Eine Ruine mit Weltruf
Neue Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche feiert Jubiläum

Im Berliner Volksmund ist das achteckige Kirchenschiff auch als "Puderdose“ bekannt.
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  • Im Berliner Volksmund ist das achteckige Kirchenschiff auch als "Puderdose“ bekannt.
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Die neue Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche wird 60. Das Festprogramm mit Gottesdiensten, Musik, Vorträgen und Fotoausstellung läuft bis zum 19. Dezember. Auch Zeitzeugen wie Eberhard Diepgen kommen zu Wort.

Mit einem enttäuschten Architekten beginnt vor 60 Jahren der Neubau der im Krieg zerstörten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Egon Eiermann hatte 1957 zwar den Architektur-Wettbewerb gewonnen. Doch seine Freude über den Auftrag aus Berlin währte nicht lange. Zu viele Entscheidungsträger wollten mitreden, zu uneins waren sich die Auftraggeber. Als dann noch die Berliner und die Boulevardpresse Sturm liefen, weil Eiermann die Turmruine abreißen wollte, um dem Neubau Platz zu machen, war er drauf und dran, alles hinzuschmeißen. Eiermann konnte sich mit dem Gedanken zunächst überhaupt nicht anfreuden, den ihm verhassten Rest des wilhelminischen Prachtbaus integrieren zu müssen.

Gestiegene Baukosten
aus eigener Tasche bezahlt

Unter dem Druck der Bauherrschaft plante der Architekt schließlich um. Nach harten Wochen, einem schweren Herzinfarkt und gestiegenen Kosten, die Eiermann aus eigener Tasche bezahlte, übergab er schließlich am 3. Advent 1961 nach drei Jahren Bauzeit Bischof Dibelius den Schlüssel zur neuen Kirche. Wenige Monate zuvor hatte der Bau der Berliner Mauer begonnen, die Stadt war geteilt.

"Ei" auf blauem Glas

Heute, 60 Jahre später, ist die neue Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mit der Ruine des historischen Turms als Mahnmal weltbekannt, vor allem wegen ihrer blauen Glaswände des französischen Glaskünstler Gabriel Loire. Was nur wenige wissen: Eiermann hat sich auf einem der mehr 20 000 Glasfenster mit seinen Initialen „Ei“ verewigt. Das Blau der Fenster steht für den Frieden und die Farbspuren für die Freude. Mitten in der Stadt ist die neue Kirche vor allem ein Ort der Stille.

Festwochenende am 18. und 19. Dezember

Das ändert sich in den kommenden Wochen. Denn zum runden Geburtstag haben sich Pfarrerin Kathrin Oxen, Pfarrer Martin Germer und Lutz-Helmut Schön als Gemeindekirchenratsvorsitzender ein festlichen Programm überlegt. Was so einfach nicht war. „Die neue Kirche ist eine Woche vor Weihnachten eingeweiht worden. In so kurzer Zeit möglichst viele Veranstaltungen unterzubringen, war schwierig für uns“, sagt Kathrin Oxen. Und doch hat es geklappt. Zwölf Veranstaltungen laufen im November und Dezember. Darunter Konzerte, das Weihnachtsoratorium von Bach, Vorträge, eine Fotoausstellung im Foyer und natürlich Gottesdienste. Höhepunkt ist das Festwochenende am 18. und 19. Dezember.

Eberhard Diepgen hat an der Kirche mitgebaut

Einen der beiden Festvorträge zu 60 Jahren neue Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche hält am 15. Dezember der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen. Warum gerade er? „Weil Diepgen als 18-Jähriger als Hilfsarbeiter hier auf der Baustelle gearbeitet hat“, verrät Martin Germer. Für einen Stundenlohn von 2,05 DM. Diepgen ist aber nicht der einzige Zeitzeuge, den die Organisatoren aufgespürt haben. Aus Österreich reist ein Ehepaar an, das sich in der neuen Kirche einst hat trauen lassen. Aber nicht nur Brautpaare, sondern auch Täuflinge und Konfirmanden der frühen Jahre haben Andreas Abel und Annette Scholl von der Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche im Vorfeld des Jubiläums gesucht. Von den Erinnerungen der Zeitzeugen erzählt das Jubiläumsmagazin. Es kostet 12 Euro.

Am Glockenturm beginnen bald Bauarbeiten

Bereits einen Monat nach ihrer Eröffnung hatte die neue Kirche 100 000 Besucher. Heute sind es etwa 1,3 Millionen pro Jahr – wenn nicht gerade Lockdown ist. 40 Prozent kommen aus aller Welt, berichtet Pfarrer Germer. Neun Jahre nach seiner Einweihung musste das achteckige Kirchenschiff allerdings schon saniert werden. „Das steht im Schnitt alle 15 Jahre an“, sagt Germer. Demnächst beginnen am 113 Meter hohen Glockenturm die Bauarbeiten. Zuletzt war der Turm von 2009 bis 2015 unter Planen verschwunden. Restauriert werden müssen auch die blauen Glasfenster. Die Kirchenstiftung hat deshalb eine Spendenaktion gestartet.

Das gesamte Festprogramm ist auf www.gedaechtniskirche-berlin.de abrufbar.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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