Zu viel Platz für Autos?
Initiative fordert "Flächengerechtigkeit" im Schillerkiez

Mitglieder der Initiative bei der Arbeit.
  • Mitglieder der Initiative bei der Arbeit.
  • Foto: Christian Schlicht
  • hochgeladen von Susanne Schilp

Diese Zahlen könnten selbst eingefleischte Autofahrer beeindrucken: Im Schillerkiez nehmen die Parkplätze 6,5 Prozent der Gesamtfläche ein. Spiel- und Grünflächen bringen es gerade mal auf 2,7 Prozent – zusammengerechnet, wohlgemerkt.

Die Initiative ParkplatzTransform hat diese Werte vor wenigen Tagen vorgelegt. Zuvor waren Mitglieder im Quartier mit seinen knapp 16 000 Einwohnern unterwegs und haben die Stellplätze gezählt. Sie kamen auf 2589, das entspricht einer Fläche von mehr als 32 000 Quadratmetern. 

Die Initiative setzt sich für „Flächengerechtigkeit“ ein und fordert mehr Platz für Fußgänger, Kinder und Radfahrer. Dass die Aktivisten ausgerechnet im Schillerkiez unterwegs waren, hat seinen Grund. Hier sind die Verhältnisse extrem. Die Straßen nehmen insgesamt 28 Prozent der Gesamtfläche ein. Zum Vergleich: In ganz Neukölln sind es 13, in Berlin durchschnittlich elf Prozent.

„Der Platz könnte sinnvoller genutzt werden“

Großes Potential sieht Initiativen-Sprecherin Natalie Pavlovic zum Beispiel an der Oderstraße. „Hier stehen viele Dauerparker, Anhänger, Transporter, Wohnmobile von Wochenendpendlern. Der Platz könnte sinnvoller genutzt werden, zum Beispiel für einen separierten Radweg“, sagt sie. Wie viele andere Neuköllner fordert sie auch einen geschützten Radstreifen an der Hermannstraße. Nur vier Prozent aller Parkplätze im Schillerkiez befänden sich an dieser Magistrale. „Es würde also nur ein geringer Teil der Stellflächen wegfallen“, so Pavlovic.

Platz für Autos gebe es in Parkhäusern und -plätzen, die an der Flughafenstraße liegen und regelmäßig zu weniger als zwei Dritteln ausgelastet seien.  „Parken im öffentlichen Raum muss teurer werden. Fahrzeuge, die mehr als 23 Stunden am Tag rumstehen – wie so oft in der Stadt – gehören nicht in den stark begrenzten öffentlichen Raum. Schon gar nicht kostenlos.“

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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