Jubiläum im Schatten von Corona
Spandauer Stadtbibliothek wurde vor 100 Jahren gegründet

Die Ausstellung zeigt die Bibliotheksgeschichte im Schnelldurchlauf. Sie kann auch in einer Broschüre nachgelesen werden, die seit Mitte November ausliegt.
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  • Die Ausstellung zeigt die Bibliotheksgeschichte im Schnelldurchlauf. Sie kann auch in einer Broschüre nachgelesen werden, die seit Mitte November ausliegt.
  • Foto: Stadtbibliothek Spandau
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Die Geburtstagsausstellung kann zwar seit Ende Oktober besichtigt werden, aber eher im Vorbeigehen. Sie befindet sich im Gebäude der Bezirkszentralbibliothek an der Carl-Schurz-Straße 13. Die ist wie alle Büchereistandorte im Bezirk bisher noch geöffnet, aber coronabedingt nur für die Ausleihe.

Die Spandauer Stadtbibliothek wurde vor einigen Tagen 100 Jahre alt. Am 24. Oktober 1920 eröffnete im Kaufhaus Grand am Markt die erste Bücherei unter kommunaler Regie. Einen Grundstock bildeten die Bestände des Spandauer Volksbildungsvereins. Der hatte seit 1907 eine Volksbücherei im Keller einer Schule an der Kurstraße betrieben. Zu Beginn verfügte die Bibliothek über einen Bestand von 9156 Büchern. Der wuchs bis 1928 auf rund 28.000 an. Zu dieser Zeit zog die Bibliothek in das Dachgeschoss des Rathauses, und es gab Zweigstellen in Staaken, Gatow und Kladow. Der Bestand ging aber nach der Machtübernahme der Nazis 1933 stark zurück. Unliebsame Werke wurden aussortiert. Im Oktober 1945 verschwanden wiederum aus der Bibliothek etwa 10 000 Titel, die NS-Gedankengut verbreiteten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden aber auch weitere Angebote immer wichtiger: Zeitungen und Zeitschriften, Schallplatten und Kassetten, Gesellschaftsspiele, später Videos, CDs und DVDs, Konsolen-Spiele und weitere interaktive Medien. Alles eingerechnet verfügt die Spandauer Stadtbibliothek heute über mehr als 300.000 Medieneinheiten. Knapp 200.000 sind es allein in der Bezirkszentralbibliothek an der Carl-Schurz-Straße. Das Haupthaus befindet sich seit 2001 im ehemaligen Postgebäude vis-à-vis dem Rathaus. Auch die Kinder- und Jugendbibliothek ist dort angesiedelt. Davor befand sich das „Flaggschiff“ 45 Jahre lang an der Seegefelder Straße.

In normalen Zeiten wird die Zentralbibliothek täglich von bis zu 1200 Menschen besucht. Daneben gibt es aktuell vier Stadtteilbibliotheken: an der Obstallee in Staaken, der Sacrower Landstraße in Kladow, an der Gartenfelder Straße in Haselhorst und an der Westerwaldstraße im Falkenhagener Feld. Dazu kommen Außenstellen in Grundschulen und – nicht zu vergessen – der Bücherbus, der im Lauf einer Woche 15 Orte im Bezirk anfährt – an Bord circa 4000 Medien.

Wachstum ist angesagt

Aber auch in Spandau wurden Standorte aufgegeben. 2000 zum Beispiel an der Südekumzeile, sieben Jahre später in West-Staaken. Mittlerweile geht es aber wieder um Wachstum. In einem Neubau an der Rauchstraße soll 2023 eine Stadtteilbibliothek für Hakenfelde eröffnen. Auch in Siemensstadt ist eine Zweigstelle geplant. Und Staaken braucht größere Räume. Die Bezirkszentralbibliothek ist ebenfalls seit Jahren an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Ein Umbau könnte für weitere Flächen sorgen. Doch dessen Kosten summieren sich immer mehr, vor allem wegen des hohen Sanierungsbedarfs im Gebäude werden diese inzwischen auf rund 16 Millionen Euro geschätzt. Und dieses Geld muss erst einmal aufgetrieben werden.

Schneller soll es bei einer Innovation am Bibliotheksstandort in Kladow gehen. Im kommenden Jahr ist dort die Eröffnung von Spandaus erster „Open Library“ geplant. Das bedeutet: Das Haus kann auch am Wochenende und damit unabhängig von herkömmlichen Öffnungszeiten besucht werden. Mit dem Bibliotheksausweis lässt sich dann die Tür öffnen, Selbstbuchungsgeräte, Computerarbeitsplätze und weitere Angebote stehen zur Verfügung. Die „Open Library“ steht für die Zukunft des Bibliothekswesens. Sie ist ein Ort, der nahezu uneingeschränkt aufgesucht werden kann.

Bibliothekswesen im Umbruch

Für die Umbrüche im Bibliothekswesen stehen schon lange Angebote etwa für Kitagruppen und Schulklassen, Lesungen und andere Veranstaltungen, aber auch Konzepte wie „Coworking Spaces“, also Orte, an denen Menschen interdisziplinär und temporal zusammenarbeiten können. Das Ziel ist eine Art Treffpunkt, an dem Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen zusammenkommen. Die Bibliothek bildet so einen Mittelpunkt im jeweiligen Stadtteil.

Das Interesse und Potenzial ist dafür auch in Spandau vorhanden und wird wahrscheinlich durch weiteren Zuzug in den kommenden Jahren noch wachsen. Nach Angaben von Leiterin Heike Schmidt haben derzeit mehr als 29 000 Menschen im Bezirk einen Bibliotheksausweis. 42 Prozent davon sind Kinder und Jugendliche, 18 Prozent gehören zur Generation 55plus. 2019 habe es 5000 Neuanmeldungen gegeben. Die jährliche Besucherzahl wird mit 650.000 angegeben.

Die Ausstellung zeigt die Bibliotheksgeschichte im Schnelldurchlauf. Sie kann auch in einer Broschüre nachgelesen werden, die seit Mitte November ausliegt.
Auch die einzelnen Stadtteilbibliotheken und die Fahrbibliothek stellen sich in der Ausstellung vor.
Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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