Neuköllner demonstrieren, Politiker diskutieren
Signa-Gruppe hält zahlungskräftige Mieter im Karstadt-Neubau am Hermannplatz für notwendig

Die Initiative Hermannplatz hatte zu der Demonstration vor dem Rathaus aufgerufen.
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Rund 150 Menschen haben am 21. Januar vor dem Rathaus gegen einen Abriss und Neubau des Karstadt-Hauses am Hermannplatz demonstriert. Im Anschluss tagte der Stadtentwicklungsausschuss, bei dem Vertreter des Signa-Konzerns – Eigentümer des Warenhauses – über den Stand der Dinge informierten.

Die Demonstranten werfen der Signa-Gruppe Profitgier und Gigantismus vor. Das Großprojekt heize Immobilienspekulation und Tourismus an und sorge so für Verdrängung von Mietern und Gewerbetreibenden. Allein die Tatsache, dass der österreichische Milliardär René Benko hinter dem Unternehmen steht, sorgt bei einigen für Misstrauen. Rund 1200 Unterschriften gegen den Abriss wurden bereits gesammelt.

Wie berichtet, will Signa den Karstadtbau aus dem Jahr 1929 wiederauferstehen lassen, samt der großen Dachterrasse in 32 Metern Höhe und den beiden Türmen. Das Planungsrecht liegt jedoch nicht in Neukölln, sondern auf Kreuzberger Seite. Der dortige Stadtplanungsstadtrat Florian Schmidt (Grüne) hat vor Monaten das Projekt abgelehnt.

Doch Signa hält an dem Vorhaben fest. „Es ist jetzt Zeit für ein strukturiertes Verfahren, für eine Öffentlichkeitsbeteiligung“, sagt Thibault Chavanat, Projektmanager im Unternehmen. Das würde mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen, drei bis vier Jahre rechnet er für einen Neubau.

Kundenverlust muss gestoppt werden

Der sei unbedingt notwendig, denn Karstadt verliere seit mehr als zehn Jahren Kunden und damit Umsätze. Der derzeitige Bau lasse nur Handel zu, es müssten aber Flächen an Büros und andere vermietet werden. Nur eine solche Mischnutzung mache es möglich, ein Warenhaus in der Stadt zu erhalten und zu finanzieren.

Die derzeitigen Planungen sehen vor, die Größe der heutigen Karstadt-Verkaufsfläche in etwa zu erhalten. Genaue Angaben zu Quadratmetern, Aufteilung und Nutzung des neuen Gebäudes wollten die Signa-Vertreter nicht machen. „Das haben wir anfangs getan und sofort auf den Deckel bekommen“, sagt Geschäftsführer Timo Herzberg. Über diese Dinge müsse während des Beteiligungsprozesses verhandelt werden.

Es sei aber weder eine Shopping Mall mit vielen kleineren Geschäften noch ein Hotel vorgesehen. Sozialwohnungen könnten in den Neubau integriert werden, dazu eine Kita und eine Arztpraxis. Außerdem versprechen die Investoren Raum für lokale Gruppen, kulturelle und soziale Nutzungen.

Auf jeden Fall abgerissen werden solle das überdimensionierte siebenstöckige Parkhaus an der Urbanstraße, geplant ist eine Tiefgarage. Fest steht, dass der noch aus den 20er-Jahren stammende Gebäudeteil an der Hasenheide stehen bleibt. Platz für die Postbank und die Buchhandlung sind im neuen Bau ebenfalls vorgesehen.

Umbau bei laufendem Betrieb?

Die Umgestaltung solle bei laufendem Betrieb stattfinden, so Chavanat. Dafür gebe es zwei Möglichkeiten: Entweder man baut nur in einer Hälfte, während die andere geöffnet bleibt – dann sei jedoch mit einer Verdoppelung der Bauzeit zu rechnen. Oder Karstadt sucht sich in der Nähe einen temporären Ersatzstandort.

Stadtplanungsstadtrat Jochen Biedermann sagt, er sei sich mit seinem Amtskollegen aus dem Nachbarbezirk und der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher einig, dass neben Friedrichshain-Kreuzberg auch Neukölln von dem Projekt betroffen sei und mitreden sollte. Jetzt gelte es, Gutachten und „ergebnisoffene Untersuchungen“ auf den Weg zu bringen.

„Allein mit der Wiederherstellung der historischen Fassade ist es nicht getan. Es muss konkret gesagt werden: Wie sehen die Nutzungen aus?“, so Biedermann. Er habe schon oft die bittere Erfahrung machen müssen, dass anfangs viele Versprechungen gemacht würden. „Und nach und nach rücken dann die sozialen Sachen immer mehr in den Hintergrund.“

Einen Rückzieher machte der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerrit Kringel. Er hatte ursprünglich den Antrag gestellt, das Neuköllner Bezirksamt möge die Signa-Neubaupläne unterstützen. Zu einer Abstimmung darüber kam es jedoch im Ausschuss nicht. Es gebe noch Diskussionsbedarf, sagte Kringel.

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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