei einem Podiumsgespräch auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen. Denn nicht nur die Ateliers an der Pestalozzistraße sind bedroht, auch die Künstler aus dem Atelierhaus Australische Botschaft in der Grabbeallee 34 fürchten um ihre Arbeitsräume. In diesem denkmalgeschützten Gebäude plant der Eigentümer, 14 Wohnungen einzubauen. Bis mit dem Bauen begonnen wird, können die Künstler noch bleiben.

Andrea Fürst vom Atelierhaus Australische Botschaft berichtet, dass der Eigentümer mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) über einen Verkauf verhandelte. „Die BIM zeigte aber kein Interesse. Nun überlegen wir, wie wir das selbst stemmen könnten“, so Fürst. Wenn alle Künstler im Haus zusammenarbeiten, könnte es vielleicht etwas werden. „Wir merken jedenfalls, dass wir hier etwas tun müssen, auch wenn die künstlerische Arbeit im Moment liegen bleibt.“

Martin Schwegmann, der Atelierbeauftragte des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlin weiß, wie schwer es für Künstler ist, an preiswerten Atelierraum zu kommen. „Auf ein Atelier kommen zehn Bewerber“, sagt er. Und er muss eingestehen, dass es derzeit im Land Berlin noch kein Verfahren gebe, über das bestehende und in ihrer Existenz bedrohte Atelierräume gesichert werden könnten.

Das Bezirksamt Pankow kann zwar auch keine Atelierräume aus dem Boden stampfen, aber es gibt zurzeit mehrere kommunale Sanierungsvorhaben, zum Beispiel im Umfeld des Ernst-Thälmann-Parks, sagt Bürgermeister Benn. Bei der Vorbereitung dieser Vorhaben solle auch darüber nachgedacht, welche Angebote dort für die freie Kunstszene gemacht werden könnten.

Relativ sicher scheint indes die Zukunft des dritten großen Atelierhauses im Ortsteil Pankow, in der Prenzlauer Promenade 149-152. Dieses wird sukzessive von der landeseigenen Berlinovo Immobiliengesellschaft saniert und umgebaut. Dort stehen Künstlern auf fünf Etagen Ateliers zu Verfügung. Und für die nächsten 25 Jahre können die Ateliers erhalten bleiben.

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