Abholen aus der Lebensrealität
Arnon Hampe und Berivan Köroğlu über Jugendarbeit zu Rassismus und Antisemitismus

Arnon Hampe und Berivan Köroğlu arbeiten bei der ju:an-Praxisstelle antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit.
  • Arnon Hampe und Berivan Köroğlu arbeiten bei der ju:an-Praxisstelle antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit.
  • Foto: ju:an
  • hochgeladen von Josephine Macfoy

Mit Vorurteilen und Anfeindungen aufgrund von Äußerlichkeiten setzen sich auch Kinder schon auseinander, allerdings ganz anders als Erwachsene. Arnon Hampe und Berivan Köroğlu betreuen das Projekt „ju:an im Kiez mit der Schilleria“ der Amadeu Antonio Stiftung. Dabei sensibilisieren sie Kinder und Jugendliche für Rassismus und Antisemitismus. Josephine Macfoy haben sie von ihren Erfahrungen erzählt.

Wie kann man sich das Projekt in der Schilleria vorstellen? Wie bringen Sie das Thema den Mädchen dort näher?

Berivan Köroğlu: In dem gemeinsamen Projekt „ju:an im Kiez mit der Schilleria“ veranstalten wir an vier Freitagen im September Workshops im Mädchen*club im Neuköllner Schillerkiez. Niedrigschwellig und spielerisch nähern wir uns den Themen Diskriminierung, Identität und Empowerment an. Bisher arbeiten wir mit einer Gruppe von ca. 10 Mädchen* im Alter von 10 bis 13 Jahren. Neben dem interaktiven und dialogischen ist uns auch ein biografischer Zugang wichtig.

Bisher hat die ju:an-Praxisstelle vor allem pädagogisches Fachpersonal für Diskriminierungen sensibilisiert. Wieso weiten Sie nun die Arbeit mit Jugendlichen aus und gehen auch stärker in die Kieze?

Arnon Hampe: Wir versuchen Rassismus und Antisemitismus auf unterschiedlichsten Ebenen sichtbar zu machen. Das bedeutet für uns, dass es einerseits wichtig ist, die Fachpädagog*innen für diese Ungleichwertigkeitsideologien zu sensibilisieren und anderseits auch die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen nicht aus dem Blick zu verlieren. Vor allem, wenn diese selber von Diskriminierung betroffen sind. Letztendlich sollen ja die Fachpädagog*innen und Jugendlichen ins Gespräch kommen und gemeinsamen Strategien gegen Diskriminierung entwickeln.

Kinder haben einen intuitiven Zugang

Welches Problembewusstsein gibt es bei den teilnehmenden Mädchen in der Schilleria für solche Diskriminierungen? Wie gehen die verschiedenen Altersgruppen damit um?

BK: Für die jüngeren Mädchen* sind Begriffe wie Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus zu abstrakt, sodass wir versuchen, diese Phänomene mit einfachen Beispielen auf eine weniger abstrakte Sprache runterzubrechen. Was wir auf jeden Fall beobachten, ist, dass die Mädchen* bei einer Selbstbetroffenheit, beispielsweise von Rassismus, einen intuitiven Zugang haben. Im ersten Moment haben sie* vielleicht keine Wörter dafür, aber durch den gemeinsamen Austausch wissen sie* durchaus, was gemeint ist und können häufig von eigenen Erfahrungen berichten. Bei den etwas älteren Mädchen* ist das Problembewusstsein häufig schon ausgeprägter und differenzierter. Uns ist es wichtig, die Kinder und Jugendlichen bei ihren Lebensrealitäten abzuholen und genau da mit unserer Arbeit anzusetzen.

Inwieweit unterscheidet sich die Jugendarbeit zum Thema Rassismus und Antisemitismus von der Arbeit mit Erwachsenen?

AH: Ein grundlegender Unterschied ist, insbesondere bei der Thematisierung von Antisemitismus, dass Erwachsene ihn meistens mit dem Holocaust und der NS-Zeit in Verbindungen bringen. Das hat viel mit der Erinnerungskultur zu tun und zeigt, wie Erwachsene durch bestimmte gesellschaftliche Debatten vorgeprägt sind. Kinder und Jugendlichen sind da häufig unvoreingenommener. Die methodische Herangehensweise unterscheidet sich auch dahingehend, dass mit Erwachsenen viel bewusster an Denkmustern gearbeitet wird, während die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen viel spielerischer und niedrigschwelliger ist.

Was macht die Schilleria zu einem passenden Veranstaltungsort?

BK: Wir haben vor zwei Jahren im Rahmen des Projekts der Schilleria #nichtmituns mit jungen Frauen* im Alter von 16 bis 20 Jahren schon zusammengearbeitet. Seitdem sind wir dem Mädchen*club sehr verbunden. Schilleria ist ein Ort für Mädchen* und junge Frauen*, in dem Vielfalt und Zusammenhalt gelebt werden. Und das wollen wir mit unserem Projekt unterstützen.

