Abbau des Kaffebecherturms
Friedrichshain-Kreuzberg auf dem Weg zum Zero-Waste-Bezirk

Ein Abfallberg nach einem Sommerwochenende im Volkspark Friedrichshain.
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  • Ein Abfallberg nach einem Sommerwochenende im Volkspark Friedrichshain.
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Kaum etwas regt viele Menschen so sehr auf, wie abgestellter oder einfach weggeworfener Müll. Solche Dreckecken finden sich in Parks, Touristen- und Partymeilen, am Straßenrand. Dem Unrat hat der Bezirk jetzt den Kampf angesagt – mit einem Zero-Waste-Konzept für den öffentlichen Raum.

Übersetzt heißt Zero Waste "null Abfall". Das lässt sich wahrscheinlich nicht erreichen, aber zumindest eine deutliche Verringerung ist das Ziel.

Den Weg dazu, genannt "Road Map", haben Circular Berlin sowie die Landesverbände des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und der Grünen Liga zusammen mit dem Bezirk erarbeitet. Kosten: 60 000 Euro.

Die Projektpartner verschafften sich zunächst einen Überblick über die größten Müllecken im Bezirk. Dort tauchen alle "üblichen Verdächtigen" auf: der Volkspark Friedrichshain und der Görlitzer Park, der Boxhagener Platz, das Ostkreuz, die Oranienstraße und das RAW-Gelände, Gebiete am Landwehrkanal, Checkpoint Charlie und die Oranienstraße. Dann wurden 37 Leitlinien erstellt. Manche berühren Gesetzesänderungen, die Zusammenarbeit mit anderen Bezirken und nicht zuletzt das Mitspielen anderer Akteure. In anderen Fällen haben Politik und Verwaltung direkte Eingriffsmöglichkeiten.

Hier einige Schwerpunkte:

Mehr Mehrweg: Allein die Einweg-Kaffeebecher, die innerhalb von nur zwei Stunden in Friedrichshain-Kreuzberg weggeworfen werden, ergeben übereinander gestapelt die Höhe des Berliner Fernsehturms, rechnete Umweltstadträtin Clara Herrmann (Bündnis90/Grüne) vor. Kleiner werden soll dieser Turm jetzt unter anderem durch entsprechende Vorgaben bei Straßenfesten, was ab 2021 geplant ist. Die brauchen dann insgesamt neben einem Sicherheits- auch ein Abfallvermeidungskonzept.

Ebenfalls im Visier sind die Wochenmärkte. Lobend wurde der Ökomarkt am Chamissoplatz genannt. Dort werden bereits jetzt nur noch Keramiktassen ausgegeben. Gerade dieses Beispiel zeigt: Es braucht nicht zuletzt die Kooperation mit dem Einzelhandel.

Keine Einweggrills: Diese Billig-Brutzel-Varianten werden bereits ab kommenden Sommer verboten. Denn gerade sie produzieren viel Müll. Als Alternative soll es feste Grillstationen geben, die online reserviert werden können. Illegales Garen zu unterbinden ist wiederum eine Aufgabe der Parkläufer, die im Görlitzer Park und Volkspark Friedrichshain unterwegs sind.

Tauschen und borgen: Schon jetzt gibt es im Bezirk mehrere Sperrgutmärkte und die „Bibliotheken der Dinge“, wo elektrische Geräte oder Werkzeuge ausgeliehen werden können. Diese Angebote sollen ausgeweitet werden. Die Hoffnung: dadurch das unrechtmäßige Entsorgen ausrangierter Gegenstände zu reduzieren.

Kippen entsorgen: Einfach weggeworfene Zigarettenreste sind ebenfalls ein großes Problem. Große öffentliche Aschenbecher, sogenannte Ballot Bins, sollen dafür sorgen, dass viele von ihnen künftig nicht mehr in Grünanlagen oder auf der Straße landen.

Reallabor: Die genannten und weitere Vorschläge sollen in einem Gebiet konzentriert getestet werden. Clara Herrmann nannte auch bereits zwei Kieze, wo sie sich ein solches Zero Waste in Echtzeit vorstellen könnte, entweder am Boxhagener Platz oder im Kiez am Ostkreuz. In diesem Rahmen sollen auch weitere Ideen zur Müllvermeidung vorgeschlagen und ausprobiert werden.

Mitmachen und mitnehmen: Nicht nur beim Reallabor, sondern insgesamt kommt es ganz wesentlich auf die Beteiligung der Bevölkerung an. Die soll vor allem durch Überzeugen erreicht werden, betonte die Stadträtin. Natürlich würden Übertretungen sanktioniert, aber nicht hinter jedem Baum stehe ein Kontrolleur. Und gerade mit dem Verweis auf den großen Ärger wegen des Massenabfalls erwartet sie eine positive Resonanz.

Erfolgsbilanz: Der Erfolg der Maßnahmen lässt sich schon deshalb schlecht messen, weil der Umfang der gesamten Müllmenge in Friedrichshain-Kreuzberg unbekannt ist. Bisher ist auch keine Zero-Waste-Auswertung geplant. Außerdem umfassen einige dort vorgeschlagenen Maßnahmen einen Zeitraum bis ins Jahr 2024. Clara Herrmann nannte aber ein Kriterium, das zumindest Anhaltspunkte gebe, ob sich die Situation verbessert hat. Nämlich dann, wenn bei ihr weitaus weniger Klagen und Beschwerden ankommen, als es aktuell der Fall sei.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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