„Viele Menschen haben ein Dankeschön verdient“
Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) über das schwierige Jahr 2020 und seine vor ihm liegende letzte Amtszeit

Helmut Kleebank: „Aus heutiger Sicht lässt sich natürlich einiges hinterfragen. Etwa ob das Schließen der Schulen und Kitas damals wirklich eine so gute Idee war. Aber wir mussten vieles erst einmal lernen.“
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  • Helmut Kleebank: „Aus heutiger Sicht lässt sich natürlich einiges hinterfragen. Etwa ob das Schließen der Schulen und Kitas damals wirklich eine so gute Idee war. Aber wir mussten vieles erst einmal lernen.“
  • Foto: Ulrike Kiefert
  • hochgeladen von Hendrik Stein

Es hätte eigentlich auch 2020 zahlreiche freudige Anlässe in Spandau gegeben, sagt Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD). Aber viele seien wegen Corona entweder ausgefallen oder hätten nicht die verdiente Aufmerksamkeit bekommen. Das Engagement vieler Menschen verdiene gleichzeitig großen Dank und Anerkennung. Spandauer-Volksblatt-Reporter Thomas Frey sprach mit dem Bürgermeister über ein herausforderndes Jahr 2020.

Wann setzten Sie sich erstmals mit dem Thema Corona bewusst auseinander?

Helmut Kleebank: Das war relativ frühzeitig, ohne dass ich – wie die meisten auch – damals ahnen konnte, mit welchen Folgen wir in den kommenden Monaten konfrontiert werden. Aber schon im Januar sagte ich wegen der Vorgänge in China zu meiner Frau, wir sollten uns wegen des Virus vielleicht einen Vorrat anlegen. Bis dahin war das in unserem Haushalt überhaupt nicht üblich. Ich dachte dabei weniger an Toilettenpapier, aber an haltbare Lebensmittel, sodass man mal eine Woche überbrücken kann.

Und als es dann im März zum ersten Lockdown kam, wie haben Sie diese Phase erlebt?

Helmut Kleebank: Auch wir in Spandau mussten uns sehr schnell auf diese Situation einstellen. Wir wurden mit Vorgaben konfrontiert, die wir nicht gemacht hatten, aber umsetzen mussten. Ich finde, das hat insgesamt sehr gut funktioniert. Gerade vor dem Hintergrund, dass es keinerlei Erfahrungen gab. Aus heutiger Sicht lässt sich natürlich einiges hinterfragen. Etwa ob das Schließen der Schulen und Kitas damals wirklich eine so gute Idee war. Aber wir mussten vieles erst einmal lernen.

Unsere Ausgabe des Spandauer Volksblatts steht unter dem Motto „Wir sagen Danke“. Bei welchen Menschen oder Institutionen würden Sie sagen, die haben wegen ihres Engagements 2020 ein ganz besonderes Dankeschön verdient?

Helmut Kleebank: Viele Menschen haben das verdient. Und ich möchte niemanden vergessen. Aber zwei Beispiele will ich vielleicht doch nennen. Zum einen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes. Ich rede jetzt nicht vordergründig von den vielen Helferinnen und Helfern aus anderen Abteilungen oder weiteren Unterstützern. Auch die leisten natürlich eine tolle Arbeit. Noch mehr geht es mir aber um das Stammpersonal. Bei denen lag und liegt die Hauptlast im Kampf gegen die Pandemie – und das mittlerweile seit neun Monaten. Die müssen seither auch vieles bewältigen, was so gar nicht bekannt ist. Dazu gehört, dass die zusätzlichen Kräfte optimal angeleitet werden. Der Dank an diese Menschen kommt mir oft zu kurz.

Mein zweites spezielles Dankeschön gilt den Beschäftigten im Einzelhandel, etwa den Verkäuferinnen und Kassiererinnen in den Supermärkten. Gerade diese Berufsgruppe war im März vor eine Situation gestellt, bei der sie nicht wusste, wie hoch das Ansteckungsrisiko ist. Da ist inzwischen zwar viel passiert, aber noch immer müssen sie sich mit manchen Kunden auseinandersetzen, die ohne Maske in einen Laden kommen. Dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz der vielen Schwierigkeiten letztendlich unsere Versorgung aufrechterhalten haben, verdient ebenfalls große Anerkennung.

Wegen Corona gab es für Bürgermeister Kleebank (Mitte) weitaus weniger offizielle Termine, als sonst üblich. Einer der stattfand, war die Grundsteinlegung für den Neubau der Wolfgang Borchert-Oberschule im Juni. Hier zusammen mit der damaligen Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke, rechts) und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).
  • Wegen Corona gab es für Bürgermeister Kleebank (Mitte) weitaus weniger offizielle Termine, als sonst üblich. Einer der stattfand, war die Grundsteinlegung für den Neubau der Wolfgang Borchert-Oberschule im Juni. Hier zusammen mit der damaligen Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke, rechts) und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).
  • Foto: Bezirksamt Spandau
  • hochgeladen von Thomas Frey

Was war abseits von der Corona-Pandemie im abgelaufenen Jahr für Spandau besonders wichtig?

Helmut Kleebank: Da gab es einiges, aber die Pandemie hat vieles überlagert. Ich nenne hier nur die Einweihung oder den Bau neuer Schulgebäude im Rahmen der Schulbauoffensive oder die weitere Etappen in Richtung Siemensstadt 2.0. Damit zusammenhängend der erste Schritt zum Reaktivieren der Siemensbahn als Teil der Schienenprojekte i2030, von denen Spandau auch an anderen Stellen profitieren soll. Persönlich war es für mich schmerzlich, dass viele auch traditionelle Veranstaltungen nicht stattfinden konnten. Gerade dort kommt es zum direkten Kontakt mit der Bevölkerung. Der war wegen Corona auch sonst ziemlich eingeschränkt. Und das habe ich mir natürlich zum Ende meiner Amtszeit ganz anders vorgestellt.

Sie kandidieren nicht mehr als Bürgermeister und wollen in den Bundestag. Was erwartet Sie in Ihrem letzten Amtsjahr?

Helmut Kleebank: Das habe ich vor. Aber bis dahin wird uns Corona weiter beschäftigen. Abgesehen davon möchte ich den Bezirk anständig und geordnet übergeben. Ich finde, Spandau steht sehr gut da. Wegen der Pandemie ist das ebenfalls etwas in den Hintergrund geraten. Aufbauen und weiterentwickeln, was bisher bereits erreicht wurde. Auch bei Themen wie Verkehr oder Klimaschutz. Nicht nur die haben gleichzeitig eine bundespolitische Bedeutung.

Helmut Kleebank: „Aus heutiger Sicht lässt sich natürlich einiges hinterfragen. Etwa ob das Schließen der Schulen und Kitas damals wirklich eine so gute Idee war. Aber wir mussten vieles erst einmal lernen.“
Wegen Corona gab es für Bürgermeister Kleebank (Mitte) weitaus weniger offizielle Termine, als sonst üblich. Einer der stattfand, war die Grundsteinlegung für den Neubau der Wolfgang Borchert-Oberschule im Juni. Hier zusammen mit der damaligen Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke, rechts) und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).
Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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