Rückzugsraum Jugendclub

Welche Probleme mit Diskriminierung zeigen sich speziell in Neukölln?

AH: Alltägliche Rassismus- und Ausgrenzungserfahrungen sind leider auch hier in Neukölln eine Lebensrealität. Racial Profiling, die Verdächtigung nach bestimmten äußerlichen Merkmalen, ist hier beispielsweise ein großes Problem für viele Jugendliche of Color. Daher sind Jugendclubs wichtige Rückzugsräume in Neukölln, in denen Jugendliche Anerkennung und Unterstützung erfahren. Antisemitismus ist in Neukölln genauso ein Thema wie in anderen Bezirken Berlins auch. Häufig gibt es hier aber eine Leerstelle in der Wahrnehmung, weil jüdisches Leben nicht wahrgenommen wird.

Sind schon weitere Projekte von ju:an im Bezirk geplant?

BK: Wir kooperieren bereits mit anderen Einrichtungen in Neukölln und sind nach wie vor Ansprechpartner*innen für antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit in ganz Berlin.

Autor:

Josephine Macfoy aus Schöneberg

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Mike Werner kauft Fototechnik, Lupen, Ferngläser und vieles mehr an.
2 Bilder

"Analog Lounge GmbH"
Ankauf von Fototechnik, Ferngläsern & Co.

"Guten Morgen“, ertönt es im Treppenhaus von einer älteren Dame. Sie greift einen gefüllten Stoffbeutel und übergibt Ihn Herrn Werner. Im Stoffbeutel der älteren Dame kommen eine Kamera, einige Objektive und ein Zielfernrohr zum Vorschein. Vorsichtig reiht Ankäufer Werner die Gegenstände aus dem analogen Zeitalter auf. Gern würde sie diese Dinge bei Werner gegen Bares loswerden. Denn der 40-Jährige ist von der Firma "Analog Lounge GmbH" und kommt regelmäßig nach Berlin, um Kameras, Objektive,...

  • Tiergarten
  • 12.04.21
  • 306× gelesen
PolitikAnzeige
„Wir wollen Reinickendorfs Zukunft gestalten“, erklärt Torsten Einstmann.

"Tesla-Effekt für Reinickendorf"
SPD-Kandidat Torsten Einstmann will sich im Bundestag für Reinickendorfs Zukunft einsetzen

Über 5.000 Wohnungen sollen im neuen Wohnquartier am Kurt-Schumacher-Platz entstehen; dazu Schulen, Kitas, Sportanlagen, Einkaufsmöglichkeiten und viel Grün. Für Torsten Einstmann, der bei der Bundestagwahl im September für die SPD in Reinickendorf antritt, ein wichtiger Schritt für den gesamten Bezirk: „Wie Tesla für Teile Brandenburgs eine Initialzündung für mehr Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze ist, kann auch die Nachnutzung des TXL ein Schub für die Entwicklung im Fuchsbezirk sein.“...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 06.04.21
  • 242× gelesen
WirtschaftAnzeige
Willkommen in den neuen Räumlichkeiten von Optik an der Zeile.

Optik an der Zeile
Es ist geschafft – wir sind um die Ecke gezogen

Es ist geschafft – wir sind um die Ecke gezogen. Seien Sie neugierig und schauen Sie bei uns rein. Es lohnt sich, denn mit unserer 9. Brillenmesse feiern wir unseren Umzug und unser neues Geschäft im Osteingang vom Märkischen Zentrum. Nach über 30 Jahren im Märkischen Viertel eröffnen wir ein neues Kapitel in unserer Geschichte. Das neue Geschäft bietet mehr Platz und Sie werden sich sicher wohlfühlen. Bei unserer 9. Brillenmesse bieten wir Ihnen wieder die kompletten Kollektionen namhafter...

  • Märkisches Viertel
  • 23.02.21
  • 354× gelesen
WirtschaftAnzeige
Parfümerie Gabriel Frau Lang (links) und Frau Gutenmorgen begrüßen Sie ab sofort gern in der Parfümerie Gabriel in Frohnau.
2 Bilder

Wir sind für Sie da
Parfümerie Gabriel: Ab sofort auch in Frohnau!

Ab sofort finden Sie uns in neuem Glanze auch am Zeltinger Platz 1 + 3 in Berlin-Frohnau. Ob Düfte, Pflegeprodukte, Make-up oder besondere Accessoires – bei unseren Beautyexperten finden Sie bestimmt das Richtige für sich oder Ihre Liebsten. Oder verschenken Sie doch einen unserer liebevoll verpackten Geschenkgutscheine. Da ist garantiert für jeden die passende Oster-Überraschung dabei. Verwöhn-Momente in der Beauty Lounge Demnächst laden wir Sie auch gerne zu unvergesslichen Verwöhn-Momenten...

