„Berlin hat Herz gezeigt!“
Staatssekretärin Sawsan Chebli über freiwilliges Engagement in der Corona-Krise

Sawsan Ceblis Arbeitsfelder sind Bürgerschaftliches Engagement und Internationales.
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  • Foto: Senatskanzlei Berlin
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Sawsan Chebli ist Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. Mit Reporter Michael Vogt sprach Sie über die Rolle des Ehrenamts in der Corona-Krise, Hilfen vom Senat und mögliche Lehren für die Zukunft.

Frau Chebli, hat sich das Engagement in der aktuellen Krise verändert?

S. Chebli: Wir sehen, dass auf die Berliner Zivilgesellschaft in Krisenzeiten Verlass ist und das ist sehr ermutigend. Oberste Prämisse war: Abstand halten und sich menschlich trotzdem nah sein. Das ist gelungen, mit einem beeindruckenden Engagement vor allem für Menschen, die zu den Risikogruppen zählen. Berlin hat Herz gezeigt.

Vor welchen Herausforderungen stehen derzeit Engagierte in Berlin?

S. Chebli: Die Engagierten können vieles nicht mehr einfach so machen. Das beginnt mit der Jugendarbeit in den Sportvereinen und geht bis hin zu den ehrenamtlichen Beratungsangeboten von Selbsthilfeeinrichtungen. Die Berliner Freiwilligenbörse, musste in diesem Jahr in einem digitalen Format stattfinden. Bei vielen Vereinen hapert es an der nötigen Technik und an datenschutzkonformen Lösungen für Videokonferenzen. Da sind wir als Senat dran mit gezielter Unterstützung im Bereich Digitalisierung.

„Solidarität ist das beherrschende Gefühl“

Gibt es Parallelen zu 2015/2016, als eine Welle der Solidarität mit Geflüchteten viele aktiv werden ließ?

S. Chebli: Ja, viele, die sich damals engagiert haben, tun es jetzt auch. Solidarität ist das beherrschende Gefühl. Auf der anderen Seite können wir sehen, dass Rechtsextremisten zunehmend versuchen, die Verunsicherung und Angst in der Bevölkerung angesichts der Corona-Pandemie und der wirtschaftlichen und persönlichen Folgen des Lockdowns zu instrumentalisieren. Die Rechtsextremen hatten auf die Migrationsbewegungen von 2015/16 keine Antwort und sie haben auch keine Antwort auf die Corona-Krise. Ihre einzige Chance ist, Angst zu schüren, um dann zu fordern, was sie schon immer fordern: Minderheiten ausgrenzen, Grenzen dicht machen, Migranten ausweisen. Immer dasselbe Muster. Umso wichtiger ist es, mit Fakten und transparenter Kommunikation dagegenzuhalten.

Wird die Solidarität, die wir dieser Tage erleben, nach Ihrer Meinung nach der Krise Bestand haben?

S. Chebli: Ich bin sicher: Vieles am neuen Zusammenhalt wird bleiben, viele Initiativen werden weiter bestehen. Solche Momente, in denen man gemeinsam eine große Herausforderung gemeistert hat, schweißen zusammen. Es liegt an uns allen, dieses Momentum des Zusammenhalts und der Solidarität zu halten.

Wie schätzen Sie das Engagement der Bürger für die Menschen am Rande der Gesellschaft ein, also zum Beispiel für Obdachlose und Flüchtlinge?

S. Chebli: Dieses Engagement ist und bleibt enorm wichtig. Für mich ist der Umgang mit Minderheiten der Gradmesser dafür, ob unsere Gesellschaft eine menschliche Gesellschaft ist, die Menschen, die Hilfe brauchen, in ihre Mitte nimmt.

„Telefonseelsorge wurde verstärkt“

Was tut das Land Berlin, um Engagierten und Ehrenamtlichen in der derzeitigen Situation ihre Arbeit zu erleichtern beziehungsweise überhaupt zu ermöglichen?

S. Chebli: Der Senat hat seit dem Beginn der Pandemie viel getan, die Liste ist lang. Sie beginnt mit dem Ausbau des Engagementportals www.berlin.de/bürgeraktiv. Ehrenamtliche können ungehindert zu ihren Einsatzstellen gehen, die Telefonseelsorge wurde verstärkt, als die Zahl der Anrufer sehr zunahm. Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, die durch Corona bedingt nur eingeschränkt oder gar nicht an ihren Arbeitsplatz kommen, können jetzt befristet bis zu 20 Tage für einen ehrenamtlichen Einsatz im gemeinnützigen Bereich freigestellt werden. Freiwilligenagenturen und Stadtteilzentren werden beim Aufbau gemeinsamer Koordinierungsstellen für Engagement unterstützt. Beschäftigte in manchen Bereichen erhalten Zugang zur Kita-Notbetreuung. Und als die Berliner Tafel auf einen Bringdienst umgestellt hat, konnten wir es dem THW ermöglichen, die weitgehend ehrenamtliche Struktur der Tafel zu verstärken.

Aufgrund der Corona-Krise verlieren viele Vereine, Initiativen und NGOs Einnahmen, haben aber trotzdem weiterhin Kosten zu tragen. Welche Soforthilfen stellt das Land Berlin in der Corona-Krise bereit?

S. Chebli: Viele Einrichtungen können von den Hilfen für die Wirtschaft Gebrauch machen. Für diejenigen, die das nicht können, bereiten wir aktuell ein gesondertes Förderprogramm vor. Gleichzeitig wollen wir die gemeinnützigen Vereine bei der Digitalisierung unterstützen. Denn wir sollten auch in Zukunft nicht vergessen: Freiwilliges Engagement ist systemrelevant. Das spüren jetzt viele Menschen.

Autor:

Michael Vogt aus Prenzlauer Berg

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