Mit Vielfalt gegen Intoleranz
Seit zwei Jahren engagiert sich die Heinz-Brandt-Schule im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

Miriam Pech, Marvin und Paula sowie Thérèse Remus und Stefan Grzesikowski von der Heinz-Brandt-Schule im neuen „Raum für Vielfalt“.
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  • Miriam Pech, Marvin und Paula sowie Thérèse Remus und Stefan Grzesikowski von der Heinz-Brandt-Schule im neuen „Raum für Vielfalt“.
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Im Keller der Heinz-Brandt-Schule gibt es seit Kurzem einen „Raum für Vielfalt“. Eingerichtet wurde er im Rahmen eines Projektes unter Anleitung von Thérèse Remus. Die Lehrerin ist „Kontaktperson für Vielfalt“ an dieser Schule.

„Der Raum ist noch nicht ganz fertig“, sagt sie, während sie mit dem Reporter ein paar Treppenstufen in den Keller der Schule hinabsteigt. „Aber wir haben ihn schon so eingerichtet, dass sich hier Schüler treffen und über das Thema Vielfalt sprechen können.“ Außerdem bietet sie als Kontaktperson donnerstags eine Sprechstunde an. Thérèse Remus schließt die Tür auf. Der Fußboden ist rotbraun gekachelt. An der Decke und an Wänden führen Leitungen entlang. Aber die Hälfte des Raumes sieht bereits gemütlich aus. Da liegt ein Teppich, auf dem ein runder Tisch steht. Es gibt eine Sitzecke, Stühle und eine Stehlampe. Ringsherum stehen Aufsteller mit Plakaten, auf denen Slogans wie „fair teilen“, „Wirkung entfalten“, „Chancen eröffnen“ stehen. Um diese Themen geht es auch, wenn Schüler in diesem besonderen Raum zusammenkommen.

„Wir sind seit zwei Jahren im Netzwerk ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘“, sagt Schulleiterin Miriam Pech. „Dieses Motto wird bei uns auch gelebt.“ Um die Jahrtausendwende sah es an dieser früheren Hauptschule noch anders aus, erinnert sich die heutige Schulleiterin. „Schüler kamen mit rechtsradikaler Kleidung und Insignien. Es gab rassistische Sprüche. Wir haben viel diskutiert, versucht, das Bewusstsein der Schüler zu schärfen.“ Es war ein langer Prozess. Pädagogen und Sozialarbeiter brauchten viel Geduld. Stück für Stück fand ein Umdenken statt.

Inzwischen hat sich vieles verändert. Die Schule wurde saniert, erhielt einen Anbau. Seit Anfang dieses Jahrzehnts ist sie Integrierte Sekundarschule. In der Schulgemeinschaft steht inzwischen das gemeinschaftliche Miteinander im Vordergrund. „Wir engagieren uns auf unterschiedliche Weise gegen Rassismus und gegen Gewalt“, betont Stefan Grzesikowski. So findet seit acht Jahren eine „Gedenkstättenfahrt nach Krakau“ mit Schülern statt, nennt der Deutschlehrer ein Beispiel. Auf dieser Fahrt erfahren die Schüler auf eindrucksvolle Weise, welche Folgen der Rassismus in der NS-Zeit hatte.

Ein weiteres Beispiel: Die Schule initiierte ein Tandemprojekt. In diesem unterstützt jeweils ein Schüler aus einer Regelklasse einen Schüler, der als Flüchtling nach Berlin kam. „Weil wir bereits viel zu diesen Themen machen, entschlossen wir uns, beim Netzwerk ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ mitzumachen“, sagt Stefan Grzesikowski. Vor zwei Jahren wurde die Schule ins Netzwerk aufgenommen.

„Man merkt im Alltag keinen großen Unterschied“, meint Marvin aus der 10. Klasse. „Wir hatten uns ja bereits vorher engagiert. Aber meine Erfahrung ist, dass es uns allen viel bewusster ist, dass wir jetzt eine Schule ohne Rassismus und mit Courage sind.“ „Wenn wir uns auf dem Schulhof unterhalten und jemand lässt einen rassistischen Spruch los, springen die anderen darauf an“, berichtet Schülersprecherin Paula von ihren Erfahrungen. „Dann reden wir mit dem Betreffenden darüber. Meist ist so ein Spruch nur so dahin gesagt, ohne nachzudenken. Und je mehr man sich in der Schule mit dem Thema auseinandersetzt, umso weniger kommen solche Sprüche.“

„Ich denke, eine Schule in der es absolut keine Anzeichen von Rassismus und Gewalt gibt, wird man wohl kaum finden“, meint Schulleiterin Mariam Pech. „Wenn das bei uns vorkommt, besprechen das ausführlich und anlassbezogen.“ Ganz neu ist seit diesem Schuljahr: Thérèse Remus bietet in Abstimmung mit der Schulleitung erstmals einen Wahlpflichtkurs zum Thema Vielfalt an. „In diesem behandeln wir Vielfalt aus unterschiedlichen Perspektiven“, erklärt sie. Da wird zum Beispiel über die Vielfalt des Aussehens, die Vielfalt von Beeinträchtigungen, über sexuelle und auch über religiöse Vielfalt gesprochen. Auch hier geht es darum, Bewusstsein für die Vielfalt im Leben zu entwickeln, damit die Schüler stark zu machen, damit sie im Alltag couragiert auftreten können.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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