  • Frohnau
  • 24.02.21
  • 386× gelesen
WirtschaftAnzeige
Lars Sommer, Julius Voigt, Christian Schröder und Daniel Eggert (von links) sorgen gern für Ihr Catering.
5 Bilder

Airstream Catering
Mit dem Foodtruck bei Ihnen vor Ort

Der Airstream-Wohnwagen aus den USA ist das Highlight der Catering-Szene in Berlin und Brandenburg. Seit 2013 touren der 38-jährige Daniel Eggert und der 41-jährige Lars Sommer mit ihrer „rollenden Küche“, wie sie den umgebauten Wohnwagen nennen, durch Berlin und Brandenburg. Die aus der internationalen Spitzengastronomie entstammenden Gründer Daniel Eggert und Lars Sommer bieten professionell und emotional ihre Food-Innovationen einer internationalen Kundschaft an. Die Inhaber setzen vor allem...

  • Bezirk Pankow
  • 11.02.21
  • 1.040× gelesen
WirtschaftAnzeige
"Wir halten Sie mobil!", sagt Marlies Wegener, Geschäftsführerin vom Autohaus Wegener. Auch wenn der Präsenzverkauf derzeit leider nicht möglich ist: Das Autohaus Wegener ist für Sie erreichbar. Und natürlich bleibt der Werkstattbereich weiterhin geöffnet.

"Wir halten Sie mobil!"
Autohaus Wegener ist auch während der Pandemie für Sie da

Auch wenn der Präsenzverkauf derzeit leider geschlossen bleiben muss: Die Mitarbeiter vom Autohaus Wegener sind für Sie da! Unter dem Motto "Wir halten Sie mobil!" erreichen Sie das kompetente Team telefonisch unter der Rufnummer 0800/906 72 58 oder per E-Mail info@autohaus-wegener.de. Montags bis freitags von 7 bis 18.30 Uhr sowie sonnabends von 9 bis 13 Uhr stehen Ihnen die Mitarbeiter zur Verfügung. Ob Neu- oder Gebrauchtwagen, Kauf, Leasing oder Werkstattservice: Trotz der coronabedingten...

  • Charlottenburg
  • 18.01.21
  • 409× gelesen
WirtschaftAnzeige
Niederlassungsleiter Klemens Möhne und seine Mitarbeiterinnen Tanja Alber und Katrin Dröse vor der runderneuerten Fielmann-Filiale in der Frankfurter Allee.

Nach 25 Jahren im neuen Glanz
Fielmann eröffnet umgebaute Niederlassung in der Frankfurter Allee

Seit 1995 verkauft Fielmann seine Brillen in Friedrichshain. In diesem Vierteljahrhundert wurden hier mehr als 250.000 Brillen verkauft. Das wären umgerechnet zwei für jeden Einwohner des Stadtteils. Passend dazu hat Deutschlands erfolgreichster Optiker nun seine komplett umgestaltete Niederlassung wiedereröffnet. Trotz der herrschenden Maskenpflicht ist auf ersten Blick zu erkennen, dass Fielmann-Niederlassungsleiter Klemens Möhne über beide Ohren strahlt. Und das aus gutem Grund: In den...

  • Friedrichshain
  • 05.02.21
  • 407× gelesen
SozialesAnzeige

Online den richtigen Partner finden: Herzklopfen-berlin.de
Die Liebe hält keinen Winterschlaf – mit richtigem Dating den Traumpartner finden

Im Winter verlagert sich das Leben nach drinnen. Das gilt in diesem Jahr besonders. Wenn es draußen kalt und dunkel wird, freut man sich umso mehr auf ein warmes Zuhause. Mit einem Glas Wein oder einem heißen Kakao, einem guten Buch in der Hand oder einem schönen Film im Fernsehen – während vor den Fenstern die Lichter der Hauptstadt leuchten oder sogar ein paar Schneeflocken vorbeiwirbeln. Was es gäbe es da schöneres, als das Glück eines entspannten Winterabends auf dem Sofa oder im Bett mit...

  • Schöneberg
  • 21.12.20
  • 1.415× gelesen
KulturAnzeige
Jami-ul-Alfar
Video 2 Bilder

Der Traum vom Reisen in der Zeit von Corona
Sri Lanka: eine kleine, wunderschöne Insel

In dieser Zeit, in der die Welt vom Coronavirus geplagt wird, träumt jeder davon, wieder neue Länder und Kulturen zu entdecken und zu erleben. Davon können wir im Moment nur träumen. In Südasien gibt es eine wunderschöne Insel, klein, aber mit vieles zu entdecken und zu erleben, wenn das Reisen wieder möglich ist: Sri Lanka. Abwechslungsreiche LandschaftenSri Lanka befindet sich im Indischen Ozean. Die Insel ist größtenteils flach, aber im südlich-zentralen Teil der Insel gibt es auch Berge,...

  • Schöneberg
  • 15.02.21
  • 524× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen